Bei Schmerz hilft Ablenkung nun nachweislich
Schmerzreize werden auf dem Weg ins Gehirn bereits im Rückenmark abgeschwächt. © dpa / Oliver Killig
Das berichtet ein Team vom Institut für Systemische Neurowissenschaften am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf im Fachjournal "Current Biology". Für die Studie mussten 20 gesunde Teilnehmer zwei Schwierigkeitsstufen einer Gedächtnisaufgabe bewältigen. Gleichzeitig wurden ihnen schmerzhafte Hitzereize am Arm zugefügt. Die Testpersonen mussten sich unterschiedliche Buchstabenfolgen merken und deren Häufigkeit zählen.
"Die einfache Stufe der Gedächtnisaufgabe führte zu keiner nennenswerten Ablenkung vom Schmerzempfinden, während die schwierige Stufe bewirkte, dass die Teilnehmer deutlich von den Schmerzen abgelenkt waren. Sie erlebten den Schmerz in der Folge schwächer", sagte Studienleiter Christian Sprenger der Nachrichtenagentur dpa.
Beide Male wurde mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie gemessen, wie stark das Rückenmark durch die Schmerzreize aktiviert wurde. Während der schwierigeren Aufgabe zeigte sich eine deutlich geringere Aktivierung durch die Schmerzreize im Vergleich zur leichteren Aufgabe. Wahrscheinliche Erklärung für dieses Ergebnis: Während einer anspruchsvollen kognitiven Aufgabe aktiviert das Gehirn ein System im Hirnstamm, das die Schmerzsignale auf Rückenmarksebene hemmt.
Das Rückenmark gehört wie das Gehirn zum zentralen Nervensystem. Es liegt im Wirbelsäulenkanal und leitet Reize von der Körperperipherie über den Hirnstamm in das Gehirn und dessen gewünschte Reaktionen wieder zurück in den restlichen Körper. Bereits 2009 hatte eine im Fachjournal "Science" veröffentlichte Studie des Instituts gezeigt, dass eine positive Therapieerwartung die Schmerzverarbeitung auf Rückenmarksebene beeinflussen kann. Als Botenstoffe im Körper sind dabei endogene Opioide im Einsatz, also körpereigene schmerzstillende Substanzen.
"Die Ergebnisse legen nahe, dass therapeutische Ansätze wie beispielsweise die kognitive Verhaltenstherapie auch das Potenzial haben könnten, bis auf die Rückenmarksebene zu wirken", sagte Sprenger. Dort könnten die Therapien dann möglicherweise "schmerzverbundene" Krankheitsprozesse beeinflussen. Dies müsse aber noch in Studien untersucht werden.
14 Meinungen zu "Schmerzfrei ohne Pillen?"
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Samsara425
Samstag, 19.05.2012, 08:32 Uhr Anna , das ist sehr schrecklich , was du geschrieben hast. Ich halte mich schon lange von Ärzten fern , weil ich glaube , daß die meisten Patienten eher verstümmelt werden , als daß ihnen geholfen wird. Die Ärztin meiner Mutter hat ihr jahrelang ausschließlich nur irgendwelche Medikamente verschrieben. Von sinnlosen Blutdrucksenkern bis Cholesterinsenkern und alles mögliche. Anstatt meiner Mutter mehr Bewegung zu empfehlen oder Nichtrauchertraining oder eine gesunde Lebensweise , nur Scheiße-teure Medikamente. Natürlich hat sie auch selber Schuld , weil sie erstens so lebt und zweitens anstatt selbst ihr Schicksal in die Hand zu nehmen , den dreckigen Pillen vertraut hat und ihrer Ärztin. Nun wurde ihr letztes Jahr ein Bein amputiert und das andere kommt wohl auch bald dran. Ich denke , so hart es dennoch klingt , daß eben jeder sich selber sein eigenes Grab schaufelt , sei es dadurch , daß jeder sich die Kontakte selber aussucht , für deren Folgen er selber verantwortlich ist. Ich wünsche dir viel Kraft und auch die Selbsterkenntnis , daß es am Ende wichtig ist , dahin zu kommen , einzusehen , daß alles , was einem passiert , man selber die Ursachen geschaffen hat. Das klingt erstmal theoretisch , aber die Ursache außerhalb von sich zu suchen , damit hat man oft mit Rachegefühlen zu kämpfen oder Wut und Haß. Nimmt man sein eigens Leben als selbstverursacht an , entsteht bald Frieden mit einem selbst. Das ist auch nicht einfach , aber es lohnt sich , dahin zu gelangen. Alles Gute für dich. -
