Eiweiß-Allergie: Immuntherapie kann helfen
In einer Doppelblindstudie testeten Wissenschaftler des Duke University Medical Centers aus, ob Kinder mit Hühner-Eiweiß-Allergie so therapiert werden können, dass sie hinterher Ei vertragen. Dafür wählten die Forscher die Methode der Immuntherapie oder auch Hyposensibilisierung. Das bedeutet, durch wiederholte, langsam gesteigerte Gaben des allergenen Stoffes soll das Immunsystem lernen, dass die Substanz nicht gefährlich ist. Die 55 teilnehmenden Kinder waren zwischen fünf bis 18 Jahre alt. 40 von ihnen erhielten eine tägliche Dosis an Eiweißpulver, der Rest bekam als Placebo Stärkepulver. Alle zwei Wochen wurde die Dosis erhöht bis hin zu einer Menge, die ungefähr einem Drittel Ei täglich entspricht.
75 Prozent konnten Eier essen
Nach zehn Monaten mit dieser Behandlung wurden das Immunsystem der Kinder in der Klinik mit hohen Mengen an Eiweißpulver "herausgefordert". 55 Prozent der hyposensibilisierten Patienten zeigten keinerlei allergische Symptome. Nach 22 Monaten waren es sogar 30 Kinder, also 75 Prozent. Im Gegensatz dazu waren die Kinder mit der Placebo-Behandlung zu beiden Zeitpunkten noch genauso allergisch wie zu Beginn der Studie. "Während die Kinder die Immuntherapie erhielten, konnten die meisten von ihnen auch ohne Nebenwirkungen Eier zu sich nehmen", folgern die Forscher.
Immuntherapie hilft 25 Prozent dauerhaft
Doch wie sieht es aus, wenn die Therapie beendet wird, die tägliche kleine Herausforderung für das Immunsystem entfällt? Um das zu testen wurde bei den 30 erfolgreich behandelten Patienten die Immuntherapie beendet. Zusätzlich bekamen die Kinder die Aufgabe, vier bis sechs Wochen auf Eier und Eiweiß zu verzichten. Danach bekamen sie erneut eine hohe Dosis Eiweißpulver und ein gekochtes Ei zu essen. "Ungefähr eines von vier Kindern, waren nach der Immuntherapie in der Lage, Eier zu essen", so die Wissenschaftler in ihrer Studie. Elf der Kinder zeigten keine Reaktionen mehr und durften anschließend ganz normal essen - inklusive eierhaltiger Produkte. 19 Kinder reagierten nach dem Auslassversuch jedoch erneut allergisch.
Kein Selbstversuch
Dr. Daniel Rotrosen, Direkter des amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases warnt ausdrücklich davor, Selbstversuche zu machen, da schwere allergische Reaktion die Folge sein können. "Die Ergebnisse deuten zwar an, dass die orale Immuntherapie bei bestimmten Nahrungsmittelallergien helfen kann, trotzdem ist diese Form der Therapie noch in einer frühen experimentellen Phase und muss noch besser erforscht werden", sagt Rotrosen. (lh)
Quelle: Burks A.W. et al: Oral immunotherapy for treatment of egg allergy in children. N Engl J Med. 2012 Jul 19;367(3):233-43.
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