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19.02.2013, 10:24 Uhr

Brechen Sie das Schweigen

Langsam wird es ruhiger in der medialen Sexismusdebatte. Doch das Problem bleibt: Wie können sich Berufstätige effektiv gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz wehren? Karin Schwendler, Leiterin des Bereichs Frauen- und Gleichstellungspolitik bei der ver.di-Bundesverwaltung, weiß: Es gibt Strategien gegen Belästigungen im Berufsleben.

Von Anja Schreiber für GMX

Frauen, die sich bedrängt fühlen, sind oft unsicher. Sie glauben, dass sie einfach nur zu empfindlich sind. Doch dieses Denken - so betont Schwendler - ist falsch.

"Wenn Ihnen ein Verhalten Ihres Kollegen, Geschäftspartners oder Chefs unangenehm ist, dann stimmt Ihr Gefühl ... egal, ob es sich um Anstarren, anzügliche Bemerkungen oder gar aufgedrängte Küsse handelt." Der Unterschied zwischen einer sexuellen Belästigung und einem Flirt sei leicht zu erkennen: "Immer wenn ein Verhalten einseitig ist, kann von einem Flirt nicht mehr die Rede sein. Was sich falsch anfühlt, ist auch falsch. Das sollten sich Mitarbeiterinnen immer bewusst machen."

Eins ist also klar: Keine Frau sollte die Schuld bei sich suchen, wenn ein Mann sexistische Sprüche klopft oder ihr gar bei sexueller Verweigerung berufliche Nachteile androht. "Sexuelle Belästigung ist entwürdigend. Deshalb reagieren viele Frauen auch mit Sprachlosigkeit. Aber dabei sollte es nicht bleiben", betont Schwendler. Ihr Rat: Verschweigen Sie den Vorfall nicht, wie immer er auch konkret ausgesehen hat, sondern sprechen Sie darüber, zum Beispiel mit Ihrer Familie oder Ihren Freundinnen.

Überwinden Sie die Sprachlosigkeit

Schwendler hält es auch für sinnvoll, mit der Gleichstellungsbeauftragten, dem Betriebsrat oder dem Personalrat zu reden, um Strategien zu entwickeln, wie sich die Betroffene wehren und schützen kann. "Davor müssen Sie sich nicht scheuen. Denn diese Gespräche sind vertraulich. Ohne Ihr Einverständnis werden Ihre Gesprächspartnerinnen nicht in Ihrer Sache tätig." Der Personal- und Betriebsrat kann einer sexuellen Belästigung auch nachgehen, ohne dass der Name der Betroffenen fallen muss. Gerade in großen Betrieben ist so die Anonymität der Belästigten sichergestellt.

Außerdem empfiehlt Schwendler betroffenen Frauen, sich in ihrem Kollegenkreis umzuschauen. Vielleicht leiden auch andere Kolleginnen unter sexueller Belästigung. "Oft betrifft es nicht nur eine Person. Deshalb ist es wichtig, das Schweigen zu brechen und mit diesen Kolleginnen ins Gespräch zu kommen." Männliche Kollegen können ebenfalls wichtige Ansprechpartner sein. "Denn oft sind Männer über die sexistischen Sprüche und Verhaltensweisen ihrer Kollegen genauso empört wie Frauen." Gespräche helfen auch in diesem Fall, das Schweigen zu brechen und einer Problemlösung näherzukommen.

Wehren Sie sich verbal

Für kontraproduktiv ist es meist auch, die Sache auf sich beruhen zu lassen. "In der Regel hören Sprüche und andere Übergriffe nicht von allein auf. Es handelt sich also in den seltensten Fällen um einen Ausrutscher", weiß Schwendler. Umso wichtiger ist es, sich verbal zu wehren: "Beschreiben Sie genau, welches Verhalten Sie als belästigend empfinden und fordern Sie den Belästiger auf, dies zu unterlassen. Indem Sie die Tat beim Namen nennen, brechen Sie das Tabu des Schweigens und konfrontieren den Täter direkt mit seiner Tat." Zusätzlich können Betroffene dem Belästiger ankündigen, sich zu beschweren, falls er sein Verhalten nicht ändert.

Ein wichtiger Schritt, um sich überhaupt wehren zu können, ist das schriftliche Festhalten des Ereignisses. Denn ohne genaue Beschreibung wird es schwer, sich anderen mitzuteilen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt Schwendler: "Machen Sie sich zeitnah und ausführlich Notizen in Form eines Gedächtnisprotokolls. Schreiben Sie dabei genau auf, was wann wo passiert ist und wer was gesagt hat."

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