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10.02.2012, 13:31 Uhr

Immer mehr Opfer der "Malariatherapie" in Wien

In der Angelegenheit der an Heimkindern an der damaligen Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie und Neurologie in den 1960er-Jahren praktizierten "Malariatherapie" gibt es offenbar immer mehr Betroffene, die sich melden. "Der Strom der Opfer, die sich melden, reißt nicht ab. Es sind mittlerweile mindestens zehn", sagte der Wiener Anwalt Johannes Öhlböck.

Die Angelegenheit selbst führt in die Tiefe der österreichischen Medizin-Zeitgeschichte und somit auch der Geschichte der Psychiatrie der NS- und Nachkriegszeit. Die Angaben des Wiener Anwalts: "Es haben sich Betroffene gemeldet, die von solchen Therapien oder Versuchen ab 1957/1958 bis 1967/1968 berichteten. Ich komme auf rund 260 Kinder, die man dafür (als vorübergehende Träger von Plasmodium vivax, Anm.) benötigte. Die Erreger wurden ja von Person zu Person übertragen - das funktionierte jeweils 14 Tage."

Ein nach eigenen Angaben Betroffener hätte berichtet, dass es sich um eine "Abkühltherapie für Pubertierende" gehandelt hätte. Darüber hinaus sei von Elektroschocktherapien, von "Niederspritzen" und "Schlaftherapien" sei in den Aussagen die Rede.

Öhlböck fordert in der Affäre Auskunft von der Stadt Wien, an welchen Heimkindern eine solche Behandlung durchgeführt wurde. Doch das ist nicht möglich: In den Archiven lagern mehr als 180.000 Akten über damalige Heimkinder, nach Namen geordnet. Eine Aktenrecherche etwa nach Jahren sei nicht möglich. "Da sucht man wie die Nadel im Heuhaufen", erklärte eine Sprecherin der Wiener MA11 (Jugend und Familie). Betroffene haben aber die Möglichkeit, Einsicht in ihre Akten zu nehmen.

Unterdessen wurden auch Vorwürfe laut, wonach laut Medienberichten auch im früheren Wiener Kinderheim im Schloss Wilhelminenberg in den 1960er Jahren fragwürdige medizinische Behandlungsmethoden durchgeführt worden sein sollen. Barbara Helige, Leiterin der Wilhelminenberg-Kommission, sagte am Freitag, dass man dies nun prüfen werde.

© APA

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