Pferdefleisch-Skandal: Wie können sich Verbraucher schützen?
Der Pferdefleisch-Skandal sorgt europaweit für Empörung und auch deutsche Verbraucher bleiben nicht verschont: In dutzenden Produkten wurden mittlerweile Anteile von Pferdefleisch nachgewiesen.
Staatliche Kontrollen allein reichen offenbar nicht aus, um uns vor Täuschung und Betrug bei Lebensmitteln zu bewahren. Auch Nina Banspach, Pressesprecherin beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), räumt auf Anfrage ein: "Wenn jemand Gesetze brechen möchte, tut er es."
Eine Gesundheitsgefährdung bestehe derzeit zwar nicht, doch es handele sich beim Pferdefleischskandal um eine Verbrauchertäuschung. Für Konsumenten sei es ganz schwierig, sich zu schützen, gibt Banspach zu.
Lässt sich falsch deklariertes Fleisch erkennen?
Pferdefleisch ist rot bis dunkelrot und schmeckt leicht süßlich. Anhand dieser Kriterien zu erkennen, ob es sich beim angeblichen Rindfleisch in Wahrheit um Pferdefleisch handelt, sei bei Fertigprodukten aber unmöglich, sagt Banspach. Im vorliegenden Fall könne man die Fleischsorte erst recht nicht ausmachen, weil die Produkte eine Mischung aus Pferdefleisch und Rindfleisch beinhalten.
Sollte man Fertigprodukte meiden?
Sobald Fleisch in einem Lebensmittel verarbeitet wird, entfällt für Hersteller die Pflicht, die Herkunft des Fleisches anzugeben. Für den Verbraucher ist bei Fertiggerichten wie Tiefkühllasagnen und ähnlichem daher nicht ersichtlich, woher das Fleisch stammt, das er verzehrt.
Christiane Manthey, Abteilungsleiterin Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, findet es notwendig, eine Herkunftsangabe einzuführen. Aber auch diese stelle keine Garantie gegen kriminelle Machenschaften dar: "Wenn man die Herkunft verschleiern will, dann kann man auch dabei täuschen." Generell wäre eine Herkunftsangabe für verarbeitetes Fleisch jedoch sinnvoll, um dem Verbraucher transparenter zu machen, welchen Weg die Rohstoffe eines Lebensmittels genommen haben.
Auf Fertigprodukte zu verzichten hält Christiane Manthey nicht für erforderlich: "Die Verbraucher erwarten Produkte, die den Gesetzen gemäß produziert worden sind. Darauf muss er sich verlassen können."
Ist man mit Bio-Produkten auf der sicheren Seite?
Biologisch produzierte Lebensmittel unterliegen zusätzlichen Kontrollen, die in der EU-Bio-Verordnung formuliert sind. Erst, wenn Produkte diese Richtlinien erfüllen, dürfen sie sich "Bio" nennen und erhalten das entsprechende Siegel.
Doch auch in der ökologischen Lebensmittelwirtschaft gab es in der Vergangenheit Betrugsfälle, zum Beispiel den Dioxin-Skandal. Einen garantierten Schutz bietet das Bio-Siegel also ebenfalls nicht. Dr. Alexander Gerber, Geschäftsführer des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) räumt ein: "Wir haben in allen Wirtschaftsbereichen schwarze Schafe. Und natürlich gibt es auch Leute mit krimineller Energie, die versuchen, mit Bio-Betrug mehr Geld zu verdienen." Generell funktioniere das Kontrollsystem aber gut: Berechnungen hätten ergeben, dass der Umsatz, der mit Betrugsfällen in der Biobranche maximal gemacht wurde, bei unter 0,5 Prozent liege. "Diese Zahl ist nicht tolerierbar, aber sie ist wahrscheinlich auch nicht vermeidbar", sagt Gerber.
Christiane Manthey von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht keinen Unterschied zwischen dem konventionellen und dem Biobereich, wenn es um Kontrollen geht. Bei beiden Arten der Erzeugung sei die staatliche Lebensmittelüberwachung gefordert: "Das Lebensmittelrecht ist eindeutig und sieht einen Täuschungsschutz vor. Das ist auch unabhängig davon, wie teuer Lebensmittel sind. Der Preis sagt wenig über die Qualität aus."
Beim BÖLW sieht man das anders: Im Unterschied zum konventionellen Bereich, wo lediglich stichprobenartig kontrolliert und überwacht werde, würden alle Bio-Unternehmen mindestens einmal pro Jahr kontrolliert, unter Umständen sogar noch öfter.
Sind weitere Produkte verdächtig?
In Deutschland wurde Pferdefleisch mittlerweile in Dutzenden Produkten verschiedener Supermarktketten nachgewiesen, darunter zum Beispiel Tiefkühllasagne, Ravioli und Tortelloni. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Produkte mit verarbeitetem Fleisch betroffen sind. Nina Banspach vom BVL empfiehlt, abzuwarten und verdächtige Lebensmittel im Gefrierfach aufzubewahren, bis Tests offenlegen, um welche Produkte es sich genau handelt.
Werden Lebensmittel künftig sicherer?
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht Verbesserungsbedarf, was die bundesweite Zusammenarbeit angeht. Der Vollzug der Lebensmittelüberwachung sei derzeit Ländersache, eine zentrale Stelle wäre jedoch von Vorteil.