AnnaHochberg
Freitag, 18.05.2012, 14:04 Uhr Das mag für manche Arten von Kopfschmerzen gelten, nicht aber für kaum beherrschbare Schmerzen, wie sie bei Durchbruchschmerzen entstehen. Ich wurde durch Schlamperei von Ärzten regelrecht verstümmelt. Nach mehr als 40 Operationen bekomme ich Schmerzen, die ausschließlich mit Fentanyl in den Griff zu bekommen sind. Ein Schmerztherapeut hat mir vorgeschlagen, ich könne mich zur Ablenkung doch mit Freunden treffen,ein wenig Sport treiben.... Wenn ich eine solche Schmerzattacke bekomme, kann ich nicht mehr laufen, nicht mehr stehen, häufig verliere ich das Bewußtsein. Frage des Therapeuten: Was machen Sie, wenn der Schmerz - zu Grunde gelegt eine Skala von 1 - 10 - die 10 erreicht? Antwort: Ich lege mich hin und weine. Die Antwort gefiel ihm nicht. Er wollte eine, die in seiner Vorlage vorgeschrieben ist. Ich wünsche jedem Arzt, Forscher usw., der die Meinung vertritt, Schmerzen seien durch Ablenkung zu lindern, einen einzigen Tag lang die Schmerzen, wie ich sie durch das Verschulden von Ärzten seit Jahren Tag für Tag aushalten muss. Warum kann die Schlagzeile nicht ein weniger bescheidener ausfallen? " Manche Schmerzen können durch bestimmte Verhaltensweisen beeinflusst werden?" Nein, alles oder nichts. Wollen die fraglichen Ärzte einen sterbenden Krebspatienten ermunternd, er möge doch ein bißchen fröhlich sein, sich positive Gedanken machen, damit seine mörderischen Schmerzen verschwinden? Gute Schmerzmittel sind teuer. Eine Wochenration kostet mehr als EUR 360.-. Da beginnen die Hausärzte zu mauern, weil es ihr Budget belastet. Der Kranke muß dann vor dem Sozialgericht gegen die Krankenkasse sein Recht auf ein würdevolles Leben einklagen, denn die Krankenkasse haben Geld für bombastische Werbekampagnen, für wahnsinnige Gehälter der Vorstände (obwohl die überhaupt kein Risiko tragen). Es ist wie immer: In einem der reichsten Länder der Welt wird bei denen geknausert, die sich (meistens) nicht helfen können. Unser Krankenkassensystem finanziert sinnlose Therapien. Für Schmerzpatienten wird das Budget zusammengestrichen - es sei denn, man ist privat versichert. Dann sieht die Sache gleich anders aus. Dann werden die Kosten anstandslos übernommen. -
Samsara425
Freitag, 18.05.2012, 13:56 Uhr Sex bei Migräne ? Weiß nicht. Habe es eher umgekehrt gehört. Daß Migräne ein Orgasmus (unkontrolliert) im Kopf ist und Menschen , die Migräne haben , da hat man rausgefunden , daß die sehr beziehungslastig und sexlastig seien. Aber jeder Orgasmus ist ja im Kopf. Ich glaube , Sex macht nicht wirklich glücklich oder schmerzfrei. Aber trotzdem wünsche ich guten Sex. -
Samsara425
Freitag, 18.05.2012, 13:52 Uhr Ja , doch ,klar, Buddhisten und Yogis wissen und praktizieren das seit Jahrtausenden. Nur damit , eben ohne Pille , läßt sich nicht so gut Kohle mahen. Stellt euch vor , jeder würde sich selbst heilen mit dem alten Wissen. Aber das kann nicht jeder und will auch nicht jeder , weil Pille einwerfen ist eben doch bequemer , aber hilft nur kurzfristig , wird in manchen Fällen sogar schlimmer (Abhängigkeit und Nebenwirkungen). -
unbenannt1
Freitag, 18.05.2012, 13:11 Uhr ..wenn schon warum heilt SEX nicht gegen Kopfschmerzen obwohl es die beste Ablenkung ist... Es geht in dem Artikel nicht um heilen Trotzdem Bei Migräne kann Sex helfen: http://www.paradisi.de/Health_und_Ernaehrung/Erkrankungen/Migraene/News/9286.php -
traumland26
Freitag, 18.05.2012, 12:52 Uhr @sonderzeichen7: Das ist ein alter Hut: Natürlich hilft Ablenkung und Beschäftigung generell, insbesondere gegen Schmerzen. Ich erlebe immer wieder, dass Menschen, die (plötzlich) nichts mehr zu tun haben - oder sich nicht selbst beschäftigen können, häufig über Schmerzen aller Art klagen, und in vielen Fällen auch dann erst krank werden. Und für jedes Zipperlein die Pharmakeule ist gefährlich (aber die Pharmaindustrie muss schließlich auch leben-:))
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