Achim Achilles auf dem Weg des Rambo
Köstlich, die Krümel aus dem Brotkorb. Seit meine Gattin mich auf Entzug gesetzt hat, kaue ich jeden Fitzel mindestens fünf Minuten. Die Jungs beschweren sich schon, dass an ihren Schulbroten die Ecken fehlen. Sollen froh sein, dass überhaupt noch Reststulle um den Käse liegt. Die Gattin wiederum wundert sich, dass ich morgens plötzlich freiwillig Pausenbrote schmiere. Ich habe Kohlehydrat-Verbot von Mona. Die Gattin hat mir Training bei Wasser und ohne Brot verordnet. Und ich komme vor Kohldampf nicht in den Schlaf. Ich leide nicht am Hungerast, sondern an einem ganzen Hungerwald.
Leider hat Mona Recht. Will ich Ende Oktober den Frankfurt-Marathon überleben, sollte ich schleunigst auf Athleten-Modus schalten. Mir fehlen nur drei Dinge: Training, Wettkampfgewicht und Lust. Für sanfte Methoden ist keine Zeit mehr, also der Weg des Rambo: Hart trainieren bei gleichzeitigem Verzicht auf Kohlenhydrate.
Kleines Problem: Kohlenhydrate stecken praktisch überall. Im Brot, im Bier, in Nudeln, Pizza, Kuchen, in allem, was süß und fluffig und lecker ist. Streicht man die Kohlenhydrate, bleibt vom Honigbrötchen eine hauchdünne Butterschicht, vom Bier das Wasser, von dem Gummibärchen die Plastiktüte. Damit wäre mein Speiseplan ziemlich exakt beschrieben.
Drei Tage lang habe ich mich jeden Morgen zum Laufen gequält, genau so lange bin ich auf Kohlenhydrat-Entzug. Mein Magen heult. Die Beine winseln nach Treibstoff. Im Hungerwahn träume ich von Muffins mit Honighaube, die in einem Biersee schwimmen. Am Himmel Wolken aus Zuckerwatte. Was ist, wenn ich im Kohldampf-Stress auch noch von einer Laktose-Allergie befallen werde? Dann könnte ich nicht mal mehr ungesüßte Milchprodukte essen? Ich würde schon vor dem Marathon sterben, und das wäre nun wirklich kein Heldentod. Wie ferngesteuert schwingen meine Beine aus dem Bett. Mit letzter Kraft richtet sich mein ausgemergelter Leib auf. Der Kühlschrank entwickelt einen magnetischen Sog. Ich muss was essen, zur Not ein Pfund Butter mit Kochschinken. Ich wühle durch die Schränke. Wo zum Teufel hat Mona das Notbrot versteckt? Wo findet sich eine mumifizierte Ecke Knäcke? Die eiserne Ration Zwieback?
Ausgerechnet als ich mit einem Strohhalm auf der Suche nach Kleinstkrümeln durch die Fliesenfugen sauge, erstrahlt das Küchenlicht. "Was machst Du da?", fragt Mona ungehalten. Mein besorgniserregend knochiger Hintern sorgt weder für Mitleid noch Erotik. "Äh", sage ich und bemühe mich, keinesfalls schuldbewusst zu gucken: "Mir ist eine saure Gurke runtergefallen." Der zerknüllte Strohhalm piekt in meiner Hand. "Trink´ ein Glas Wasser!", befiehlt die Ernährungsberaterin der Herzen. Ich nehme ein Kölschglas, um wenigstens einen Hauch von Kneipenglück zu verspüren. Mir ist schlecht vor Hunger. Ich habe Angst vor den 12 Kilometern morgen. Der Frankfurter Wind wird mich von der Strecke pusten. Afrikaner werden mir mitleidig ein Käsebrötchen anbieten. Aber ich werde ablehnen. Und einen Schluck Wasser aus der nächsten Pfütze nehmen. Demut ist die Wurzel des Marathons.
In der nächsten Kolumne sieht sich Innovationsmuffel Achim Achilles mit einer tückischen neuen Laufvariante konfrontiert: Dem Bootcamp auf der Trainingsstrecke.
16 Meinungen zu "Achim Achilles auf Entzug"
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Muggers
Donnerstag, 13.09.2012, 13:52 Uhr @lenaisabel Kennt den wer???? Wenn du Nordic Walker bist solltest Du ihn kennen. Er hat nämlich unter diesem AA Pseudo ein Walker Hasser Manifest pupliziert - Selbst stand er schon in Berlin bei KM 30 an der Strecke und hat Läufer über 5 Stunden wüst als Flaschen und Schnecken beschimpft und "Heul doch Schilder" hochgehalten. Hat ihn in der Blöd Zeitung und anderen Massenkompatiblen Zeitungen tolle Berichte eingebracht. Und seit neusten läuft er selbst und zwar misserabel - hat das aber wiederum zum Kult gemacht. Man kennt ihn jetzt. Als ernsthafter Läufer und Sportler ist er es aber nicht wert erwähnt oder zitiert zu werden. Es ist nur Müll was der absondert - aber er ist promovierter Dr. und weiss wie er sich vermarkten kann. -
Nordlicht12
Donnerstag, 13.09.2012, 13:51 Uhr Lieber Achim, lass dich nicht vom Fliegenpilz52 nicht veräppeln. Sahnetorte und Freibier mit Grillhaxen gibt´s erst im Finisherbereich. grins. -
Nordlicht12
Donnerstag, 13.09.2012, 13:48 Uhr Schöne Satire für Marathonis. Überspitzt die Realität bis hin zum Gesundheitsschaden. lol . -
Fliegenpilz52
Donnerstag, 13.09.2012, 13:40 Uhr Lieber Achim,ich werde ein Stück neben dir laufen und dir vorschwärmen wo man überall gut essen und schlemmen kann in Frankfurt.Dazu als besondere Aufmerksamkeit für dich dir leckere Sahnetorte als Kraftnahrung anbieten,bin ich nicht lieb? -
vienna71
Donnerstag, 13.09.2012, 13:39 Uhr Das kann sich ein Läufer wie Achim Achilles aufgrund seiner Erfahrung sicherlich erlauben, aber man kann nur hoffen, das kein Anfänger diesen Unsinn nachahmt...im Grunde braucht es für einen Marathon nichts weiter als eine vernünftige Vorbereitung und die fängt keine 6 Wochen vorher an. -
StimmeGottes
Donnerstag, 13.09.2012, 12:43 Uhr Hinfort mit euch Banausen! Sehr gut geschrieben! Es hat mich belustig! :)
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