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21.01.2008, 10:23 Uhr

Haus fertig, Ehe kaputt: "Muskelhypothek" belastet

Berlin (dpa/tmn) - Handwerker sind teuer. So mancher Bauherr hofft, fehlendes Kapital durch eigene Arbeit und Mithilfe von Angehörigen oder Bekannten ersetzen zu können. "Dieses Vorhaben ist aber mit Risiken verbunden", so Dirk Scobel von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Denn wer selbst baut, der braucht Know-how, Werkzeuge, Material und sehr viel Zeit. "Die Möglichkeit von Eigenleistungen am Bau, umgangssprachlich auch als Muskelhypothek bezeichnet, sollten realistisch eingeschätzt werden", rät Corinna Merzyn vom Verband der privaten Bauherren (VPB) in Berlin. Der Bauherr muss vor Baubeginn genau abwägen, was er neben der normalen Berufstätigkeit überhaupt schaffen kann. Nicht selten überschätzten Laien ihre handwerklichen Fähigkeiten, während der nötige Zeitaufwand unterschätzt wird. Monatelang in der Freizeit zu handwerkern, belastet jede Beziehung. Ein böser Spruch lautet deswegen auch: Haus fertig und Ehe kaputt.

"Damit der Bau planmäßig fertiggestellt werden kann, sollten Bauherren darauf achten, dass die Eigenleistungen fristgerecht erbracht werden", rät Scobel. Dies gelte besonders dann, wenn der Bauherr mit einem Generalunternehmer oder Bauträger baut. Am sichersten sei es, nur das Streichen oder Bodenverlegearbeiten zu übernehmen, die immer den Abschluss einer Arbeit darstellten.

Um späterem Ärger vorzubeugen, sollten die beabsichtigten Eigenleistungen bereits im Vertrag geregelt und die dafür zu verrechnenden Gutschriften beziffert und festgeschrieben werden. "Hier gilt es gut zu kalkulieren", sagt Christoph Windscheif vom Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) in Bad Honnef. Denn oft werden von mit anpackenden Bauherren nicht nur der Zeitaufwand, sondern auch die Kosten für benötigtes Material falsch berechnet. Unternehmen bekommen, da sie Großeinkäufe tätigen können, das Material oft billiger. Auch gibt es manche Materialien nicht im Baumarkt, da viele Unternehmen ihre Produkte nur an Handwerker abgeben.

"Wer beim Bau seines Eigenheimes Helfer anstellt, ob Freunde, Nachbarn, Verwandte oder Kollegen, muss diese bei der Berufsgenossenschaft Bau anmelden", erklärt Bernd Kulow von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) in Berlin. Denn auf privaten Baustellen komme es häufiger zu Unfällen, als viele denken. Allein im Jahr 2006 ereigneten sich in Deutschland mehr als 400 Unfälle bei nicht gewerbsmäßigen Bauarbeiten. Mehrere Menschen kamen dabei ums Leben.

Viele Unfälle hinterlassen nach Angaben von Kulow schwerste Folgen, und die Betroffenen müssen über Jahre oder lebenslang versorgt werden. Die anfallenden Kosten überforderten die Finanzkraft privater Bauherren zumeist. Schon in den ersten zwei Jahren können in schweren Fällen Kosten von einigen 100 000 Euro oder sogar mehr anfallen. Die Kosten zur Helfer-Versicherung halten sich dagegen im Rahmen und machen derzeit je nach Region zwischen 1,40 Euro und 1,87 Euro pro Arbeitsstunde aus (Stand Dezember 2007). So abgesichert, kann das Sparen durch Eigenleistung zumindest in dieser Hinsicht nicht zum finanziellen Albtraum werden.

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