Dennoch gibt es für Verbraucher keinen Grund, sich um die allgemeine Lebensmittelsicherheit zu sorgen: "Man kann nicht sagen, dass wir schlechte Lebensmittel auf dem Markt haben. Die Überwachung ist besser geworden, wir haben mittlerweile ein Schnellwarnsystem für Lebensmittel, das sich bewährt hat", erklärt Christiane Manthey.
893 Meinungen zu "Das kann der Verbraucher tun"
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kratos85
Donnerstag, 25.04.2013, 16:49 Uhr wer diese fleischwürfel noch isst,muss einen an der waffel haben. mein gehacktes mache ich selber,und das fleisch kaufe ich nur bei der fleischtheke meines vertrauens,wo ich weiss was, und vorallem wie,es geschlachtet wurde. http://www.youtube.com/watch?v=D9JE36Wa7TQ -
Wahlviech
Donnerstag, 11.04.2013, 17:04 Uhr Wer glaubt, dass er mit höheren Preisen dem Missbrauch Einhalt gebieten könnte, irrt gewaltig. Mit höheren Preisen wird der Betrug nur NOCH LUKRATIVER. -
MeinerMeinungnach70
Mittwoch, 10.04.2013, 10:34 Uhr Gegen Pferdefleisch wäre nichts einzuwenden, wenn man schon auf Fleisch nicht verzichten mag. Doch die Haltung von vielen Tieren und deren Ernährung lassen oft zu wünschen übrig. Die Industrie und Wirtschaft will uns Verbraucher weiß machen, dass wir nichts anderes verlangen. Doch wer schaffte denn den guten alten Bauernhof oder die Kleintierbetriebe ab? Gäbe es die nämlich noch, würde man um die Ecke zu solchen gehen u. gerne etwas mehr bezahlen. Es geht doch letztendlich nur um Profit. Und wir Verbraucher lassen uns anstecken. Damals gab es nur sonntags einen Braten, worauf man sich gefreut hat. Da war Essen noch ein Erlebnis. Wer braucht im Ernst in fast jedem Ort mindestens zwei Supermärkte? Andere Regionen unserer Erde beneiden uns und schütteln den Kopf von dem ganzen Überbedarf. Es wird Zeit, dass sich ein jeder bewusst wird, was er kauft und wieviel und vielleicht Gewohnheiten aufgibt zum Wohle der Tiere. Man kann es seit Jahrzehnten beobachten, wie wir betrogen werden und ich hoffe, dass die Verantwortlichen endlich bestraft werden. Dazu müsste die Politik jedoch Rückgrat beweisen zum Wohle des Volkes. So lange wir uns die Skandale und Tierquälerei gefallen lassen, so lang wird auch nichts Gravierendes passieren. Schade. -
Schwerkraftignorant
Montag, 18.03.2013, 07:34 Uhr Was kann man tun? Auf jeden Fall nicht mehr Geld für (Fertig)-Essen ausgeben. Ich finde so Kommentare wie von boogyhoogy schon sehr blauäugig. Mensch wacht auf: Das sind Verbrecher! Und wer nun meint, das er von einen Verbrecher was besseres zu erwarten hat, nur weil er ihm mehr Geld zahlt, der tut mir leid. Wir brauchen strengere Kontrollen und härtere Strafen. So wie in den USA. Dort werden die Firmen auf Millionen Dollar Schadensersatz verklagt und verschwinden dann vom Markt. So wird man das Problem los, indem man den Sumpf suksessive austrocknet. Der Beste Vorschlag ist aber nach wie vor: Ausfrischen Zutaten selber kochen (wobei dies bei mir aus Zeitmangel auch manchmal nicht klappt). Also bitte lasst so Sprüche wie man man mehr bezahlt wird alles besser. Das funktioniert mit 100% Sicherheit nicht, im Gegnteil lockt es noch mehr Kriminelle an (wo mehr zu holen ist....). -
60HABAKUK23
Samstag, 16.03.2013, 09:01 Uhr lebensmittelpanscher sind bei nachgewiesener beteiligung voll verantwortlich zu machen,das so schmerzlich(geldstrafe bis zum abwinken,freiheitsentzug in verbindung mit "wertschöpfender"strafarbeit),daß ihnen hören und sehen vergeht.lebensmittelkonzerne dicht machen(gesamtkapital sofort beschlagnahmen),wenn bei ihnen gepanscht wird,vielleicht kontrollieren sie ihre zugelieferten produkte dann sehr genauer. lebensmittelhersteller dürfen nicht auf grund eines freundlichen lächelns als lieferanten zugelassen werden,die sollten zittern vor angst,daß eine kontrolle jeden tag guten tag bei ihnen sagt. -
schmackofatz
Freitag, 15.03.2013, 09:06 Uhr Was habt Ihr alle nur?Pferdefleisch ist was feines und schmeckt wunderbar,ich könnte es jeden Tag essen.Ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen,die Menschheit stopft doch sonst jeden Mist in sich rein!!!! -
magiebeveggie
Mittwoch, 13.03.2013, 14:06 Uhr Da sag ich nur.. Ein weiterer grund auf Fleisch zu verzichten!!!!





























