Keine Chance für Jammerlappen
"Machen Sie gute Mine zum bösen Spiel", empfiehlt die Benimmtrainerin und Kommunikationsberaterin Nandine Meyden aus Berlin. Anstatt unter dem jammernden Zeitgenossen - ob nun Kollege, Geschäftspartner oder Chef - zu leiden, sollten sich die Betroffenen lieber auf die Masche des Anderen einstellen. "Schalten Sie einfach auf Durchzug ... in dem sicheren Wissen, dass nur einige Ihrer Zeitgenossen so anstrengend sind. Das macht es Ihnen leichter!" Vielleicht hilft Ihnen auch der Ausblick auf einen kleinen Plausch mit der netten Büronachbarin, um die Ergüsse des nörgelnden Kollegen besser zu ertragen.
Nandine Meyden empfiehlt, das Problem möglichst nüchtern zu sehen: "In jedem Leben gibt es Momente, die einfach keinen Spaß machen, wie etwa die Steuernachzahlung. Und so ist auch der Umgang mit Jammerlappen selten nett!" In solchen Momenten kann es hilfreich sein, einfach mal tief durchzuatmen. Wer das tut, wird automatisch ruhiger und entspannter. Das Gehirn wird mit Sauerstoff versorgt. Wenn das tiefe Durchatmen nicht ausreicht, um das eigene Gemüt abzukühlen, sollte der Betroffene versuchen, räumlichen Abstand zu gewinnen ... vielleicht mithilfe einer höflichen Ausrede. So schafft er eine emotionale Distanz zur Nervensäge und demonstriert gleichzeitig, dass er nicht unbegrenzt als seelischer Mülleimer zur Verfügung steht.
Am besten ignorieren
Nandine Meyden kennt noch eine weitere Methode, sich Nörgler vom Leib zu halten: "Wenn Sie auf das Gejammere nicht oder nur minimal reagieren, wird Ihr Gegenüber in der Regel kaum mehr Lust verspüren, weiterzumachen." Anders sieht es aus, wenn der Gesprächspartner dem Jammerlappen signalisiert, dass er sich für seine Ausführungen interessiert. Dann verstärkt er nämlich noch den Redeschwall des Miesepeters.
Schließlich bekommt dieser genau das, was er will, nämlich Aufmerksamkeit und Anteilnahme. Gerade deshalb sollten Berufstätige genau überlegen, wann sie einem ständig jammernden Kollegen Aufmerksamkeit schenken und wann nicht. "Vielleicht reagieren Sie einfach mal interessiert, wenn der Nörgler vom Dienst eine positive Bemerkung macht." So erfährt er nämlich, dass er nicht mit negativen Geschichten Zuwendung erhascht, sondern mit erfreulichen Gesprächsbeiträgen!
Wen eine Freundschaft mit einem Jammerlappen verbindet, kann natürlich auch versuchen, das Problem anzusprechen. Allerdings sollte er das mit viel Fingerspitzengefühl tun. "Fragen Sie ihn zum Beispiel, was bei ihm los ist." Denn hinter mancher Jammerei können ernsthafte Probleme stecken.
Doch nicht nur die anderen im Büro können Weltmeister im Nörgeln sein. Desweilen trifft die Bezeichnung Jammerlappen auch auf die eigene Person zu. Deshalb empfiehlt Nandine Meyden, sich von Zeit zu Zeit einer Selbstanalyse zu unterziehen: "Beobachten Sie sich selbst!
Wie viel Prozent Ihrer Gespräche verwenden Sie, um über Probleme zu reden? Wenn der Anteil an Ihrer Gesamtkommunikation zu hoch ist, sollten Sie in sich gehen. Dann wäre es sinnvoll, Ihre Kommunikation oder sogar Ihr Leben zu ändern!" Denn eins ist sicher: Jammerlappen sind im Kollegenkreis, aber auch bei Chefs und Geschäftspartnern nicht beliebt. Mit ihrer Art, die eigenen Sorgen und Probleme zu thematisieren, empfehlen sie sich auch nicht als diskrete und vertrauenswürdige Mitarbeiter!
