Dukan-Diät - Abnehmen auf Französisch
Jetzt predigt er also auch auf Deutsch: Der französische Diätguru Pierre Dukan hat seinen Bestseller nun auch hierzulande veröffentlicht. Kate Middleton soll mit seiner Hilfe vor der Hochzeit mit ihrem Prinzen fünf weitere Kilo von ihrer ohnehin schon schlanken Linie verloren haben. Und auch Promimamas wie Penelope Cruz und Gisele Bündchen haben ihre Schwangerschaftspfunde so herunterbekommen, heißt es.
"Essen Sie so viel Sie wollen" und "Kein Jo-Jo-Effekt" verspricht der Ernährungsmediziner in seinem Buch. Ein Freibrief zum Schlemmen ist das dennoch nicht: Was man überhaupt essen darf, ist in den ersten beiden von vier Phasen streng reglementiert. Abnehmen wie Gott in Frankreich wird leider auch hier nicht geboten.
Ein bisschen klingt die Sache wie eine Art Atkins für Hartgesottene: Durfte man beim Altmeister der Proteindiäten noch reichlich Fett futtern, ist bei Dukan Eiweiß pur angesagt: 72 magere, proteinlastige Lebensmittel stehen auf der Liste. Das klingt erst mal reichlich, entpuppt sich aber beim näheren hinsehen als ziemlich einheitlich: Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte und supermagere Milchprodukte bilden das Gerüst der Diät, Tofu ist das einzige pflanzliche Produkt. Von denen darf man immerhin soviel essen wie man mag - wenn man mag. Gesund ist das nicht unbedingt.
Stufe 1: Angriffphase
Nicht nur Brot, Pasta und Kartoffeln, auch Gemüse ist in der Angriffsphase tabu, die abhängig von den zu verlierenden Kilos ein bis zehn Tage dauert. Denn Gemüse enthält immer auch Kohlenhydrate. Und die sind kontraproduktiv: Sie treiben den Insulinspiegel in die Höhe und bremsen so die Fettverbrennung, so das Credo.
Proteine hingegen halten länger satt und verhindern, dass beim Abnehmen wertvolle Muskelmasse verloren geht. Anders als beim Verstoffwechseln von Zucker und Fett verbraucht der Körper beim Verarbeiten von Eiweiß zudem Energie.
Ein reiner Proteintag geht beispielsweise so: Morgens 200 Gramm Magerquark und ein Ei, mittags Fisch mit ein paar Kräutlein, abends Rührei mit Krabben. Einzige Ausnahme vom Kohlenhydratbann: Dukan verordnet seinen Anhängern einen Esslöffel Haferkleie am Tag - damit die Verdauung nicht ganz zum Erliegen kommt.
Dazu muss man mindestens zwei Liter Wasser oder Tee trinken - nicht nur um die Ballaststoffe quellen zu lassen, sondern auch um die Nieren zu entlasten. Da sie den Harnstoff ausscheiden müssen, der bei der Verbrennung von Eiweiß entsteht, müssen sie während der Diät Schwerstarbeit leisten.
Hinzu kommt ein bisschen Bewegung: Mindestens 20 Minuten Spazierengehen täglich sollten es sein.
Stufe 2: Aufbauphase:
Auch während der anschließenden Aufbauphase ist jeder zweite Tag ein reiner Proteintag. Immerhin darf an den übrigen Tagen ein bisschen Gemüse das eiweißhaltige Einerlei aufpeppen. Kohlenhydratreiche Sorten sind allerdings noch immer nicht vorgesehen - Bohnen und Mais beispielsweise - und jede Form von Obst. Auch mit den zum Verzehr freigegebenen Gemüsesorten soll man weiterhin knausern. Salatorgien sind also noch immer nicht drin.
Hinzu kommen immerhin drei Esslöffel Kleie täglich und sage und schreibe 30 Minuten Spazierengehen. Diese Phase dauert so lange, bis das Wunschgewicht erreicht ist.
Stufe 3: Stabilisierungsphase
Idealgewicht erreicht? Dann folgt die Stabilisierungsphase, die den Jo-Jo-Effekt verhindern soll. Sie dauert pro abgenommenem Kilo zehn Tage. Wer sechs Kilo abgenommen hat, muss also noch weitere zwei Monate auf die Kohlenhydratbremse treten.
Allerdings darf er immerhin täglich etwas Obst sowie Vollkornbrot und alle drei Tage sogar Stärkehaltiges wie Vollkornnudeln oder Wildreis essen. Ab und zu ein Stück Käse ist jetzt auch drin. Zwei Mahlzeiten pro Woche sind Schlemmermahlzeiten und unterliegen keinen Beschränkungen.
Stufe 4: Erhaltungsphase
Die Erhaltungsphase soll garantieren, dass die Pfunde sich nach Phase 3 nicht wieder sammeln. Sie umfasst drei Regeln, die unbedingt eingehalten werden müssen: eine ausgewogene Ernährung, ein Proteintag pro Woche, sowie tägliches Gehen und Treppensteigen statt Fahrstuhl.
Geschäftstüchtige Strategie
Neben dem Diätbuch animiert vor allem der Onlineauftritt zum Abspecken à la Dukan: Auf der offiziellen deutschsprachigen Website errechnet ein Programm das persönliche Idealgewicht. Eine individuell erstellte Grafik illustriert, wie lange die einzelnen Phasen dauern und wann der "break even" - das persönliche Idealgewicht erreicht ist. Das motiviert zweifellos.
