Rooney vor EM-Debüt demütig - Hodgson gefragt
"Ich weiß, dass ich mein Bestes geben muss, um ins Team zu kommen und dort auch zu bleiben", sagte der 26 Jahre alte Weltklasse-Stürmer in Krakau, als er zum ersten Mal seit EM-Beginn vor Journalisten sprach.
Kein Lächeln, keine Kampfansage. Rooney schien nervös. Seine Rot-Sperre ist abgesessen. "Was passiert ist, war ein großer Fehler. Ich habe mich entschuldigt und meine Strafe bezahlt. Ich bin jetzt froh, wieder dabei zu sein", sagte der Hitzkopf, der sich mit seiner Tätlichkeit in der Qualifikation gegen Montenegro Ende 2011 für den EM-Start selbst außer Gefecht gesetzt hatte. Am Dienstag in Donezk im dritten Gruppenspiel gegen die Ukraine (20.45 Uhr), in dem die "Three Lions" noch einen Punkt für das Viertelfinale benötigen, darf Rooney wieder ran. Der Druck ist groß, weil England auch ohne ihn funktioniert.
Dass England-Coach Roy Hodgson seinen Weltstar wieder stürmen lässt, ist für den 64-Jährigen keine Frage, auch wenn er die Entscheidung dem Team noch nicht mitgeteilt hat. "Wayne sitzt in den Startlöchern. Seine Qualität und Sehnsucht ist für alle zu sehen", sagte Hodgson nach dem spektakulären 3:2-Sieg gegen die Schweden - dem ersten Pflichtspielsieg gegen die Skandinavier überhaupt. Da dieser dramatische und für die Medien wahlweise "historische", "heroische" oder "epische" Sieg nach 1:2-Rückstand ganz England verzückte, ist eine Debatte entstanden, ob Rooney überhaupt von Beginn an spielen soll.
"Wen rasiert Roy nun bloß, um den Weg für Rooney freizumachen?", fragte "The Sun" umgehend. Und am Sonntag legte Rooneys früherer ManUnited-Mitspieler Roy Keane im selben Blatt nach. "Sie haben es im Turnier und in den Vorbereitungsspielen gezeigt: Sie können ohne Wayne auskommen. Ich bin sicher, dass es auch mit ihm funktioniert nach einer kurzen Zeit auf dem Feld in Donezk. Das heißt aber nicht, dass er beginnen muss", schrieb das irische United-Idol.
Rooney gegen die Ukraine zu Beginn nur auf der Bank? Für Hodgson undenkbar. "Wenn ich ihn draußen lassen würde, wäre in der Kabine die Hölle los. Ein Spieler wie Rooney macht einen riesigen Unterschied aus und ich bin verzückt, dass er wieder da ist."
Doch wen nimmt Hodgson aus seiner jungen Rasselbande heraus? Liverpools Andy Carroll (23), der das 1:0 köpfte? Arsenals Theo Walcott (23), der als Einwechselspieler mit seinem 2:2 England wieder ins Spiel brachte und sich sogleich mit Portugals Superstar Cristiano Ronaldo verglich? Oder etwa Rooneys ManUnited-Kollegen Danny Welbeck (21), der mit seinem eingesprungenen Hackenwischer zum 3:2 ganz England verzückte? "Das ist doch toll für das Team, so viele Stürmer zu haben, die Tore schießen können. Sie alles haben es bislang sehr gut gemacht", sagte Rooney. Der Hitzkopf denkt derzeit nur ans Team.
Auch das ist ein Verdienst von Hodgson. Trotz aller Verletzungen und Problemen im Vorfeld schaffte es der Trainerfuchs, bei der EM ein Team aufzubieten, dass England begeistert und das an sich glaubt. Harmonie und Teamgeist haben innere Zerrissenheit und Daueraffären abgelöst - Hodgson sei dank. Dabei ist der neue Hoffnungsträger erst seit Mai im Amt. Der Vize-Präsident des englischen Fußballverbandes (FA), verglich ihn bereits mit einer biblischen Figur. "Er scheint ein bisschen was von König Midas zu haben", sagte Sir Dave Richards. Ein goldenes Händchen muss Hodgson nun auch bei Rooney Wiedereingliederung beweisen.
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