Richard Lugner will Präsident werden und die Regierung "bei den Ohren packen". Ohne Pathos, Klamauk und Lacher geht es bei seiner Antrittspressekonferenz freilich nicht ab.

Schon der Auftritt ist Inszenierung pur: Richard Lugner ist unter betont staatstragender Musik mit Ehefrau Cathy und Berater Peter-Erik Czak bei seiner ersten Pressekonferenz nach Bekanntgabe seiner Kandidatur zur Bundespräsidentenwahl einmarschiert.

"Wir haben derzeit in unserem Land einen politischen Stillstand", monierte der Baumeister. Es sei höchste Zeit, dass "Schluss gemacht wird mit der Rot-Schwarzen Regierung und mit der Überforderung unseres Landes", bellte der 83-Jährige in die zahlreich aufgestellten Mikrofone.

Die Parteien haben gewählt - jetzt sind Sie dran!

Ein Ende der Rot-Schwarzen Koalition scheint zentrales Element von Lugners Wahlkampf zu sein. Immer wieder kommt der 83-Jährige bei der Pressekonferenz darauf zu sprechen. Im Fall einer Regierungsbildung wolle er als Bundespräsident "einen Mann beauftragen, der keinesfalls wieder eine Rot-Schwarze Regierung installiert".

Probleme für Österreich ortet Lugner vor allem in Sachen Arbeitslosigkeit, Flüchtlinge, Pensionen und der wirtschaftlichen Entwicklung. Da sei ein Bundespräsident gefordert. Politiker müssten bereit sein, zu sagen, dass man den Gürtel enger schnallen müsse.

Kritik an Mitbewerbern

Mehrfach nimmt Lugner Bezug auf seine Kontrahenten, kritisiert etwa, dass Irmgard Griss nicht bereit sei, die Sommerresidenz des Bundespräsidenten abzuschaffen - nach Lugners Ansicht eine "reine Verschwendung von Steuergeld". Das Volk "braucht einen Präsidenten, und nicht Frau Griss einen Job".

Auch gegen ÖVP-Kandidat Andreas Khol schießt der Baumeister scharf. "Der Kohl sagt: 'Ich mag die Leute.' Die Frage ist, ob die Leute ihn mögen", frotzelt Lugner.

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Im Gegensatz zu den anderen Kandidaten werde er kein Geld von Parteien erhalten. Er rechne mit einem Budget von maximal einer halben Million Euro für den Wahlkampf, sagt Lugner. Plakate werde es keine geben. "Die Leute wissen, wie Cathy und ich ausschauen."

"Regierung bei den Ohren packen"

Immer wieder kommt Lugner auch darauf zurück, dass es die Aufgabe eines Bundespräsidenten sei, "die Regierung bei den Ohren zu packen", ihr "auf die Finger zu klopfen" und Kanzler und Vizekanzler "mit dem Finger zu drohen".

Das wäre eine seiner ersten Amtshandlungen als Bundespräsident, sagt Lugner. Schließlich könne ein Bundespräsident den Nationalrat auflösen und die Regierung entlassen, wenn sie nicht spure - beides Maßnahmen, die "mit Augenmaß" einzusetzen seien.

Wiederholt redet sich Lugner in Rage, kritisiert Väterkarenz, die Streitereien der Regierung und die zu geringe Sicherung der Schengengrenzen. Zudem müsse man die Lohnnebenkosten reduzieren und Selbstverantwortung fördern. Es könne nicht angehen, dass "uns die Arbeitsplätze abwandern, und wir schaffen Gratis-Zahnspangen".

Lugner braucht 6.000 Unterstützer

Lugner hatte am Mittwoch bekannt gegeben, er werde als Bundespräsident kandidieren. Um bei der Wahl am 24. April antreten zu können, braucht er 6.000 Unterschriften. Stichtag für die Unterstützer ist der 18. März.

Experten rechnen damit , dass Lugner die Unterschriften zusammenbekommt, räumen ihm sonst aber nur wenig Chancen ein. Das Rennen um die Hofburg dürfte der 83-Jährige aber indirekt beeinflussen.

"Mörtel" war schon einmal bei einer Bundespräsidentenwahl angetreten. Bei seinem ersten Versuch 1998 erreichte er knapp zehn Prozent der Stimmen.

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