Literaturtipps
- Gitte Härter: Nerv nicht! Über den Umgang mit Nervensägen, Rechthabern, Langweilern & Co, Gabal, Offenbach 2010, 171 Seiten, 17,90 Euro
- Martin Wehrle: Am liebsten hasse ich Kollegen. Wie man den Büroalltag überlebt, Knaur, München 2010, 219 Seiten, 8,95 Euro
24 Meinungen zu "Kein Stress mit Jammerlappen"
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kleinerDickkopf
Mittwoch, 25.04.2012, 17:21 Uhr Natürlich sollte man sich Problemen anderer annehmen, wenn man merkt, dass es ernste sind. Aber man merkt schnell, wem es tatsächlich schlecht geht und wer einfach nur nervt. -
kleinerDickkopf
Mittwoch, 25.04.2012, 17:18 Uhr Ich kann nur sagen, ignorieren funktioniert. Wir haben auch eine solche Kollegin, die einfach unglaublich nervt. Kaum zu ertragen. Aber ich versuche einfach, nicht auf ihr Gejammer einzugehen. Ab und an ein Kopfnicken, wenn sie was erzählt, meistens höre ich weg. Das tut mir leid, aber nur so ist das zu ertragen. -
Sly90
Mittwoch, 25.04.2012, 13:06 Uhr "Am besten ignorieren" Jo genau... Einfach alles ignorieren. Wie ein 7 jähriges Kind. Sehr erwachsen und reif... -
Oettes
Mittwoch, 25.04.2012, 12:12 Uhr Das ist mal wieder ein typisch boulevardesker Umgang mit einem boulevardesken Thema, vorgetragen von einem boulevardesken Portal namens GMX! Trotzdem meine Meinung dazu: Klar es ist völlig richtig, daß einem latente Larmoyanz, vor allem dann, wenn sie sich auf absolute Nebensächlichkeiten bezieht, mächtig auf den Sack gehen kann. Dennoch mag ich die Vorschläge, die auf GMX verbreitet werden ganz und gar nicht, schließlich gibt es auch Dinge, bei denen ein Klagelied durchaus berechtigt ist. Es ist doch zum Kotzen. daß man gerade in dieser immer oberflächlicher werdenden Plastikwelt auch noch immer gute Miene zum bösen Spiel machen soll, nach dem Motto: "Alles klar?" Na klar, mir gehts super", obwohl ich gerade vielleicht unerträglichen Kopfschmerz habe. Also: Positiv denken ja, aber nicht positiv vorheucheln! Warum nicht statt dessen mal einem nörgelnden Chef oder einem widerlich auftretenden Dieter Bohlen eins in die Fresse geben? Das gibt doch dem Klagenden viel mehr Aufwind! In diesem Sinne, aber auch wirklich in diesem Sinne, schönen Tag noch! -
Agentin
Mittwoch, 25.04.2012, 12:00 Uhr Ihr habt wohl noch nie einen richtigen Jammerlappen kennengelernt!? Es gibt sehr wohl Menschen, die über ihre Probleme reden möchten und man sollte in so einem Fall demjenigen Gehör schenken. Solche Menschen sind auch mal fröhlich. Die im Artikel gemeinten Jammerlappen sind grundsätzlich anders. Sie sind permanent am Meckern und versuchen auf der Mitleidsschiene Vorteile für sich zu verschaffen. Ich habe bis jetzt zwei solcher Menschen kennengelernt. In ihrer eigenen Vorstellung sind sie Nabel der Welt und alle müssen sich Zeit für sie nehmen. Ich bin ein sehr höflicher Mensch und höre immer zu, wenn jemand Probleme hat. Nur bei Jammerlappen merkt man recht schnell, dass deren Probleme selbst gemacht sind. Wenn man ihnen Gegenvorschläge macht, um die Situation zu verbessern, dann zerreden sie diese oder gehen gar nicht darauf ein. Jammerlappen wirken depressiv und reden immer negativ über alles. Sie wollen auch keine Verbesserung, sie wollen Mitleid. Sie klammern sich dann an die Leute, die ihnen zuhören. Es drückt sehr aufs Gemüt, wenn man sich darauf einlässt. Irgendwann muss man aber sich von ihnen abwenden, da man sonst auf Dauer sehr darunter leiden wird. Ändern kann man diese Menschen sowieso nicht! Dafür sind diese Tipps gedacht und sind gar nicht mal so schlecht. -
Mayerklaus
Dienstag, 24.04.2012, 14:35 Uhr Es tut so einem Menschen doch gut, wenn man ihm zuhört und die Möglichkeit gibt etwas Dampf abzulassen. Ein paar aufmunternde Worte können in den meisten Fällen schon helfen ! In schwerwiegenden Fällen gibt es den Betriebsrat und im schlimmsten Fall den Psychotherapeuten, der bevor es eskaliert sehr hilfreich sein kann und die jeweiligen Probleme eingrenzt und mit dem hilfesuchenden in den meisten Fällen eine brauchbare Lösung findet. Man sollte sich aber schon trauen hinzugehen und für verrückt wird man auch nicht erklärt.
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