Magier Löw verblüfft - Warten auf Halbfinalgegner
Zwei Siege fehlen Joachim Löw noch zum größten Erfolg seiner Trainerkarriere. © dpa / Andreas Gebert
"Wir vertrauen dem Trainer fast schon blind. Alles, was er macht, hat Hand und Fuß", schwärmte der im Mittelfeld königlich aufspielende Real-Madrid-Star Sami Khedira, der bei der Europameisterschaft mehr und mehr zum verlängerten Arm von Löw auf dem Spielfeld avanciert.
Was der Stratege Löw in Polen und der Ukraine anfasst, wird zu Gold. "Das ist aufgegangen", freute sich der Chefcoach beinahe diebisch. Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte ihrem Team in der Kabine des Danziger Stadions. "Glückwunsch, weiter so!", sagte die Regierungschefin in ihrer kurzen Rede.
Beim Finale am 1. Juli in Kiew möchte sie ein Wiedersehen mit Philipp Lahm & Co. feiern - dann mit dem EM-Pokal. Das Selbstvertrauen ist nach dem vierten Sieg kaum noch zu überbieten: "Der Europameistertitel geht nur über uns", tönte der Turnierdebütant Reus am Samstag unbekümmert und forsch.
Löw stimmte eine Lobeshymne auf seine schwarz-rot-goldene Siegertruppe an, die ihre Rekordserie auf 15 Pflichtspiel-Erfolge in Serie ausbauen konnte: Weltrekord! "Wir sind zum vierten Mal hintereinander bei einem großen Turnier im Halbfinale - 2006, 2008, 2010, 2012. Das ist eine hervorragende Leistung. Wir haben die jüngste Mannschaft beim Turnier mit großen Perspektiven", schwärmte Löw, der dieses Team mindestens bis zur WM 2014 in Brasilien weiter begleiten und entwickeln wird - ohne Grenzen nach oben. "Wir haben einen sensationellen Kader, haben sensationelle Qualität", erklärte Kapitän Lahm. Die Titelträume reifen!
Am Sonntagabend können Löw und seine Spieler nun entspannt und gebannt zugleich vor dem Fernseher den Halbfinalgegner beobachten - England oder Italien. "Beide Mannschaften sind sehr unangenehm. England ist viel besser als 2010, bei Italien ist es ähnlich. Alle Mannschaften, die ins Halbfinale kommen, sind Titelanwärter", sagte Löw. "Mir wäre England lieber, aber es ist einfach schön, dass es im Halbfinale zu einem Klassiker kommt", kommentierte Lahm.
Der Kapitän hatte den Griechen-Beton mit seinem 1:0 in der 39. Minute als erster ein wenig zerbröselt. Khedira (61.), Klose (68.) und Reus (74.) brachten ihn zum Einsturz. "Wir haben die Griechen mit vielem schlichtweg überfordert", stellte Löw zufrieden fest.
Letztendlich waren die Gegentore von Georgios Samaras (55.) und Dimitrios Salpingidis (90./Handelfmeter) nur Schönheitsfehler. "Ich habe von Anfang an gesagt, die Favoriten auf den Titelgewinn sind Spanien und Deutschland", erklärte Griechenlands Trainer Fernando Santos nach dem K.o. seiner fußballerisch limitierten Hellas-Auswahl.
Dem Europameister von 2004 hatte es auch nichts genützt, dass Löws tagelang geheim gehaltener Wechsel-Coup mit Klose, Reus und Schürrle wenige Stunden vor dem Anpfiff publik geworden war. "Das ist nicht in meinem Sinne, wenn das passiert", sagte der Chefcoach zum Leck im innersten Zirkel der Nationalmannschaft: "Von den Spielern kommt es auf jeden Fall nicht, diese Rückversicherung habe ich."
Der Plan, Gomez, Podolski und Müller durch frische Kräfte zu ersetzen, "war mir schon länger im Kopf herumgegeistert", berichtete Löw. "Irgendwie war die Zeit reif, etwas zu verändern. Ich wollte unberechenbar bleiben für die Griechen", erläuterte der Taktikfuchs.
