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16.07.2012, 11:21 Uhr

Seit 9/11 begehrt: Das Studium der Islamwissenschaft

Berlin (dpa/tmn) - Beim Gedanken an den Islam denken viele seit dem 11. September gleich an Al Kaida und Terrorismus. Das macht es nicht einfacher, sich mit der Religion zu befassen. Das frühere Orchideenfach Islamwissenschaft ist heute dafür gefragter denn je.

Früher war Islamwissenschaft ein Nischenfach. Dann kam der 11. September 2001. "Danach wurden die Institute überrannt", erzählt die Islamwissenschaftlerin Johanna Pink, die an der Freien Universität Berlin lehrt. Denn nach den Anschlägen der Terrororganisation Al Kaida in New York wurde plötzlich viel über den Islam debattiert. Dem Ansehen der Religion und seiner Anhänger hat das nicht gerade gut getan. Das Interesse an der Islamwissenschaft sei aber größer geworden, erklärt Pink.

Ein theologischer Studiengang ist das nicht. Hinter dem Begriff versteckt sich das Studium der Sprache, Gesellschaft, Kultur, Politik und Religion der islamischen und arabischen Welt. Dazu gehören neben der Türkei und dem Iran der ganze Nahe und Mittlere Osten. Das Fach kann im gesamten Bundesgebiet studiert werden.

"Voraussetzung ist eine Sprachbegabung", sagt Pink. Neben Arabisch müssen Studenten noch Persisch oder Türkisch als zweite Sprache lernen. Auch Englisch und Französisch werden gefordert. "Die meisten studienrelevanten Bücher sind nicht in Deutsch geschrieben." Gerade Arabisch wird für viele zum Verhängnis. "Die Abbruchquote unter den Erstsemestern ist sehr hoch", erzählt Pink. Nach ihrer Beobachtung bricht fast die Hälfte der Studienanfänger das Studium ab.

Nicht so Josephine Gehlhar. Für sie ist Arabisch eine logische Sprache. "Ich wollte ursprünglich Mathematik und Physik studieren", erzählt die Islamwissenschaftsstudentin. Sie macht gerade an der FU Berlin ihren Master. In einem Studienführer entdeckte sie das Fach. "Das hat mich direkt gepackt", erzählt die 26-Jährige.

Doch nicht nur die Sprache hat es Gehlhar angetan. "Islamwissenschaft bietet eine große Bandbreite. Von verschiedenen Perspektiven kann man sich der Materie nähern: sprachlich, philosophisch, kulturell, politisch", erzählt sie. Im Gegensatz zu ihren Kommilitonen will Gehlhar später in die Forschung. Mitstudenten hätten Politik und Wirtschaft als Zusatzfach gewählt. Nach einem Praktikum bei der deutschen Außenhandelskammer etwa in Dubai, wollen sie später in die Wirtschaft.

Enttäuscht werden jene von Islamwissenschaft sein, die aus religiösen Motiven das Fach studieren. Denn Islamwissenschaft setzt sich mit dem Islam und dem Koran kritisch und wissenschaftlich auseinander. Ein Konflikt für jene, für die die Aussagen des Korans unantastbar sind. Wer glaubt, Islamwissenschaft studierten hauptsächlich Menschen mit Migrationsgrund oder Muslime, der irrt.

Die Debatte um den Islam habe vielen Studenten neue berufliche Perspektiven eröffnet, sagt Pink. Die Nachfrage nach Islamwissenschaftlern steige. Von Medien über Sicherheitsbehörden, das Auswärtige Amt bis hin zu Nichtregierungsorganisationen: "Die Absolventen kommen in verschiedenen Bereichen unter", erzählt Pink. Allerdings gibt es kein klares Berufsbild wie in Medizin oder Jura. Deshalb ist im Studium viel Eigeninitiative gefragt.

Florian Peil hat während seines Studiums in Göttingen, Kairo und Berlin viele Redaktionspraktika gemacht. Der 37-Jährige wollte Journalist werden. Am Ende hat sich der Islamwissenschaftler anders entschieden. Er arbeitet jetzt als Sicherheitsberater für deutsche Firmen, die in den arabischen Raum expandieren wollen. Für sie macht er Risikoeinschätzungen und Sicherheitsanalysen. Er rät, Praktika in verschiedenen Bereichen zu machen, um sich viele Wege offenzuhalten.