Geschäftstüchtig werden in dem angegliederten Shop das Buch sowie verschiedene Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Apfelessigkapseln für rund 9 Euro beispielsweise oder Birkensaft für 11 Euro. Wem der wochenlange Verzicht auf Schokolade oder Bananen und anderes Obst schwer fällt, kann entsprechende Aromen dazu erwerben. Künstlichkeit nimmt Dukan billigend in Kauf - auch zum Verzehr von Süßstoff und süßstoffhalten Getränken animiert der Mediziner.
Demnächst soll nach französischem und englischsprachigem Vorbild auch ein Online-Coach folgen - kostenpflichtig versteht sich.
Harte Kost
Fazit: Abnehmen kann man auf diesem Wege sicher - wenn man denn durchhält. Das ist zwar das Problem bei jeder Diät - bei Dukan könnte die Herausforderung jedoch noch um einiges größer sein. "Schon am zweiten Tag hätte ich töten können für eine Tomate", schreibt eine Dukan-Jüngerin in einem Diskussionsforum.
Selbst Fleischliebhabern scheint der Totalverzicht auf Obst und Gemüse schwerzufallen. Und wie eintönig und genussarm die Fleisch- und Kleiekur werden kann, zeigen die Diätforen: Dort tauscht man kreative Rezeptideen unter anderem für Pfannkuchen, Ersatzplätzchen oder Pseudobrot aus der drögen täglichen Kleieration. Ein Eifer aus dem Verzweiflung spricht.
Zuviel Eiweiß geht an die Nieren
Wirklich gesund ist die Dukan-Diät zudem nicht: Zuviel Eiweiß ist schlecht für die Nieren. Maximal 0,8 Gramm Proteine pro Tag und Kilo Körpergewicht sollen es nach Empfehlung der deutschen Gesellschaft für Ernährung maximal sein. Das wird bei der Dukan-Diät schnell um ein Mehrfaches überschritten. Vor allem Menschen mit Nierenschwäche können durch den hohen Proteinanteil Schaden nehmen. Das gilt beispielsweise für viele Diabetiker. Auch Gichtanfälle sind nicht auszuschließen.
Ebenfalls bedenklich, dass abhängig vom abzunehmenden Gewicht über Wochen und Monate so wenig Obst und Gemüse verspeist werden soll. Wer also umfangreich abspecken will, sollte sich unbedingt eine ausgewogenere Diätstrategie suchen.
Die "Agence nationale de sécurité sanitaire de l'alimentation" - das französische Pendant zur deutschen Gesellschaft für Ernährung hat die Dukan-Diät als gesundheitsgefährdend eingestuft.
Dukan selbst streitet übrigens nicht ab, dass seine Diät einseitig ist und langfristig Risiken birgt. Er sieht die gesundheitlichen Gefahren, die mit Übergewicht einhergehen, aber als gravierender an. Sein Argument: Auch Medikamente gäbe es schließlich nicht ohne Nebenwirkungen.
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Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von NetDoktor.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
Quelle: Pierre Dukan: Die Dukan Diät: Das Schlankheitsgeheimnis der Franzosen, Gräfe und Unzer 2012
21 Meinungen zu "Trend-Diät auf dem Prüfstand"
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Fussel85
Mittwoch, 08.02.2012, 13:57 Uhr Also mal ehrlich: igitt! Wer will sich denn so quälen, wenn es auch einfacher geht!?! NUR Eiweis? Brrr! Da kommt`s mir ja schon beim dran denken hoch! Zumal mir Fisch und Meeresgetier eh nicht schmeckt! Wä! Ich hab mit Butter beim Frühstück weglassen, nur noch essen wenn man Hunger hat und bis man satt ist, mehr trinken und täglich 30 min. Bewegung in 9 Wochen 7 Kilo abgenommen! Und da hab ich sogar täglich noch ein kleines Stück Kuchen zum Kaffee gegessen. Fazit: man muss nicht hungern und abartiges Zeug essen und zusätzlich den Körper belasten. Dass 30 Minuten Bewegung pro Tag schon viel machen ist ja nix neues. Und wenn man das dann so ca.60 Tage macht, nimmt man auch ohne Ekelfutter ab! Außerdem: Hunger macht BÖSE! Das habe ich immer bei meiner Chefin gemerkt, wenn sie mal wieder eine ihrer dämlichen "Entgiftungskuren" gemacht hat. Die durfte man auf 100 Meter nicht ansprechen, sonst ist die einen angesprungen wie ein tollwütiger Piranha! -
Beobachterr
Mittwoch, 08.02.2012, 11:29 Uhr Habe eine Kollegin, die letztes Jahr eine Eiweiß-Diät gemacht hat. Die Diät war speziell für sie zusammengestellt worden und hat ihr viel Geld gekostet. Damals, als sie die Diät machte, war sie überglücklich; die Pfunde wären "nur so heruntergepurzelt". Heute ist sie dicker als zuvor, und sehr unzufrieden mit sich. -
lenaisabel
Mittwoch, 08.02.2012, 11:27 Uhr klingt unseriös.... -
Hammel1337
Mittwoch, 08.02.2012, 11:25 Uhr Nur Hunde spielen mit Knochen;)
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