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20.09.2012, 16:00 Uhr

Massiver Koalitionskrach um von der Leyens Armutsbericht

Berlin (dpa) - Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Koalition erneut gegen sich aufgebracht. FDP und Teile der CDU sind verärgert, weil ihr Entwurf des neuen Armuts- und Reichtumsberichts - so sehen das die Kritiker - auf Steuererhöhungen einstimmen soll.

Das FDP-geführte Wirtschaftsministerium kündigte an, der Vorlage, die zunehmend ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland beleuchtet, die Zustimmung zu verweigern. Aber auch aus den Reihen der CDU wurde massive Kritik laut.

Das Arbeitsministerium wies den Vorwurf zurück, Steuererhöhungen das Wort zu reden. Schon in den vergangenen Tagen und Wochen war von der Leyen mit ihrem Zuschussrenten-Konzept gegen Altersarmut in Union und FDP auf massive Kritik gestoßen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte angesichts der neu aufgeflammten Debatte vor Mehrbelastungen: "Ich halte von Vermögensabgaben nichts", sagte sie am Donnerstag dem Fernsehsender Sat 1. Die Opposition dringt auf eine Abgabe für Vermögende.

Zum Streit zwischen Arbeitsministerin und Wirtschaftsminister äußerte sich Merkel zurückhaltend. Bisher sei nicht einmal die erste Runde der Abstimmung in der Bundesregierung gelaufen. Das Kabinett werde im November beraten. "Ich bin ganz optimistisch, dass wir dann auch einen gemeinsamen Standpunkt finden."

In einer internen Stellungnahme aus dem Ressort von Philipp Rösler heißt es, der am Dienstag bekanntgewordene Entwurf sei "nicht ressortabgestimmt" und entspreche daher "auch nicht der Meinung der Bundesregierung".

Der Unmut in der Koalition hatte sich vor allem an der im Bericht angedeuteten Möglichkeit von Steuererhöhungen entzündet: "Die Bundesregierung prüft, ob und wie über die Progression in der Einkommensteuer hinaus privater Reichtum für die nachhaltige Finanzierung öffentlicher Aufgaben herangezogen werden kann."

Rösler hält Forderungen "nach noch mehr Umverteilung" für nicht zustimmungsfähig. "Ich gehe davon aus, dass solche Vorschläge ein für allemal vom Tisch sind und die Bundesregierung sich wieder voll auf das konzentrieren kann, was wichtig ist: Alles was Wachstum und Beschäftigung bringt", sagte Rösler in Bangkok. Dass sich Mitglieder der Bundesregierung bei Auslandsreisen zu aktuellen innenpolitischen Themen äußern, ist höchst ungewöhnlich.

Von der Leyens Ministerium hatte zuvor klargestellt: "Es gibt im Bericht keinerlei Hinweise auf neue Umverteilungen über das Steuersystem. Die Prüfaussage in diesen Zusammenhang zu stellen, ist absolut konstruiert." Es gehe "ausschließlich und allein um das Thema der gesellschaftlichen Verantwortung und des Engagements im Rahmen von freiwilligen Spenden- und Stiftertätigkeiten", keineswegs "um Zwangsmaßnahmen".

Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter (CDU) sprach in der "Bild"-Zeitung" von "Linksrhetorik pur". Der CDU-Wirtschaftspolitiker Michael Fuchs sagte: "Das ist das ganze Gegenteil von dem, was wir im Koalitionsvertrag beschlossen haben."

Das Rösler-Ressort dringt darauf, in dem Bericht die positiven Trends stärker in den Vordergrund zu stellen. So hätten seit 2005 mehr als zwei Millionen Menschen eine Beschäftigung gefunden. Auch sei der Anteil der Niedriglohnbeschäftigung seit 2007 rückläufig und die Langzeitarbeitslosigkeit um 40 Prozent gesunken. "Dadurch hat sich die Lebenssituation einkommensschwacher Haushalte verbessert", so das Wirtschaftsministerium.

SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil nannte den kabinettsinternen Streit eine "Schmierenkomödie" und warnte wie Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin vor einer Selbstblockade der Bundesregierung. Beide warben für eine Vermögensabgabe und einen höheren Spitzensteuersatz. Der Präsident des Sozialverbands SoVD, Adolf Bauer, verwahrte sich gegen Bestrebungen, den Armuts- und Reichtumsbericht "weichzuspülen".

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1625 Meinungen zu "Armutsbericht löst Streit aus"

