Zur mobilen Ansicht wechseln

19.07.2012, 17:21 Uhr

Kaminkehrer im Blaumann kommen: Schornsteinfeger-Monopol fällt

Berlin (dpa) - Seit Jahrzehnten garantieren Gesetze den Schornsteinfegern komfortable Vorrechte. Eine Reform bringt nun Wettbewerb in den Markt. Kunden können profitieren.

Wenn Uwe Heybert mit dem Kehrbesen auf die Dächer von Berlin-Neukölln steigt, überblickt der Schornsteinfeger sein Reich: Kehrbezirk 0813, die Hufeisensiedlung, ein Schlüsselwerk modernen Städtebaus und deshalb Weltkulturerbe. Seit zehn Jahren ist Heybert dort für das Kehren und Messen an Schloten und Heizungen zuständig - zu festen Gebühren und ohne Konkurrenz, ein krisenfester Arbeitsplatz.

Doch beim Gang über die Dächer der bunt getünchten Reihenhäuser könnte der Schornsteinfeger schon in wenigen Monaten anderen Kaminkehrern begegnen. Denn zum Jahreswechsel fällt nach mehr als 70 Jahren das Schornsteinfeger-Monopol, Preise ersetzen viele Gebühren. Hausbesitzer können sich dann ihren Kaminkehrer aussuchen - und hoffen, viel Geld zu sparen. Es dürfte aber Jahre dauern, bis der Wettbewerb in Schwung kommt.

Vor vier Jahren hat die Bundesregierung auf Druck der EU das Schornsteinfegergesetz gelockert, 2013 wird der entscheidende Schritt wirksam. Können Eigentümer schon jetzt Kaminkehrer aus dem EU-Ausland beauftragen - was wegen der Fahrtkosten nur selten infrage kommt -, haben Hausbesitzer nun auch im Bundesgebiet freie Hand. Ein Register auf der Website des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gibt Auskunft, welcher Betrieb prüfen, messen und kehren darf.

"Für den Kunden bringt das die Chance, alles in eine Hand zu legen: Messen, Kehren, Warten - dafür braucht er dann nur noch einen Termin statt drei", sagt Andreas Müller, Vize-Hauptgeschäftsführer beim Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima. Dort wird schon die neue Schornsteinfeger-Konkurrenz geschult - in Blaumann statt schwarzer Kluft und Zylinder: Heizungsbauer drängen mit Zusatzqualifikation auf den lange abgeschotteten Markt.

Gerold Happ, Umweltfachmann beim Eigentümerverband Haus- und Grund, sieht für Kunden bei Kehrkosten von rund 50 Euro im Jahr im Einfamilienhaus durchaus Luft für Einsparungen. Die Heizungsbauer erwarten deshalb auch keine großen Erträge durch ihr neues Angebot, speziell wenn der Wettbewerb die Kehrpreise drückt. "Für uns ist das ein Instrument der Kundenbindung", sagt Müller.

Hausbesitzer können künftig selbst entscheiden, wann gekehrt und gemessen wird, müssen sich aber auch um mehr Papiere kümmern. Bescheinigungen der beauftragten Firmen müssen dem Bezirksschornsteinfeger belegen, dass regelmäßig gekehrt wurde - sonst droht ein Bußgeld.

Die Schornsteinfeger fürchten nicht, dass die neue Konkurrenz ihnen beim Angebotspreis das Wasser reichen kann. "Wer zu einzelnen Kunden fährt, hat viel höhere Anfahrtskosten als wir, die wir von Haus zu Haus gehen", meint Andreas Kramer, der Sprecher des Zentralverbands Deutscher Schornsteinfeger.

Auch Uwe Heybert bleibt gelassen. In seinem Kehrbezirk in Neukölln hat er sich umgehört: "90 Prozent bleiben beim alten Schornsteinfeger." Denn alle dreieinhalb Jahre müssen sie ihn ohnehin holen. Dann steht die "Feuerstättenschau" an, bei der auch festgelegt wird, wie oft der Kamin in der Zwischenzeit gekehrt werden muss. Und diese Schau ist weiter dem bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger vorbehalten - der so beim Kunden einen Fuß in der Tür behält.

