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08.02.2012, 10:21 Uhr

Eltern müssen sich bei Erziehung nicht einig sein

Münster (dpa/tmn) - Kein Fernsehen vor dem Schlafengehen oder die Spielsachen sofort wegräumen: Mutter und Vater setzen bei der Erziehung unterschiedliche Prioritäten. Wichtig ist nur, dass Eltern ihre unterschiedlichen Regeln konsequent vertreten.

"Aber Papa hat gesagt, ich darf." Es ist nur ein kleiner Satz, aber er hat große Wirkung. Zwar kommt es in jeder Familie bisweilen zu Differenzen. Wenn sich die Erziehungsstile von Mutter und Vater aber grundsätzlich widersprechen, sei das ein großes Problem, sagt Yves Hänggi vom Institut für Familienforschung und -beratung der Universität Fribourg. "In dem Falle haben die Kinder zu wenig Orientierung: Der Vater sagt das eine, die Mutter das andere." Was letztlich richtig ist, können Kinder nur schwer einschätzen.

Warum sind sich Eltern aber derart uneinig, wenn es um so etwas Grundlegendes wie die Erziehung ihrer Kinder geht? Manfred Holodynski, Professor am Institut für Psychologie der Universität Münster, sieht - neben den unterschiedlichen Erfahrungen in der eigenen Erziehung - den Wertewandel in der Gesellschaft als einen möglichen Auslöser für den Konflikt. "Bis zu den 60er Jahren waren Werte wie Ordnung und Gehorsam wichtig. Das war relativ eindeutig. Ein Elternteil hat die letzte Instanz verkörpert."

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Seither stünden Selbstständigkeit und freier Wille im Vordergrund. In Sachen Erziehung bringt dieser Wandel viel Unsicherheit: "Wie viele Grenzen darf ich setzen, wenn mein Kind selbstständig sein soll?", bringt es Holodynski auf den Punkt. Egal, ob der eine Partner strengere Grenzen setzen möchte als der andere, einen Tipp sollten sich beide zu Herzen nehmen: "Gleichgültig sollte man dem anderen gegenüber nie reagieren, sondern immer demonstrieren 'Ich interessiere mich für dich'", sagt Holodynski.

Auch Remo Largo, emeritierter Professor für Kinderheilkunde an der Universität Zürich, stellt das Verhältnis der Eltern zum Kind über Konflikte auf der Paarebene. "Für die Kinder ist die wichtige Frage 'Wer hat Zeit für mich?' und nicht 'Wer erlaubt mir etwas?'". Sind sich Eltern manchmal uneinig, erleben Kinder dies nicht zwangsläufig als Konflikt. "In vielen Familien ist es Realität, dass die Eltern nicht immer an einem Strang ziehen", sagt Largo. "Ein Problem wird das nur, wenn sich die Eltern gegeneinander ausspielen lassen."

Dabei könne das Kind zum Beispiel mit Liebesentzug reagieren, wenn es die Entscheidungen der Eltern nicht billige, erklärt Psychologe Holodynski.

Aber auch für diese Situation haben die Experten Tipps, wie sich die Partner trotz unterschiedlicher Erziehungsstile einigen und sich gegenüber ihren Kindern behaupten können: "Die Voraussetzung für die Erziehung ist eine stimmige Beziehung zum Kind. Die erreicht man, in dem man quality time schafft und Probleme gemeinsam angeht", sagt Yves Hänggi.

Dabei sollten Paare versuchen, Toleranz für die Entscheidungen des Partners zu zeigen. Konkret heißt das: Wer zuerst entscheidet, dessen Regel hat in dem Moment Geltung. So kann auch in Spontansituationen eine schnelle Lösung gefunden werden - ganz ohne Streit. Denn der Konflikt sollte nie vor dem Kind eskalieren.

