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12.09.2012, 10:45 Uhr

Leise sein, erfolgreich werden

Introvertierte Menschen: Sie schreiben lieber Emails anstatt zu telefonieren, sie hören lieber zu als selbst zu reden. Im Berufsleben erleben sie sich oft als defizitär ... weil sie oft weniger zugänglich erscheinen und passiver wirken als ihre Kollegen. Doch Dr. Sylvia Löhken - Buchautorin und Coach aus Bonn - weiß, dass auch leise Menschen mit der richtigen Strategie beruflich erfolgreich sein können.

VonAnja Schreiber für GMX

"30 bis 50 Prozent aller Menschen sind introvertiert", berichtet Löhken, die in ihrem Ratgeberbuch "Leise Menschen - starke Wirkung" introvertierten Menschen zeigt, wie sie sich Gehör verschaffen können.

Um herauszufinden, ob jemand eher ein introvertierter oder extrovertierter Typ ist, empfiehlt sie, sich die Frage zu stellen: "Woher kommt meine Energie?" Wer sich nach einem anstrengenden Tag in der Firma möglichst allein regenerieren will und seine Ruhe braucht, gehört eher zu den Introvertierten. Diese empfinden zu viele Menschen, aber auch zu viele akustische und optische Reize oft als energiezehrend ... Partys mit lauter Musik und unbekannten Leuten sind für sie also keine Erholung!

Für Introvertierte ist der erste Schritt zum beruflichen Erfolg, ihre eigenen Stärken und Bedürfnisse zu erkennen. Denn nur, wer diese kennt, kann sie auch berücksichtigen! "So können Sie als Introvertierter Ihre Stärken ausspielen und Ihre vermeintlichen Schwächen eher als Möglichkeiten sehen, Ihre Bedürfnisse besser kennenzulernen."

Mann mit Notizblock

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Zu den Stärken leiser Menschen gehört nach Löhken zum Beispiel ein hohes Einfühlungsvermögen, aber auch analytisches Denken, Beharrlichkeit, Vorsicht, Ruhe und die Fähigkeit, Anderen zuzuhören. All diese Fähigkeiten sind im beruflichen Alltag wichtig. Denn wer zuhört, kann aus den Äußerungen des Gegenübers das Wichtige herausfiltern. Er vermeidet aufgrund seiner Vorsicht auch unnötige Risiken. "Dank eines guten Einfühlungsvermögens kann er die Unzufriedenheit von Kunden schon frühzeitig erkennen und gegensteuern", erklärt Löhken.

Damit aber Introvertierte von ihren starken Seiten profitieren können, dürfen sie ihre eigenen Bedürfnisse nicht außer Acht lassen. "Leise Menschen benötigen sozusagen eine ,artgerechte Haltung'", betont Löhken. "Ihr Bedürfnis nach ungestörter Arbeit oder maßvoller Kommunikation sollten sie nach Möglichkeit auch an ihrem Arbeitsplatz berücksichtigen." Ihr Tipp: Wenn es Ihnen im Großraumbüro zu laut wird, könnten Sie Ihren Vorgesetzten fragen, ob Sie zeitweise im Konferenzraum arbeiten dürfen.

Oft neigen Introvertierte zur Überinterpretation. Das ist eine Kehrseite ihrer Sensibilität. Damit aber der berufliche Alltag gelingt, ist es wichtig, nicht jede schlechte Laune der Kollegen oder jede ungeschickt formulierte Mail auf sich zu beziehen. "Interpretieren Sie also in elektronische Post nicht zu viel hinein", so Löhken. "Viele leise Menschen bevorzugen ganz grundsätzlich den Email-Austausch anstatt zu telefonieren. Allerdings ist in bestimmten Fällen das Telefon vorzuziehen. Versuchen Sie also nicht, den unmittelbaren Kontakt zu vermeiden, sondern stellen Sie sich ganz bewusst dieser Situation!"

Für die Karriere ist es wichtig, die eigenen Leistungen sichtbar zu machen ... ob beim regelmäßigen Mitarbeitergespräch oder im Meeting. Doch gerade damit haben viele Introvertierte häufig ihre Probleme. Vor diesem Hintergrund empfiehlt Löhken leisen Menschen, an ihrer Kommunikation zu arbeiten. "Bauen Sie Kontakte zu Ihren Kollegen und Vorgesetzten auf. Gehen Sie zu informellen Anlässen wie Geburtstagsfeiern", so Löhken. Gerade die Kommunikation mit dem Chef ist wichtig. Deshalb rät sie: "Orientieren Sie Ihren Chef - aber auch sich selbst - über Ihre Leistungen und Erfolge. Schreiben Sie diese regelmäßig auf! Schließlich sind das die besten Argumente für eine Gehaltserhöhung. Außerdem stärken Sie damit Ihr Selbstbewusstsein!"

Literaturtipp

Sylvia Löhken: Leise Menschen - starke Wirkung. Wie Sie Präsenz zeigen und Gehör finden, Gabal, Offenbach 2012, 285 Seiten, 24,90 Euro, ISBN: 978-3-86936-327-1

Alle News vom: 12. September 2012 Zur Übersicht: Beruf

5 Meinungen zu "Schüchtern, aber erfolgreich?"

  • vankoch
    Mittwoch, 12.09.2012, 17:30 Uhr
    Man muss sich auch die gegenteilige Frage stellen warum extroviertiere Menschen erfolgreich sind? Fallen viele Vorgesetzte auf die "grosse Klappe" rein? In den meisten Fällen sieht es jeder in einem Betrieb, dass bei dieser Gruppe nichts dahinter steckt. Oftmals kommt nur ziellose Hektik auf die niemandem etwas bringt.
  • t659
    Mittwoch, 12.09.2012, 17:27 Uhr
    Die Introvertierten sind definitiv produktiver und haben in der Regel mehr Ahnung. Aber bei mir in der Firma habe ich es schon oft genug erlebt, dass die inkompetenten lauten Vollidioten deutlich schneller aufsteigen.
  • regata
    Mittwoch, 12.09.2012, 15:00 Uhr
    Die "leisen" Menschen sind m.E. die erfolgreicheren. Sie sind stark im zuhören, im aufsaugen aller Informationen und deren Ausarbeitungen. Es ist absolut angenehm, "fertige Projekte" auf den Tisch zu bekommen, anstatt große Ankündigungen die sich als Windbeutel herausstellen. Ich arbeite gerne mit introvertierten Menschen zusammen, weil sie, nach meiner Erfahrung, zuverlässig und loyal sind und sich ihre Anerkennung gerne durch Leistung erarbeiten.
  • JackFun
    Mittwoch, 12.09.2012, 11:27 Uhr
    Meine Kollegin ist ein Paradebeispiel. Als Neuling machte sie einen stark arroganten Eindruck, weil sie kaum mit jemandem redete, quasi eine Einzelgängerin. Dabei ein böser Blick (es stellte sich heraus, dass der dadurch kam, weil sie mit sich selber unzufrieden war). Ich lockte sie sachte aus ihrer Reserve, es dauerte, bis sie Vertrauen hatte und erzählte später, sie ist ein "Beobachter", d.h., es dauert grundsätzlich lange, bis sie Vertrauen fasst. Ich war aber erfolgreich und heute unternehmen wir auch privat was. Ihre Stärke u.a., wenn sie erstmal auftaut: Sehr, sehr viel Humor und Schlagfertigkeit, Zuverlässigkeit, Treue und absolut loyal. Mittlerweile ist sie voll integriert in der Firma und fühlt sich pudelwohl. Das merkt man nun auch an ihrem freundlichen Gesichtsausdruck;)
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