Du, sag mal, Herr Lehmann
Beim Sport mit Kollegen ist man schnell per Du. Deshalb ist es aber noch lange nicht angebracht, den anderen auch am nächsten Tag im Büro zu duzen.
"Da siezt man sich weiter", erklärt Imagetrainerin Imme Vogelsang aus Hamburg. "Sie können also nicht zu ihrem Chef sagen: 'Wir haben uns doch gestern beim Golf auch geduzt, das können wir doch jetzt weiter so machen.'" Ein solches Angebot dürfe im Beruf immer nur der Ranghöhere machen. Angestellte müssten also zunächst beim Sie bleiben und abwarten, wie der Chef darauf reagiert.
Nicht nötig ist das dagegen, wenn jemand, den man zum Beispiel von einem früheren Job kennt, einem nach längerer Zeit erneut im Beruf begegnet. So etwas kann zwar irritierend sein, wenn man sich in einem anderen Kontext und eventuell in anderen Rollen wiedertrifft. Ein Duz-Angebot von damals gilt dann aber immer noch.
"Einmal Du ist immer Du", erklärt Vogelsang, die Sprecherin des Netzwerks Etikette Trainer International (ETI) ist. Mancher dürfte in so einer Situation zwar unsicher sein, ob sich der andere wirklich noch an ihn erinnert. Eventuell biete sich dann zur Begrüßung ein Satz an wie: "Mensch, wir kennen uns doch noch von da und da." Ob sie den anderen immer noch duzen dürfen, müssten Berufstätige aber nicht fragen.
2 Meinungen zu "Du, sag mal, Herr Lehmann"
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Gockelchen
Samstag, 16.06.2012, 17:29 Uhr Bin ich froh, daß wir in einem Sprachraum leben, der (noch) die Distanz zu einer Person auszudrücken imstande ist. Daß im deutschen Ableger einer US-Firma (Firma ist übrigens ein UnternehmensNAME! Wie können sich in einem Namen Mitarbeiter befinden?) sich die Mitarbeiter duzen MÜSSEN, ist ja wohl ein schlechter Scherz, der evtl. auch gar nicht mit deutschem Recht vereinbar ist. Es wäre ein Gebot des Anstandes und der Demut eines Gastes, sich den Gepflogenheiten des Gastlandes anzupassen, so hier auch den verbalen, aber so etwas kennen weder die Yankees noch der Idiotenverein IKEA. Unerlaubtes Duzen kann man sogar als Beleidigung strafrechtlich verfolgen (lassen). Das bedeutet, daß jeder per se erst einmal einen (Rechts-)Anspruch auf die höfliche, distantiierte Anrede(form) hat. Die - leider nicht nur verbale - Verprollung der deutschen Gesellschaft schreitet munter voran, und das Duzen wird inzwischen auch zu Rüpeleien mißbraucht. Auch das "Pluralgeduze", nämlich Menschengruppen zu "Ihrzen", ist leider auf dem Vormarsch. Unfug ist übrigens die Behauptung, daß das Englische und z.B. das Schwedische (s. IKEA) nur das Duzen kennt. Richtig ist vielmehr, daß es dort nur eine Anredeform gibt, doch diese steht für jede Distanz. Genausogut könnte man sogar behaupten, dort gibt es nur das Sie. Sprachhistorisch wäre das beim Englisch sogar korrekt: Das "thau" füht inzwischen nur noch ein poetisches Leben nach dem Tode, während das "you" eigentlich ein "ihr" ist - gibt es auch im Plattdeutsch: "ji" (bedeutet dort auch "ihr"). Duzen um (fast) jeden Preis? Um Himmels willen, ich kann sehr gern darauf verzichten!! -
Dobbyundco
Donnerstag, 31.05.2012, 08:12 Uhr Mann, bin ich froh, in einer US Firma zu arbeiten ... wir MÜSSEN uns beim Vornamen anreden und duzen. Firmenpolicy halt, dann braucht man nicht lange überlegen.
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