"Sich vor dem Kind zu streiten, hat negative Auswirkungen", sagt Largo. Ganz vermieden werden müssen Konflikte aber nicht: "Wenn die Eltern konstruktiv miteinander diskutieren, können die Kinder davon lernen", sagt Hänggi. Wenn die Kinder älter sind, können sie miteinbezogen werden. "Die Familienkonferenz ist eine gute Methode, gemeinsam eine Lösung zu finden."

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Die Konfliktkultur zwischen den Partnern und in der Familie spielt eine wichtige Rolle, ganz besonders, wenn die Meinungen in Erziehungsfragen auseinanderdriften. Oft haben die Partner aber nicht gelernt, wie sie sich einig werden. Kommt dann noch ein Kind, zur Beziehung hinzu, führt das zu Streitigkeiten zwischen den Partnern.

In dem Fall kann auf professioneller Ebene Hilfe gesucht werden. Sogenannte Elterntrainings versuchen deutlich zu machen, wie Mutter und Vater mit dem Kind interagieren. Hier könnten Eltern lernen, geschickt mit Konflikten umzugehen.

Auf zwei Prinzipien legen die Elterntrainer besonders viel Wert: Konsistenz und Routinen. Selbst wenn die Partner sich uneinig sind, hilft es dem Kind, wenn Mutter und Vater sich konsistent verhalten, ihre Reaktionen also leichter abzuschätzen sind. Und wer Routinen und Regeln für Alltagssituationen entwickelt, verhindert, sich immer wieder neu über die Schlafenszeit einigen zu müssen.

Manfred Holodynski rät: "Solange die Eltern in ihren Entscheidungen extreme Ungleichgewichte vermeiden und für sich jeweils klare Regeln haben, können sich die Kinder daran orientieren. Dann halten sie es auch aus, wenn sie bei einem Elternteil um zehn Uhr ins Bett müssen und beim anderen um elf."

Literatur:

Remo H. Largo: Kinderjahre - Die Individualität des Kindes als erzieherische Herausforderung, Piper, 384 Seiten, 9,95 Euro, ISBN-13: 9783492232180

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15 Meinungen zu "Immer einig über die Erziehung?"