Alle News vom: 19. Juli 2012 Zur Übersicht: Finanzen

11 Meinungen zu "Schornsteinfeger-Monopol fällt"

  • ichy2
    Samstag, 03.11.2012, 17:09 Uhr
    Ob den Heizungsbauern klar ist, das sollten Sie die Arbeiten der Schornsteinfeger anbieten, die Schornsteinfeger auch die nArbeiten der Heizungsbauer anbieten werden? Und ich glaube, das die Schornsteinfeger etwas besser da stehen, denn Sie habe den besseren Kundenkontakt. Also sollte sich jeder Heizungsbetrieb gründlich gedanken machen, ob er das Risiko eingeht. Denn auch der Schornsteinfeger kann in einem Weiterbildungskurs die möglichkeit und Qualifikation erlernen genau wie der Heizungsbauer es auch kann. Ich denke wenn die Heizungsbauer nicht aufpassen, werden sie ganz schnell den kürzeren ziehen.
  • 132leorobi
    Dienstag, 21.08.2012, 11:29 Uhr
    jedes monopol soll fallen es gibt noch viel zu viele vorallem versteckte z.b. bei dem arbeitsmarkt??
  • benutzer
    Sonntag, 19.08.2012, 07:14 Uhr
    wird auch zeit, diese schwarze abzocke zu beenden...
  • juristix
    Samstag, 11.08.2012, 11:13 Uhr
    Das Schornsteinfegermonopol wurde 1935 durch die Nazis eingeführt. Damit hatte der auch heute noch beamtete Bezirksschornsteinfegermeister Zutritt zu allen Häusern, Wohnungen, Kellern und Dachböden. Wer ihn nicht hereinlassen wollte oder will, wird per Polizei, Landkreis und Schlüsseldienst durch unmittelbaren Zwang genötigt zu öffnen. Der Schornsteinfeger könnte somit Hilfsorgan der Gestapo Hitlers und bis heute anderer interessierter Neugieriger gewesen sein. Wer will kontrollieren, ob er nicht Wanzen in den Wohnungen hinterlässt?
  • Petersen72
    Mittwoch, 08.08.2012, 10:31 Uhr
    Schoen fuer die Haeuslebesitzer. Aber was ist mit den Mietern? Das Geld behalten die Miethaie! Die bestellen jetzt eine polnische Firma die es fuer die Haelfte macht, das wird dem Mieter garnicht mitgeteilt!Aber abgerechnet wird wie zuvor, auch wird es weiter Erhoehungen geben wo dann auf die Tariferhoehung gezeigt wird, die der polnischen Firma garnicht bezahlt wird.
  • Kaleido
    Dienstag, 07.08.2012, 13:15 Uhr
    Natürlich ist das Geldmacherei. Es fallen doch zusätzliche Besuche für Kontrolle an, neben den Kehrbesuchen. Man braucht sich nur den Feuerstättenbescheid anzusehen, da sind alle termine aufgelistet.
Viele Firmen setzen auf einprägsame Slogans in der Werbung.Quiz

Machen Sie unser Quiz und testen Sie Ihr Werbewissen! >

Viagra

Patenschutz für Potenzpille läuft aus - harter Preiskampf erwartet. >

Weidmann

Defizitabbau: Bundesbank-Chef kritisiert Aufschub für Frankreich. >

Staatscheds beim EU-Gipfel

EU-Gipfel: Merkel sieht "Riesenschritt" im Kampf gegen Hinterziehung. >


Internet Made in GermanyIhr GMX-Postfach ist grünGMX unterstützt Unicef

Sie lesen gerade: Schornsteinfeger-Monopol fällt. Seit Jahrzehnten garantieren Gesetze komfortable Vorrechte.