Das neue Interesse an Islamwissenschaftlern, wie Pink es beschreibt, hat er so nicht erlebt. Islamwissenschaft sei für viele außerhalb des Fachs kein Begriff. Entsprechend verwundert reagierten einige auf sein Studium und fragten, ob er jetzt Moslem sei. Dennoch ist Peil mit seiner Studienwahl zufrieden. "Ich habe viel Interessantes erlebt", erzählt er. Außergewöhnliche Sprachen wie Arabisch oder Türkisch zu können, sei immer ein Pluspunkt.

Dem stimmt Lisa Akbary zu. Die 32-Jährige hat in Hamburg und an der Sorbonne Islamwissenschaft studiert. Seit zwei Jahren arbeitet sie für die Deutsche Welthungerhilfe in Kabul. Der Jobeinstieg war schwer. "Das ist aber kein reines Islamwissenschaftler-Problem. Als Geisteswissenschaftler ist man Generalist und hat es schwerer", sagt sie. Das Studium aber habe sie nie bereut.

Islamwissenschaft, Arabistik und islamische Theologie

Jede Universität setzt unterschiedliche Schwerpunkte in dem Fach. Arabistik etwa ist an einigen Unis Teil der Islamwissenschaft, an anderen ein eigener Studiengang. Arabistik setzt sich mit der arabischen Sprache und Literatur auseinander. Die islamische Theologie vermittelt Kenntnisse der islamischen Religion und kann in Tübingen studiert werden. An einigen Hochschulen ist das Fach zulassungsbeschränkt. In Berlin etwa lag der Numerus clausus im vergangenen Wintersemester bei 1,7.

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16 Meinungen zu "Studienanreiz durch 9/11"