  • Bruja3010
    Sonntag, 12.02.2012, 12:34 Uhr
    In unserem Grundkonzept der Erziehung sind mein Mann und ich uns einig, aber in Einzelsituationen, Kleinigkeiten betreffend, sind wir uns auch nicht immer einig. Aber das diskutieren wir nicht vor unseren Zwergen aus. Wenn er ein ja gegeben hat, dann gilt das und ich ändere es nicht um, nur weil ich anderer Meinung bin (oder umgekehrt), aber ich sag es ihm unter vier Augen und erkläre ihm, warum ich das vielleicht nicht erlaubt hätte oder erlaubt hätte und so wissen wir für das nächste Mal bescheid. Für Kinder ist eine klare Linie wichtig und die haben wir. Und bis jetzt haben es unsere Zwerge noch nicht geschafft, uns gegeneinander auszuspielen, weil wir uns absprechen und dem anderen vertrauen und über Unstimmigkeiten reden. @DungeonKeeper Es gibt wirklich nichts schöneres als kleine Kinderärmchen, die einen umarmen und einem sagen, ich hab dich lieb, Mami! Und strahlende Kinderaugen zu sehen.
  • keyzersoyze
    Freitag, 10.02.2012, 10:05 Uhr
    aber bei misshandlungen egal welcher art sind sich beide einig, gell
  • MedienMachtDumm
    Donnerstag, 09.02.2012, 11:41 Uhr
    Wer sich auf GMX über Kindererziehung beraten lässt, hat ein Problem, das hier nicht gelöst werden kann. Gilt leider auch für viele andere Themen.
  • JackFun
    Donnerstag, 09.02.2012, 08:55 Uhr
    Ich finde es erstaunlich, dass hiesige Leute mich kennen. Eine/r weiß direkt, dass ich mit den Eltern nicht gesprochen habe und rät mir, Tipps zu geben. Der/die andere weiß, dass ich keine Kinder habe und rät, mich nicht einzumischen und weiß zudem, dass es bei mir kein Spielzeug gibt. Nun, auf den ersten Rat habe ich ja bereits geantwortet. Ich fand es angebracht, die Eltern anzusprechen, mische mich auf Wunsch der Mutter nicht weiter ein. Ich sehe keine Veranlassung, die Mutter zu "erziehen". Zum Zweiten: Ich habe eine 19jährige Tochter, die ich ganz sicher nicht gedrillt habe. Sie hatte sehr viel Freiheiten, ohne sich daneben zu benehmen. Ich bin ganz sicher nicht die Mutter aller Mütter und habe bestimmt auch falsche Entscheidungen getroffen. Aber das Endergebnis zeigt mir, dass mir meine Tochter "gut gelungen" ist. Und: Wenn Kinder zu mir kommen, finden die eine große Kiste mit aufbewahrtem Duplo, Lego, Playmobil etc. Im Garten stehen ihnen Bobbycar und ein Trecker zur Verfügung. Angeboten werden auch Malstifte, Kinderbücher und Bibi Blocksberg-Kassetten. 99% der Kinder kommen gerne und stürzen sich mit Freude drauf. Bevor noch jemand was über mich weiß: Wenn die mal rumsauen oder quengeln, ist das für mich völlig normal, sonst wären es ja keine Kinder. Bei meinem Beispiel ging es mir um die beschriebene extreme Situation und um das, was Hidril dazu beigetragen hat.
  • humpelhund
    Mittwoch, 08.02.2012, 16:21 Uhr
    Am wichtigsten ist es doch eigentlich das die Eltern schnellstens lernen das sie den Befehlen ihrer Kinder absolut bedingungslos und ohne Ausnahme sofort gehorchen müssen. Der beste Beweis dafür ist ja schließlich das uns das ja auch Herbert Grönemeier in einem seiner Lieder genau erklärt hat. Außerdem sollten Kinder auch sofort alle Politiker absetzen und deren Aufgaben übernehmen. Dies würde sofort alle Probleme lösen und wir hätten keine Sorgen mehr... ...ist zwar eine lustige Idee, aber es würde leider doch nicht wirklich funktionieren...
  • siegeszeichen
    Mittwoch, 08.02.2012, 15:56 Uhr
    Einig sein sollten die Eltern zumindest über ihr Grundkonzept, also darüber, wie die Erziehung so generell stattfinden soll. Dass man in der konkreten Situation gelegentlich anderer Meinung als das andere Elternteil ist, hat ja damit nix zu tun. Allerdings sollte man tunlichst jegliche Diskussion darüber vor dem Kind vermeiden. Hat der andere "Ja" gesagt, bleibt es dabei. Hat er "Nein" gesagt, bleibt es auch dabei. Hinterher kann man sich, ohne lauschendes Kind im Hintergrund, darüber unterhalten und das Vorgehen im Wiederholungsfall abklären. Das kann dann durchaus abweichen. Hauptsache, man hat sich dann darauf geeinigt! Eine gradlinige Erziehung, bei der man dem Kind ab und an erklärt, dass man sich mit dem anderen Elternteil über ein verändertes Vorgehen geeinigt hat, ist auf jeden Fall besser als eine Hü-Hott-Erziehung!
  • DungeonKeeper
    Mittwoch, 08.02.2012, 15:51 Uhr
    @NewLion - Seite 1 Zitat: "Einige Eltern sind so dusselig,das sie ihre Kinder nicht erziehen können und auch nicht wollen.Hauptsache das Kindergeld wird rechtzeitig überwiesen.Ist die Frage,warum die Kinder in die Welt setzen.Wegen dem Geld-richtig." _______________________________ Was für ein ausgemachter Blödsinn. Kinder in die welt setzen auf Grund des Kindergeldes? Lass dir gesagt sein, dass Kinder mehr Kosten verursachen als sie einbringen. Was aber unbezahlbar ist, ist wenn eines meiner zwerge (3 + 1 im August / ich und meine Frau haben feste Jobs) mich grundlos in den Arm nimmt uns sagt 'ich hab dich lieb papa'
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