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02.07.2012, 12:30 Uhr

Singpflicht für DFB-Elf?

Berlin (dpa) - An der Wut über das EM-Scheitern der DFB-Auswahl hat sich nun sogar eine skurrile Debatte um eine Hymnen-Singpflicht für Nationalspieler entzündet.

Im Stile von Heldentenören wie Gianluigi Buffon sollen auch Mesut Özil und Co. künftig schon vor dem Anpfiff Leidenschaft und Nationalstolz demonstrieren, fordern vor allem konservative Politiker. Den Ton gibt wie so oft der "Kaiser" vor. Der von ihm als Bundestrainer 1984 verordnete Zwang zum Gesang sei einst die Basis für den Titel sechs Jahre später gewesen, ließ Franz Beckenbauer wissen. "So wurden wir 1990 Weltmeister", sagte Beckenbauer der "Bild"-Zeitung.

Eine zumindest wacklige These. Kapitän Beckenbauer, Torjäger Gerd Müller und der Rest der Elf von 1974 hatten seinerzeit vor dem WM-Endspieltriumph gegen die Niederlande ebenso wenig die Lippen bewegt wie nun Özil, Sami Khedira oder Lukas Podolski vor dem verlorenen EM-Halbfinale gegen Italien. Spaniens Fußball-Herrscher sind von Haus aus schweigsam. Ihr "Marcha Real", der königliche Marsch, hat schlichtweg keinen Text. Und doch fegten sie Buffons Meistersinger im EM-Finale mit 4:0 vom Platz.

Sollte es eine Hymnen-Pflicht für die Nationalspieler geben?

Sollte es eine Hymnen-Pflicht für die Nationalspieler geben?

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Trotzdem verlangt Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, dass künftig alle DFB-Kicker den Mund zur Hymne aufmachen. "Sie spielen schließlich für die deutsche Nationalmannschaft und nicht für sich selbst!", wetterte der CDU-Politiker. Vergessen scheint die Schwärmerei für die "Internationalmannschaft", deren Spieler wegen ihrer Herkunft nicht das deutsche Vaterland besingen. "Wer in der Nationalmannschaft spielt, muss die Nationalhymne singen, egal ob er einen Migrationshintergrund hat oder nicht", sagte CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) stieß ins gleiche Horn: "Zum Länderspiel und zur Nationalmannschaft gehört die Nationalhymne. Wer dazu keine Lust hat, sollte in seinem Verein bleiben." Der Grünen-Politiker Volker Beck konterte: "Wenn Bouffier und Herrmann gerne mehr deutsches Liedgut hören wollen, sollen sie abends den Musikantenstadl einschalten."

Vergebens mühte sich der Bundesinnenminister, die seltsame Diskussion zu bremsen. "Man muss jetzt nach so einem verlorenen Halbfinale nicht alle möglichen Gründe suchen, warum wohl was nicht geklappt hat", sagte Hans-Peter Friedrich (CSU) im Bayerischen Rundfunk.

Da hatte die schwüle Debatte um den schwarz-rot-goldenen Rasen-Patriotismus schon längst so richtig Fahrt aufgenommen. Im ZDF-Talk von Markus Lanz behauptete der frühere TV-Reporter Rolf Töpperwien, die DFB-Elf sei auch deswegen an Italien gescheitert, weil die Profis der Squadra Azzurra eben viel hingebungsvoller ihre martialische Hymne ("Wir sind bereit zum Tod") geschmettert hätten.

Schon vorher meinte Ex-Nationalspieler Felix Magath: "Wer sah, wie inbrünstig die Italiener ihre Hymne sangen, ja schrien, der konnte den Willen ahnen, mit denen sie die anstehenden 95 Minuten angehen würden." In Internet-Foren und Leserbriefen gifteten beleidigte Fans in die gleiche Richtung.

Spielmacher Özil hat dafür kein Verständnis. "Bei allem Respekt: Aber wir haben alles gegeben. In allen Spielen", sagte der Mittelfeldstar von Real Madrid der "Welt am Sonntag". Bester Beweis: Hymnen-Schweiger Sami Khedira war der stärkste deutsche EM-Spieler und wurde wie Özil ins EM-Allstarteam der UEFA berufen.

