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03.02.2012, 10:05 Uhr

Kreisrunde Schätze

Von wegen innere Werte! Aufs gute Aussehen kommt es an. Was unter Menschen nicht gelten sollte, ist in der Münzwelt ein ehernes Gesetz. Bei historischen Geldstücken kommt es tatsächlich aufs Äußere an. Der Materialwert ist weniger entscheidend. Damit unterscheiden sich Sammlermünzen von Anlagemünzen wie dem Krügerrand oder dem Maple Leaf.

Hobby der Könige

Während die Angst vor dem Wertverfall des Papiergelds in jüngerer Zeit wieder größere Bevölkerungsgruppen zum Horten von Investmentmetall bringt, ist das Sammeln seltener und schöner Münzen ein jahrhundertealtes Hobby. In früheren Zeiten waren es meist Monarchen oder zumindest adelige Herren, die sich der Münzkunde (nach dem griechischen Wort für Münze auch Numismatik genannt) verschrieben, daher auch "Hobby der Könige".

Seltenheit und Schönheit zählen

Bei historischen Münzen als Mittel der Vermögensmehrung oder des Vermögenserhalts gelten eigene Regeln: Eine Anlagemünze mit dem Gewicht von einer Unze (31,1 Gramm) ist immer so viel wert wie eine Unze Gold. Hinzu kommt allenfalls ein kleines Aufgeld. Ob die Münze Kratzer hat oder verbogen ist, spielt keine Rolle. Anders bei Sammlermünzen: Bei ihnen sind es in erster Linie Seltenheit und Schönheit, die den Wert ausmachen. "Bei Sammlermünzen entscheidet nicht das Material über den Preis, sondern wie gesucht die Münze unter Sammlern ist", sagt Wolfgang Mehlhausen, Münzhändler und Fachautor. So werden die Erhaltungsgrade mit folgenden Adjektiven bezeichnet: unzirkuliert (unz), vorzüglich (vz), sehr schön (ss) und schön (s). Je besser die Erhaltung, desto mehr ist eine Münze wert.

Münzen erzählen Geschichte(n)

Numismatiker sind häufig faszinierende Menschen. Viele Sammler treibt das Interesse an der Geschichte. Denn manche Münzen sind ergiebige historische Quellen. Lange bevor es Internet und Fernsehen, ja bevor es Zeitungen gab, waren Münzen Kommunikationsmittel, über die sich die Mächtigen an ihr Volk wandten. Die Geldstücke hatten eine Zahlungsfunktion, aber eben nicht nur. Gelegentlich ist das Konterfei auf einer Münze die einzige Abbildung, die es von einem Herrscher gibt. Auf anderen verkündete der Monarch dem Volk seinen Machtanspruch oder sein Programm.

Denar als Zeichen der Macht

Sammelkarten von “Magic: The Gathering“

"Trading Card Games" bannen Kult auf schnöde Pappe. >

Ein berühmtes Beispiel ist der Brutus-Denar. Darauf ließ der römische Feldherr unter anderem einen jener Dolche abbilden, mit denen er Cäsar ermordet hatte. Die Denar-Prägungen dokumentierten Brutus Anspruch darauf, Herr über Rom zu sein. Ganz praktisch hatten die Münzen eine weitere Funktion: Mit ihnen sollte die Armee besoldet werden, die er aufgestellt hatte, um seine Widersacher Mark Anton und Octavian zu bezwingen. Doch die Münze brachte Brutus kein Glück. Seine Truppen unterlagen, der geschlagene Feldherr entleibte sich.

Kunstwerke aus der Antike

Viele historische Geldstücke erzählen nicht nur eine Geschichte. Sie sind auch Kunstwerke. Eine der bis heute anmutigsten Münzen ist die Athener Tetra-drachme aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert, die auch die griechischen Ein-Euro-Münzen ziert. Im Mittelalter bannten wohlhabende deutsche Städte wie Hamburg ihre Silhouette auf die Metallplättchen (auch Schrötlinge genannt). Auch eine außergewöhnliche Silhouette beschert manchen Sammlern ästhetischen Genuss.

Fulminante Wertzuwächse

Doch nicht nur an der Ästhetik können sie sich erfreuen, sondern auch an fulminanten Wertzuwächsen. Vor allem Goldmünzen aus dem deutschen Kaiserreich waren in den vergangenen Jahren gefragt. Einige davon erreichen bei Versteigerungen hohe fünfstellige Preise. Zwischen der Reichsgründung 1871 und dem Ersten Weltkrieg durften die Einzelstaaten des Reichs eigene Münzen prägen. Die Rückseite zierte stets der Herrscher oder das Stadtwappen. Der größte Teilstaat Preußen prägte beispielsweise Hunderttausende Goldmark, bei einigen kleineren Teilstaaten waren es aber manchmal nur wenige Hundert im Jahr - von denen ist im Lauf der Jahre ein Großteil verloren gegangen. Wenn dann doch ausnahmsweise ein gut erhaltenes Stück auf den Markt kommt, stürzen sich die Sammler darauf - und sind bereit, stolze Preise für die Rarität zu zahlen. Ein vorzüglich erhaltenes 20-Mark-Stück des Großherzogtums Sachsen-Coburg-Gotha aus dem Jahr 1872 kam vor einigen Jahren für 58 000 Euro unter den Hammer. Der Materialwert des 7,16 Gramm schweren Stücks liegt bei rund 250 Euro.

Dem eigenen Geschmack folgen

Auch bei anderen Sammlermünzen aus Gold ist es zu spektakulären Wertsteigerungen gekommen. Bei Stücken mit vorzüglicher Erhaltung haben sich die Preise in wenigen Jahren oft vervielfacht. Ein Extremfall ist ein russischer Golddukat von 1746, der seinem Besitzer eine Rendite von 8300 Prozent brachte. Welche Münzen ein solches Potenzial haben und welche nicht, lässt sich im Voraus schwer sagen. Ohnehin sollten Sammler nicht ausgetretene Pfade beschreiten, sondern ihrem Geschmack folgen.

Silber kommt in Mode

Während Goldmünzen sehr gut gelaufen sind, sehen Experten bei altem Geld aus Weißmetall noch Nachholpotenzial. Deutsche Silbermünzen aus der Zeit vor 1945 sind noch vergleichsweise günstig. Sie sind noch nicht in den Fokus der Anleger gerückt. Dass Silber durchaus das Zeug hätte nachzuziehen, zeigen die offiziellen deutschen Euro-Silbermünzen der Bundesrepublik Deutschland. Wegen hoher Auflagen von bis zu zwei Millionen Exemplaren sind das zwar keine Sammlermünzen, die Silberpreis-Rallye hat jedoch auch diese ehemaligen Ladenhüter zu gefragten Stücken gemacht. Als Nächstes könnte der Markt für Sammlermünzen aus dem weißen Metall in Bewegung kommen.

© Axel Springer AG

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