Es habe ihm "auch wehgetan", den dreifachen EM-Torschützen Mario Gomez und Lukas Podolski zu opfern. Aber er habe "andere Spielertypen" gebraucht, die Laufwege aus dem Mittelfeld in die Tiefe gemacht hätten. "Marco Reus hat sehr gut gespielt, André Schürrle ebenso. Miroslav Klose macht ein Tor wie Reus. Das war irgendwie auch der Schlüssel zum Sieg", lobte Löw die Spieler und sich selbst.
"Frech spielen", das habe ihm der Trainer aufgetragen, erzählte der überglückliche Reus nach seinem EM-Debüt. Im vierten Spiel setzte Löw sein gewaltiges Bank-Kapital erstmals ein, die Gewinnausschüttung könnte bis zum Endspiel anhalten. Der nächste "wichtige Schritt" sei vollzogen, sagte Abwehr-Ass Mats Hummels: "Aber wir wissen, dass die weiteren Gegner ein anderes Kaliber sein werden als Griechenland."
Vor dem Halbfinale ist Hochspannung im Kader, der Kampf um die elf Startplätze beim nächsten Showdown am Donnerstag in Warschau dürfte hitzig werden. Nur Torwart Manuel Neuer, die vier Abwehrspieler und das zentrale Mittelfeldtrio mit dem stark verbesserten Spielmacher Mesut Özil, einem sich quälenden Bastian Schweinsteiger und dem zum Giganten gereiften Khedira sind fix vergeben.
"Er ist eine wirkliche Führungspersönlichkeit geworden", adelte Löw den 25-jährigen Khedira: "Sehr gut, sehr dynamisch, sehr präsent. Es ist gut für die anderen, dass er da ist." Aufhalten soll Magier Löw und seine Ballzauberer keiner mehr, wie der als "Spieler des Spiels" ausgezeichnete Özil verkündete: "Für uns ist es egal, ob nun England oder Italien kommt. Wir wollen den nächsten Schritt machen - wir wollen ins Finale!"
5 Meinungen zu "EM-Magier Löw verblüfft"
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matthi2307
Sonntag, 24.06.2012, 16:51 Uhr "Magier Löw" wird total überbewertet. Was hat er bisher erreicht? Wir sind jetzt im Halbfinale. Bei den Potential der deutschen Nationalmannschft ist auch einmal ein Titel Pflicht. In den bisherigen drei Turnieren davor ist es Jogi Löw nicht gelungen. Die sogenannten "Glücksgriffe" mit den Entscheidungen wer vom Anfang spielt-sehe ich auch etwas anders. Wer sagt denn, dass z.B. Gomez gegen Griechenland nicht getroffen hätte. Bei diesem Kader kannst du jeden aufstellen -
GhJe08
Sonntag, 24.06.2012, 12:24 Uhr Ich kann mich noch gut an die WM 2002 erinnern. Damals hieß es, nicht gegen Frankreich, Italien, Spanien, England und besonders nicht gegen Brasilien. Wenn man dann Deutschland zu gelost bekommen hat, war die Freude riesen groß. Bei der EM 2004 sah dies genauso aus. Vor der der WM 2006 dachten viele Mannschaften auch noch so. Seit der WM 2006 sieht dies aber anders aus. Die NM hat sich wieder einen Namen gemacht und nun heißt es. Wir nehmen jeden Gegner außer Deutschland und Spanien. Wow macht mich das als deutschen Staatsbürger stolz. Mir ist es auch egal ob Özil, Khedira, Klose usw. Vorfahren haben, die aus einem anderen Land kommen. Diese Spieler haben eine deutsche Staatsbürgerschaft und spielen deshalb auch für Deutschland. Sie sind genauso Deutschland wir alle anderen 81 Millionen Staatsbürger. -
rudiwinters
Sonntag, 24.06.2012, 12:11 Uhr es sieht gut aus für unsere elf,aber die ergebnisse sind alle knapp. mit etwas glück können unsere jungs es schaffen. DAUMENDRÜCK !!!!!! -
Eric01
Samstag, 23.06.2012, 17:35 Uhr Immer langsam mit den jungen Pferden. Noch ist nichts ereicht, außer ein paar Achtungserfolgen - die jedoch teilweise sehr viel Spaß bereitet haben.
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