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605 Meinungen zu "Skurrile Debatte über Singpflicht"

  • ibelieve
    Freitag, 06.07.2012, 17:16 Uhr
    Singpflicht. Wo man singt, da lass Dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder.
  • Memobalu
    Freitag, 06.07.2012, 15:53 Uhr
    Was hat denn bitte das Mitsingen der Nationalhymne mit Stolz bzw. das Nichtmitsingen wie im Falle von Özil, Podolski usw. mit unterstelltem Nichtstolz aufs unser Land zu tun?!? Man oh man armes Deutschland - manche Männer singen einfach nicht gerne und basta! Schlimm finde ich das überhaupt nicht, sondern eher die Foren in denen sich die erschreckend ausländerfeindliche Fraktion der Deutschen "Fans" während der gesamten EM gegen den in Deutschland geborenen Özil übelst ausgelassen hat. Vielleicht hatte er auch deshalb keinen Bock auf Singen. Er ist hier geboren und muss sich nun wirklich nicht durch Mitsingen integrieren - einfach nur schwachsinnig und zum lachen wärs auch, wenn da nicht dieser fade braune Beigeschmack wäre...Der deutsche Torwart Neuer sollte lieber mal statt den Text der Nationalhymne das halten von Torbällen üben, dann wären wir vielleicht auch im Finale gelandet - PUNKT AUS.
  • HolgerGalumbe
    Freitag, 06.07.2012, 11:21 Uhr
    @derpf Ganz schön viel, was man so alles " muss " Ansonsten, lies doch mal bitte die Beiträge, ist wirklich alles schon gesagt.
  • derpf
    Freitag, 06.07.2012, 11:13 Uhr
    Ich verstehe nicht, wieso bei solchen Forderungen wieder von Ausländerfeindlichkeit und braunem Gedankengut gesprochen wird...Dann sind ja wohl alle Italiener Rassisten, weil sie ihre Nationalhymne singen, und nicht nur die. Wie sieht es denn in anderen multinationalen Ländern wie der USA aus? Obwohl es eine multikulturell und - ethnische Gesellschaft ist, zeigt man, dass man Stolz auf sein Land ist. Die Hautfarbe oder ähnliches spielt überhaupt keine Rolle. Also - was hat das mit Dikriminieren zu tun? Da hätte ich gerne mal eine plausible Antwort drauf. Argumentieren, nicht einfach blöde Phrasen aneinader reihen, die man in den Medien aufgeschnappt hat! Man darf nicht vergessen, dass UNSERE Jungs (Özil und Co.) für Deutschland spielen, folglich können sie doch auch ruhig zu IHREM/unserem Land stehen, sie gehören un einmal zu unserer Gesellschaft. Müssen sie sich integrieren oder müssen wir uns integrieren? Ich habe oftmals das Gefühl, ich müsste mich dafür schämen, wenn ich Deutscher bin. Doch wieso? Man muss verantwortungsvoll mit unserer Vergangenheit und Geschichte umgehen, doch das bedeutet nicht, dass ich nicht stolz auf mein Land sein darf. So langsam müssen wir wieder nach vorne blicken...nur weil man stolz ist, ist man noch lange kein Nazi, Rassist, Faschist, Ausländerfeind etc. Nur warum versteht das keiner? Ich selbst lebe mit einer Ausländerin zusammen, die übrings auch stolz auf ihr Land ist...ist sie deswegen von braunem Gedankengut bis in die tiefste Pore durchlöchert? - ich denke nicht.... Zudem findet man über dieses Theman nie einen wertungsfreien Artikel. Allein die Überschrift soll schon beeinflussen nund in eine bestimmte Richtung führen: "Skurrile Debatte"...allein das Wort "skurril" gibt schon die Intention des Autors preis. AUf der ganzen Welt sterben Menschen, Tiere werden regelrecht hingerichtet und gequält. Haben wir also nicht wichtigere Probleme, bei denen nahezu JEDER wegschaut. Es wird oftmals bedauert und fertig. Aber sollten wir nicht aus der Geschichte lernen, dass Wegschauen der falsche Weg ist?! Also, bevor man groß den Mund aufmacht, liber mal über seine eigenen Fehler nachdenken und sich um wirklich wichtige Sachen gedanken machen!
  • xsofix
    Donnerstag, 05.07.2012, 15:18 Uhr
    Es macht keinen Sinn sich über die nicht-singenden Spieler gedanken zu machen, warum sie nicht singen. Wir kommen nicht auf den grünen Zweig. Was sagen den Ozil, Khedira, Boateng, Podolzki dazu? Warum singen sie nicht? Darüber zu spekulieren nützt nichts, direkt fragen und dann mal sehen welche Beweggründe sie zum nichtsingen führen.
  • xsofix
    Donnerstag, 05.07.2012, 15:14 Uhr
    Ich finde diese ständigen Verallgemeinerungen gegen Deutschland einfach nur noch lächerlich. Sobald Deutschland stolz auf sein schönes Land ist und dies öffentlich ausplaudert, kommen sofort idiotische Reaktionen die uns alle komplett alle als Braune Nazis betiteln. Sofort wird beleidigt was das Zeugs hält. Andere Länder sind auch stolz auf ihr Land und zeigen das ohne Scheu, warum sollen wir das nicht dürfen?

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