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23.08.2012, 10:15 Uhr

30 Meter lang – Das ist der längste Bus der Welt

in Kooperation mitDIE WELT

Eine 30 Meter lange Autotram soll ab Herbst durch Dresden fahren. Sie vereint die Vorzüge zweier Verkehrssysteme. Doch dafür müssen die Haltestellen ausgebaut werden. Interesse gibt’s auch aus dem Ausland.

VonKatja Heise
Autotram Autotram: Der 30-Meter-Bus soll das Bindeglied zwischen Straßenbahn und Bus werden. © Fraunhofer IVI

Er ist dreißig Meter lang, 256 Passagiere haben Platz – und gefahren wir er von einem ganz normalen Busfahrer: die Autotram Extra Grand, der angeblich längste Bus der Welt.

Entwickelt und gebaut wurde die Autotram unter anderem vom Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme Dresden und der Technische Universität Dresden.

Dabei sei es zunächst keine besondere technische Leistung gewesen, ein so langes Fahrzeug überhaupt zu konstruieren, erklärt Matthias Klingner vom Fraunhofer-Institut. Doch einen solchen Superbus so manövrierfähig zu gestalten, dass er am normalen Straßenverkehr teilnehmen kann – das sei gar nicht so einfach gewesen.

Rückwärtsfahren möglich

Auch wenn sie nicht so aussieht: Die Autotram fährt sich angeblich genauso leicht wie ein 12-Meter-Bus, vorwärts – und rückwärts, ein gesonderter Führerschein ist nicht notwendig.

Der Trick dahinter, laut Experten: eine spezielle Lenkung an den fünf Achsen des Gefährts. So folgen die hinteren Busteile der Fahrerkabine genau in die Spur.

Die Autotram vereint Vorteile konventioneller Stadtbusse und Straßenbahnen. Sie transportiert so viele Passagiere wie es normalerweise kein Bus, sondern nur eine Straßenbahn schaffen würde. Doch die Anschaffungs- und Betriebskosten sind deutlich niedriger.

Verbrennungs- und Elektromotor

Außerdem braucht sie keine Infrastruktur mit Gleisen, "die ,Autotram Extra Grand’ kann theoretisch ganz normal am Straßenverkehr teilnehmen", erklärt Matthias Klingner. Und praktisch? Wie ein solch langes Gelenkfahrzeug außerhalb von Busspuren im Verkehr "mitschwimmen" soll, ohne gleich ein Verkehrschaos anzurichten, "das müssen die Pilottests in Dresden zeigen."

Umweltfreundlich soll das Megagefährt laut den Experten auf jeden Fall sein: In ihrem Aufbau entspricht es einem seriellen Hybridfahrzeug - die Autotram besitzt sowohl einen Verbrennungsmotor als auch elektrische Fahrmotoren. Diese Technik ermöglicht es, verschiedene alternative Energiespeicher über einen elektrischen Zwischenkreis in das Fahrzeuges zu integrieren.

"Ein Zwischenschritt auf dem Wege hin zum vollelektrischen Antrieb", sagt der Experte. Dabei erlaubt das Batteriespeichersystem - auch entwickelt vom Fraunhofer-Institut - rein elektrischen Fahrbetrieb über eine Strecke von acht Kilometern.

Letzte Inbetriebnahme- und Zulassungstests

Auch Brennstoffzellen als Energiequelle waren im Gespräch – das sei aber einfach zu teuer gewesen, erklärt der Experte. Dennoch sei die Autotram ein Blick in die Zukunft des Personennahverkehrs in den urbanen Ballungszentren dieser Welt.

Auf dem Testgelände der Dekra im brandenburgischen Klettwitz laufen derzeit auch die letzten Inbetriebnahme- und Zulassungstests. Wenn alles nach Plan läuft, werden die Dresdner Verkehrsbetriebe die ,AutoTram Extra Grand’ im Herbst in Dresden auf einer Linie im Pilotbetrieb einsetzen. Jetzt besichtigten Bundesministerin Annette Schavan und Sachsens Ministerpräsident Stanislav Tillich das Riesengefährt.

Dabei soll es nicht bleiben: Vor allem die Ballungszentren der Schwellenländer wollen den Bus für ihre verstopften Straßen. Indien, China, Shanghai, Russland und Länder im arabischen Raum haben bereits Interesse signalisiert.

Und die Nachteile des Projekts? Es war nicht ganz billig: Der Bau kostete 3,4 Millionen Euro, die jeweils zur Hälfte vom Land Sachsen sowie von der Fraunhofer-Gesellschaft getragen wurden. Außerdem: Die Dresdner Bushaltestellen sind nicht für 30-Meter-Busse angelegt – die müssten ausgebaut werden.

© DIE WELT

Alle News vom: 23. August 2012 Zur Übersicht: Auto

21 Meinungen zu "Der wohl längste Bus der Welt"

  • Azze
    Mittwoch, 29.08.2012, 09:18 Uhr
    @swissangel: "ich frag mich wie das gehen soll. Was ist mit den engen Kurven wo bereits LKW mit Anhänger ihre Probleme haben die Kurven zu schaffen wie bei einer Kreuzung (z.b. rechts abbiegen) ????" Text lesen hilft: Der Bus hat ein Lenksystem, welches dafür sorgt, dass jede Achse genau auf der Spur der vorigen folgt. Damit kommt er um jede Ecke
  • Swissangel
    Freitag, 24.08.2012, 10:22 Uhr
    ich frag mich wie das gehen soll. Was ist mit den engen Kurven wo bereits LKW mit Anhänger ihre Probleme haben die Kurven zu schaffen wie bei einer Kreuzung (z.b. rechts abbiegen) ????
  • Odatas
    Freitag, 24.08.2012, 09:56 Uhr
    Diese doppel Gelenk Buse fahren in Hamburg schon ein paar Jahre..der ist bei uns zwar nur knapp 28 Meter lang aber die 2 Meter machen den Kohl auch nicht fett.
  • barraquda
    Freitag, 24.08.2012, 08:46 Uhr
    Warum nicht gleich einen O-Bus bauen .
  • Azze
    Freitag, 24.08.2012, 08:38 Uhr
    @rubber66: Der Bus ist Länger als ein Gigaliner (24.5 meter).Den will keiner haben weil er"ZU LANG"ist. Die Kritik am Gigaliner bezieht sich ja auf dessen möglichen Einsatz auf Landstraßen. Wenn da einer überholt werden soll, dann könnte es wegen des Gegenverkehrs und des langen Überholwegs gefährlich werden. Der Maxibus soll dagegen ja nur im Stadtverkehr eingesetzt werden, wo m.W. ein generelles Überholverbot herrscht, außer auf mehrspurigen Straßen, wo es wiederum kein Problem sein dürfte.
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