  • Sissymaid
    Mittwoch, 12.09.2012, 16:09 Uhr
    Hallo Menun, was sagst Du zu den "Reaktion" (ich würde es ÜBERreaktionen) auf die angeblichen Beleidigungen Mohameds in manchen Ländern zur Zeit? Es erschreckt mich, wie Moslems mit Kritik oder Zweiflern ihrer Religion umgehen. Ist das in Ordnung? Ist das zeitgemäß? Steht das in einem gesunden Verhältnis zum Auslöser? In meinen Augen nicht. Und in meinen Augen schürt es wieder genau die Ängste und die Abneigung, die ich ursprünglich in diesem Thread zum Ausdruck bringe. Es erscheint mir so, dass die Hauptsache zu sein scheint, dass man Ärger und Krawall machen kann. Am besten noch gegen Andersgläubige und am Besten mit Feuer und Mord. So kommt es bei mir an.
  • Sissymaid
    Mittwoch, 12.09.2012, 07:46 Uhr
    @Minimo: Phantasie hast Du ja. Muss man Dir lassen.
  • Minimo21
    Dienstag, 11.09.2012, 16:34 Uhr
    Leute, ich verstehe echt nicht warum die Religion ständig mit in die Politik gebracht wird. Ich fange mal besser so an: Der Islam wird im TV ständig als eine "schlimme" Religion dargestellt. Das einzige was sich in den Köpfen der Menschen eingeprägt hat ist: MOSLEMS SIND BÖSE UND TÖTEN!! Leute, jetzt geht mal tief in euch und denkt nach, das stimmt doch überhaupt nicht ?! Bsp: 1.Weltkrieg: Tausende Menschen gestorben. Waren die Moslems dabei? NEIN 2.Weltkrieg: Tausende Menschen gestorben. Waren die Moslems dabei? NEIN Hitler vernichtet tausende von Juden. Hat es was mit den Moslems zu tun? NEIN In Norwegen tötet ein Mann fast 100 Menschen. Grund: ER IST KRANK! KLAAAAR! Versteht ihr? In den Medien spricht man über so etwas nicht. Und wenn man darüber spricht, dann werden solche Sachen nicht als "terroristisch" und "schlimm" empfunden. Aber sobald mal irgendwas ist wo Moslems auftauchen, bricht die Welt wieder in Panik aus. Schonmal was von WIKILEAKS gehört? Schonmal die ganzen Aufnahmen der Amis gesehen, die ja NIE im TV ausgestrahlt wurden? Wo beispielsweise zwei Amis im Hubschrauber sitzen und sich unterhalten? A:"Komm, wir bringen den penner um." B:"Ja, los. Hahahaha." Aber über so etwas spricht man nicht. Warum? Weil die scheiss Amis verdammt nochmal Kohle haben und verdammt nochmal schon fast die Weltherrschaft. Das was die Amis wollen wird gemacht. Glaubt ihr wirklich dass Osama Bin Laden tot ist? Habt ihr schon ein Foto seiner Leiche gesehen? Saddam Hussein wurde hingerichtet und noch heute kann man sich im Internet seinen Tod anschauen. Gadaffi ist tot und noch heute sieht man die Bilder im Internet. Und die Bilder von Osama? Leute wacht endlich auf!!!! Diese ganze 9/11 Scheisse wurde von Anfang an vereinbart. Die Amis haben einfach die Abmachung mit Osama gemacht. "Osama, ihr knallt mal mit zwei Flugzeugen in unsere Tower, daraufhin haben wir einen Grund Krieg gegen euch zu führen, kommen dann somit viel leichter an das Erdöl und du und deine Männer bekommen Tonnenweise geld von uns". Klar dass Osama da nicht nein sagt. Meint ihr wirklich die großen Politikermänner interessiert es dass dabei mal tausende von menschen sterben? Wir als das Volk haben sowas von keine Ahnung was bei den "wichtigen und großen" Leuten über uns abgeht. Die lachen uns aus!!!!! wirklich!!!
  • Sissymaid
    Dienstag, 11.09.2012, 12:46 Uhr
    @Menun: Hm. Das regt mich zum Nachdenken an. Schade, dass wir uns nie in live kennen lernen. Aber auf jeden Fall DANKE für die Anregung zum Nachdenken. Sehr interessanter Beitrag! Ganz viele Grüße! (das mein ich ernst, keine Ironie!!)
  • Menun
    Dienstag, 11.09.2012, 12:10 Uhr
    Ob Sie das nun glauben oder nicht, aber auch mir ist sehr wohl bekannt, dass Hilter Österreicher war... (Schule 9. Klasse) Abgesehen davon finde ich nicht, dass ich Birnen mit Äpfeln vergleiche, denn Sie pauschalisieren und ich wollte mit meinem Vergleich lediglich aufzeigen wie dumm Pauschaliesierungen sind. Sie schrieben: "Ich vermisse die Selbstbeherrschung, das Einhalten der Umgangsformen des 21 Jahrhunderts und die Aufgeschlossenheit gegenüber Andersdenkenden." Und sehen Sie, da fängt das Problem, nein, MEIN Problem nämlich an. Ich bin höflich, bin gut erzogen, weiß mich zu benehmen, weiß mich an Gesetze zu halten (ja, die Gesetze in Deutschland), akzeptiere jeden der anders denkt oder an etwas anderes oder auch an nichts glaubt, es ist mir egal ob jemand SM praktiziert, schwul / lesbisch ist, sich