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20.08.2012, 12:33 Uhr

Down-Syndrom: Umstrittener Bluttest auf dem Markt

Konstanz (dpa) - Der viel kritisierte vorgeburtliche Bluttest auf das Down-Syndrom ist auf dem Markt. Er sei in mehr als 70 Praxen und Kliniken in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und in der Schweiz verfügbar, teilte der Hersteller LifeCodexx in Konstanz mit.

Der Test sei "ausschließlich schwangeren Frauen zugänglich, die sich in der 12. Schwangerschaftswoche oder darüber befinden und die ein erhöhtes Risiko für Trisomie 21 beim ungeborenen Kind tragen". Der Chromosomen-Fehler Trisomie 21 führt zu geistigen Behinderungen und körperlichen Auffälligkeiten.

Ein Verbot des Bluttests hatte unter anderem der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, gefordert. Er stützte sich bei seiner Argumentation auf ein Rechtsgutachten, wonach der Test mit geltendem Recht - wie der Menschenwürde - nicht vereinbar sei. Zum Kreis der Kritiker zählten Ethiker und Kirchen. Viele sehen die Gefahr der Selektion.

Das Land Baden-Württemberg, Sitz des Herstellers und damit zuständig, hatte den Test nach früheren Angaben des Stuttgarter Sozialministeriums nicht verboten, weil dafür die rechtlichen Voraussetzungen nach dem Gendiagnostikgesetz nicht gegeben seien.

Die ursprünglich für Juli geplante Markteinführung des Tests hatte sich verzögert, da das Unternehmen dem Regierungspräsidium Freiburg nachträglich Fragen zum Medizinprodukterecht beantworten musste. Die Behörde gab Ende Juli grünes Licht. Eine Prüfung des Produkts durch das Präsidium sei damit nicht verbunden, hieß es damals. Anders als im Arzneimittelrecht gebe es für die Einführung von Medizinprodukten kein besonderes Zulassungsverfahren.

LifeCodexx hatte den Bluttest nach eigenen Angaben von 2009 bis 2012 unter anderem in Zusammenarbeit mit führenden pränataldiagnostischen Zentren und Kliniken in Deutschland und der Schweiz entwickelt. Der Test ermöglicht die Erkennung des Down-Syndroms ohne Eingriff in den Mutterleib.

Bislang testeten Ärzte mit einer Fruchtblasenpunktion, die medizinische Probleme bis hin zur Frühgeburt verursachen kann. Nach Einschätzung des Unternehmens kann der neue Test die Zahl der eingriffsbedingten Fehlgeburten "deutlich reduzieren und allein in Deutschland bis zu 700 Kindern das Leben retten, die jährlich durch Komplikationen bei invasiven Untersuchungen sterben".

Unternehmensvorstand Michael Lutz kündigte am Montag zudem an: "In naher Zukunft wird der "Praena-Test" auch weitere chromosomale Veränderungen wie Trisomie 13 und 18 feststellen können."

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20 Meinungen zu "Umstrittener Test auf dem Markt"

  • Rajou
    Mittwoch, 22.08.2012, 08:13 Uhr
    Ich denke, es sollte jedem Elternpaar selbst überlassen werden ein Kind auszutragen oder nicht, welches eine Behinderung hat.
  • talunga
    Dienstag, 21.08.2012, 14:47 Uhr
    @wildkaetzchen ach ja ich wollte dir noch zur tochter gratulieren. das ging in der hitze des gefechtes wegen einem anruf gleich unter. entschuldige. geniess die zeit mit der kleinen maus. erwachsen werden sie ja viel zu schnell!
  • talunga
    Dienstag, 21.08.2012, 14:46 Uhr
    @wildkaetzchen besten dank für deine worte. ich gebe dir recht. der test einerseits ist okay für menschen, die sich darauf vorbereiten wollen. nur müssen sie auch damit leben, dass sie aufgrund des testes vor eine entscheidung gestellt werden. für mich käme ganz klar die abtreibung nicht in frage. sollte ich dennoch tatsächlich den test machen, dann auch nur zur vorbereitung auf die neue situation. aber andersrum kann ich mich auch nicht auf ein behindertes kind vorbereiten, wenn es durch ein problem bei der geburt behindert wird. wie im falle des zukünftigen schwagers. da hatten die eltern keine chance dies im vorfeld zu wissen. daher sind für mich die 1500.- rausgeschmissenes geld. dafür kauf ich dem kleinen wurm doch lieber ein paar schöne sachen und leiste mir die geburt bei meinem FA in der privatklinik, für welche ich aufpreis bezahlen muss.
  • talunga
    Dienstag, 21.08.2012, 13:50 Uhr
    @ITSE: woher meinst du zu wissen, ob menschen mit dem trisomie21 syndrom leiden oder nicht????
  • talunga
    Dienstag, 21.08.2012, 13:49 Uhr
    @tritra: wer einen solchen test macht, stellt sich unweigerlich selber vor die entscheidung: abtreibung oder nicht bei einem negativen ergebnis. @all: ich werde den test nicht machen. egal jetzt ob diesen neuen bluttest oder die gar gefährliche fruchtwasserpunktion. ichbin 35 und in der 9.ssw. gehöre also zu den "risikoschwangeren". ich habe mich vollen bewusstseins vor dem schwanger werden für ein kind entschieden und weiss, was für eine verantwortung auf mich zukommt. ich brauche den test nicht um mich vor eine solche entscheidung stellen zu lassen. auch wenn mein wurm "behindert" auf die welt kommt, entzieh ich mich der verantwortung nicht, sondern gebe ihm alles was es braucht um glücklich zu sein. ich frage mich ehrlich gesagt, was menschen machen, welche nach einem negativen test das kind abtreiben würden, wenn sie ein gesundes erwachsenes kind haben, welches durch einen unfall behindert wird. im endeffekt muss das jeder für sich entscheiden. aber ich könnte nicht damit leben, wenn ich ein wunder (und eine schwangerschaft ist ein wunder) zerstöre nur wegen einer trisomie21 diagnose. vlt seh ich das auch alles etwas anders, weil ich auch einen trisomie21 menschen in meinem umfeld habe und sehe, was sie alles kann und wie glücklich sie ist. solche menschen sollen genau so das recht auf leben haben wie wir alle auch.
  • Harry1972
    Dienstag, 21.08.2012, 11:27 Uhr
    Eine gute Sache. Leider ruft sowas gleich wieder Moralisten auf den Plan, die der Meinung sind, ihre Moralvorstellungen seien allgemeingültig und ganz sicher werden bald Stimmen laut, die um ihre Krankenkassenbeiträge besorgt sind und eine Zwangsabtreibung fordern, wahlweise die Eltern, die sich für ein behindertes Kind entscheiden, mit den Kosten alleine lassen wollen. Es muss einfach gewährleistet sein, daß Eltern eine Entscheidung frei treffen können und das sie wissen, sie werden unabhängig von ihrer Entscheidung unterstützt.
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