  • strathmann
    Samstag, 18.05.2013, 17:15 Uhr
    Merkels "Armutsbericht" hat als Dokument etwa den Wert von Grimms Märchen.
  • neanderthaler01
    Mittwoch, 15.05.2013, 14:27 Uhr
    In Germanistan gibts kein Armut im Portemonnaie, höchstens in der Birne. Der jungen Jughurtbecherhalter - woher hat GMX diese Fotos ? - könnte tausendfach hierzulande Arbeit finden. Na gut! Dumme Doitschgutmenschen abbetteln ist immer noch besser, als bei ihnen einzubrechen etc. Ist der Preis für grenzenlose Freizügigkeit in Europa. Wer nicht genug hat, holt es sich bei uns mit Sozialleistungen, Betrug, Betteln.... Würde dieses Problem beseitigt, gäbe es auch keinen Rechtradikalismus. Weiss jeder, aber sagen darfs keiner, wegen der Political Correctness. Heute schon geschämt, Doitscha?
  • vonungereimt
    Mittwoch, 15.05.2013, 14:20 Uhr
    Natürlich gibt es Menschen die noch nie einen Finger krumm gemacht haben um für ihren Lebensunterhalt selber zu gesorgt . Die wird es auch in Zukunft geben, da kenne ich einige Typen die der Meinung sind, Vater Staat wird schon richten. Ich denke , in unseren System steckt der Wurm drinn. Es gab in Deutschland mal eine Zeit, da wurde mit solchen Schmarrotzern ganz anderst umgegangen, nur ein Wort: Arbeitslager, ja das war eigentlich die Richtige Art mit solchen Leuten umzugehen. Damals wurden nur die Menschen verschont, die wegen Krankheit nicht arbeiten konnten, die Arbeitsunwilligen, hat man das arbeiten in den Lagern gelernt. Auch die Vermögensverteilung, war durchaus gerechter und kein Politiker hätte es gewargt , sich auf Kosten der Bürger zubereichern. Damals in der alten guten Zeit, mußte die Intustrie machen was die Politiker sagten, heute ist es ehr umgekehrt der Fall. Große Firmen die mehr Steuern zahlen sollen, endlassen mal so ebend ein paar Tausend Arbeiter und gehen in ein Billig Land, ganz nach dem Motto, soll der Deutsche Staat doch zusehen wie er mit den Arbeitslosen zurecht kommt. Und unsere regierung nickt die ganze Sache auch noch ab. Tolle Leute an unsere Spitze, die sollten wir weiter wählen, damit es noch weiter bergab geht in Deutschland.
  • bielux
    Mittwoch, 06.03.2013, 11:32 Uhr
    @royberz - Armut ist sicherlich immer eine Frage des eigenen Standpunktes und der aktuellen eigenen Situation. Unschön wirds, wenn alle 'über einen Kamm geschert' werden - will sagen, dass es auch durchaus H4-Empfänger gibt, die sehr sehr gern arbeiten würden, doch auf Grund von fortgeschrittenem Alter trotz bestehender Qualifikation, breit gefächtertem Wissen und umfangreicher Berufserfahrung auch nach über 100 Bewerbungen keinen Job bekommen. Ein Jahr = Anspruch auf ALG I ist ganz schnell um und dann werden diese Menschen in einen Topf geworfen, mit denjenigen, die tatsächlich nicht bereit sind, ihren Lebensunterhalt selbst erarbeiten zu wollen. Das Schlimmste daran ist, dass diese armen 'Würstchen' trotz jahrzehnte langer Steuer- und Sozialabgabenzahlung dann den gleichen lächerlich geringen Betrag zum Lebensunterhalt bekommen, wie diejenigen, die noch nie einen Euro in die Sozialversicherung eingezahlt haben. Ganz zu schweigen von der sozialen Herabqualifizierung durch Menschen, die nur ihre eigene Situation als Status Quo ansehen. Da liegt das eigentliche Problem.
  • okiboki
    Mittwoch, 06.03.2013, 11:23 Uhr
    @royberz: es geht ja auch nicht um die, die nicht arbeiten. Was nicht sein kann ist, dass viele Menschen Vollzeit arbeiten und trotzdem kaum genug zum Leben haben. Un d das ist der Gier der Konzerne zu verdanken....
  • royberz
    Mittwoch, 06.03.2013, 09:37 Uhr
    Armut ist auch Ansichtssache...ist es nicht auch arm diejenigen, die sich durch harte Arbeit einen gewissen Wohlstand erarbeitet haben, durch Steuern und Abgaben zu sanktionieren (oder zu enteignen wie es teils gewünscht wird) um jene durchzufüttern die es nicht mal auf die Reihe kriegen einen Halbtagsjob anzunehmen...??? Denkt mal nach. Ich gehöre selbst zum guten Mittelstand, habe einen Vollzeitjob und nebenher ein Gewerbe und kann sagen mit geht es gut, auch finanziell - weil ich eben hart arbeite. Von Superreichen rede ich hier nicht da diese nur 1% ausmachen, der Mittelstand wird bereits hart zur Kasse gebeten steuerlich und füttert fast alle mit durch die der Meinung sind nichts machen zu wollen oder zu können. Die Nehmerqualitäten vieler H4-Empfänger sind nämlich ebenfalls nicht von schlechten Eltern, doch mal was zurückgeben an die Gesellschaft - scheisse wars. Weil immer gesagt wird reiche und gutgestellte sind gierig. Sind halt zwei Level mit den gleichen Parallelen. Und weil manche eben nicht arbeiten gehts denen eben nicht so gut, das ist doch gerecht. Einen schönen Tag noch.
  • lilien57
    Mittwoch, 06.03.2013, 09:32 Uhr
    Rössler und Co soll sich der Realität stellen es ist ein Schande das in Deutschland Armut vorkommt . Die Märkel hat Angst ihr Vermögen könnte schrümpfen. Hier herrcht seit langen soziale ungerechtigkeit.
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