lieber Tiere anschafft anstatt Kinder zu bekommen, ob jemand sein Geschlecht umwandeln will,... Ich akzeptiere Menschen, die sich kleiden wie Punks, wie Skater, wie Rapper, wie Mangas. Es ist mir völlig egal. Aber wie ist es, wenn sich jemand kleidet wie ein Muslim? Wie sieht es aus, wenn ein Muslim täglich betet? Wenn ein Muslim sich weigert Alkohol zu trinken? Ich frage mich wer sich nun von wem "mental" angespuckt fühlt bzw wortwörtlich angespuckt wird??? Und zum Thema Distanzierungen. Viele, fast alle Verbände, haben sich von diesem abscheulichen Verbrechen distanziert, aber das haben Sie, wie so viele andere, nicht mitgekriegt / überhören wollen. So ein Verbrechen ist nicht ISLAMISCH. Wenn man einen "MENSCHEN" umbringt, so ist es als hätte man die ganze MENSCHHEIT umgebracht. Es wird nicht differenziert zwischen MUSLIMEN und NICHT-MUSLIMEN. Und es ist egal aus welcher Perspektive - es BLEIBT ein VERBRECHEN! Mir als bekanntlich "tier-, und menschenfeindlicher" Muslim tut der Hund meiner "deutschen" Nachbarin leid, der nicht genug Auslauf bekommt. Mir tun Tiere leid, die gequält werden, ich versuche jede Spinne zu fangen und lebendig aus meiner Wohnung zu befördern, weil ich ein schlechtes Gewissen hätte sie zu töten,... Mir tun Menschen leid, die verhungern, denen Unrecht getan wird, mir tun Kriegsopfer leid, mir tun Menschen leid, die Opfer von jeglichen Verbrechen werden. Aber nur weil ich Muslimin bin, wird mir nicht geglaubt, sogar angenommen ich hätte grinsend vor der Glotze gesessen, als das Drama passierte! Wo ist denn da Ihre Unvoreingenommenheit? Ihre Toleranz? Wo ist Ihr gutes Benehmen? Ich bins echt leid von Ihnen mit Verbrechern in einen Topf geworfen zu werden. Und zu Ihrer Angst. Ich, als eine von vielen Muslimen, kann Ihnen sagen mir ist es Wurst woran Sie glauben, was sie in Ihrer Freizeit machen, was Sie essen, wie Sie sich kleiden, zu welchem Frisör Sie gehen. Ich habe noch niemanden versucht zu bekehren und werde das auch weiterhin nicht tun. Ich habe christliche, buddhistische und atheistische Freunde und freue mich über Gemeinsamkeiten die wir entdecken und setze mich auch gern mit den Unterschieden auseinander. Tun Sie das auch? Oder lähmt Sie da Ihre Angst und macht sie intollerant? Und zum Thema Gottesstaat, es gibt weiß Gott genügend "muslimische" Länder die man zu solchen Staaten umwandeln könnte, da muss man sich nicht ein christliches Land für aussuchen. Aber so weit ich weiß wird sogar in solchen Ländern die Demokratie angestrebt... Sie trauen keinem Muslim mehr? Ich frage mich wie konsequent Sie da sind. Ob Sie auch keinem Amerikaner mehr trauen, denn die lügen ja bekanntlich seit Jahrzehnten, um Ihre Kriege zu rechtfertigen und durchzusetzen. Oder den deutschen Politikern, oder den Banken, oder den Versicherungen...
  • Sissymaid
    Dienstag, 11.09.2012, 11:13 Uhr
    @Menun: Hitler war Österreicher. Das nur am Rande. Sie vergleichen Birnen mit Äpfel. Nationalitäten stellen keine Geisteshaltung dar. (Vergleich Breivik, Hitler, etc.) Die Zugehörigkeit zu einer sogenannten Religion hingegen schon. Sie können mich als "Bildleser" beschimpfen, so viel Sie wollen. Ich traue seit dem 11.9.01 keinem Moslem mehr. Bis heute fehlt mir die absolut deutliche Distanzierung aller sog. Moslemverbände zu solchen Handlungen. Es findet eher das Gegenteil statt. Unter dem Deckmantel der Religion werden Gewalttaten, Verstümmelungen usw. durchgeführt. Wir "Ungläubigen" werden mental quasi angespuckt und verachtet. Wenn man hingegen EINE kritische Frage zum Thema Islam stellt oder gar mal einen Witz zu dem Thema macht, dann zeigt das ach so friedliche Gesicht des Islams von seiner wahren Seite. Ich vermisse die Selbstbeherrschung, das Einhalten der Umgangsformen des 21 Jahrhunderts und die Aufgeschlossenheit gegenüber Andersdenkenden. Ich urteile nach eigenen Erfahrungen und habe einfach Angst vor der Flut, die uns überschwemmen wird und unsere Gesellschaft in den Gottesstaat verwandelt, den der Islam anstrebt. Mir fehlt einfach das klare Statement der angeblich modernen Moslems, die uns Andersgläubigen (oder Nichtgläubigen) glaubhaft erläutern, dass wir uns keine Sorgen machen müssen UND die sich hier einfügen und anpassen.
  • Sissymaid
    Dienstag, 11.09.2012, 11:01 Uhr
    @Jockelche: Danke!
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