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13.06.2012, 10:14 Uhr

"Männerherzen reagieren anders"

Fußballschauen kann lebensgefährlich sein. Denn der emotionale Stress erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme, vor allem bei Männern. Frau PD Dr. Ute Elisabeth Wilbert-Lampen ist Internistin und Oberärztin am Klinikum der Universität München Klinikum Großhadern. Im Interview verrät sie, ob Männer mit schwachen Herzen überhaupt "EM-tauglich" sind.

Frau Dr. Wilbert-Lampen*, müssen Männer nach einem nervenaufreibenden Fußballspiel damit rechnen, im Krankenhaus zu landen?

Das ist vielleicht etwas übertrieben. Aber in unserer Studie von 2008 haben wir tatsächlich herausgefunden, dass bei der Fußball-WM 2006 an den Spieltagen der Nationalmannschaft die Zahl von Herzinfarkten und Herzrhythmusstörungen bei Männern fast dreimal so hoch war wie normalerweise. Frauen hatten dagegen nur ein doppelt so hohes Risiko.

Regen sich Männer mehr auf, wenn sie mit der Nationalelf mitfiebern?

Ein spannendes Fußballspiel zu verfolgen bedeutet für den Körper Stress. Wie sehr man sich in die Aufregung hinein steigert, spielt natürlich eine Rolle. Offenbar gibt es aber auch einen Unterschied, wie der Körper von Männern und Frauen auf solche Stresssituationen reagiert.

Was passiert da im Körper?

Wir haben das Blut der Patienten analysiert, die nach den WM-Spielen 2006 einen Herzinfarkt erlitten hatten. Wir haben herausgefunden, dass bei den Patienten, die einen Herzinfarkt im Rahmen eines Fußballspieles der Deutschen Mannschaft  erlitten haben, die körpereigene Substanz Endothelin-1, die schädlich auf die Zellen der Blutgefäße wirkt, vermehrt gebildet wird. Bei Patienten, die hingegen einen Herzinfarkt bekamen ohne vorherige Stresseinwirkung war der Wert im Blut deutlich geringer. Ob es hierbei einen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt, wird aktuell von uns untersucht.

Sollten Männer also lieber keinen Fußball gucken?

Das darf und sollte man keinem verbieten. Aber zwei Dinge sind wichtig: Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass vor allem Männer mit einer Vorerkrankung des Herzens besonders gefährdet sind. Wer zu dieser Gruppe gehört, sollte vorher am besten noch einmal zum Arzt gehen. Er sollte sich gründlich durchchecken lassen und prüfen, ob er die richtigen Medikamente in der richtigen Dosis nimmt.

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Und was ist Ihr Tipp Nummer zwei?

Aufklärung! Sie ist das A und O. Die Leute müssen wissen, welche Anzeichen auf einen drohenden Herzinfarkt hindeuten. Ich bin immer wieder überrascht, dass viele Infarktpatienten gar nicht auf die Idee kommen, selbst die klassischen Symptome  mit einem Herzinfarkt in Zusammenhang zu bringen.

Wie erkenne ich denn, ob ein Herzinfarkt bevorsteht?

Das Hauptanzeichen sind natürlich Brustschmerzen, die in den linken Arm ausstrahlen. Daneben gibt es aber noch sogenannte atypische Beschwerden. Das können Schmerzen im Kiefer-, Hals- oder Rückenbereich sein, verbunden mit Schwitzen und Übelkeit. Auch wenn das Herz zu schnell oder unregelmäßig schlägt und den Leuten schwindlig wird, können das typische Vorboten eines drohenden Infarkts oder einer dadurch bedingten Herzrhythmusstörung sein.

Dann heißt es, schnell zu handeln.

Ja, es gibt diesen Spruch "Time is muscle". Das bedeutet: Bei Verdacht auf Herzinfarkt sollten Sie so schnell wie möglich ins Krankenhaus. Noch ist es so, dass die Hälfte der Herzinfarktpatienten nicht lebend im Krankenhaus ankommt. Wenn man allerdings schnell reagiert und fachkundige Hilfe erhält, hat man sehr gute Chancen wieder gesund zu werden.

Frau Dr. Wilbert-Lampen, wir danken Ihnen sehr herzlich für das Gespräch.

Das Interview führte Kathrin Rothfischer.

Zum Originalartikel bei Netdoktor.de

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von NetDoktor.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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Alle News vom: 13. Juni 2012 Zur Übersicht: Gesundheit

10 Meinungen zu "Herzinfarkt beim Länderspiel"

  • CiC
    Mittwoch, 13.06.2012, 17:29 Uhr
    Man kann auch nen Herzkasper kriegen, wenn man sich über andere Sachen aufregt. Beliebtes Thema z.B. Politik. Oder man kriegt beim Freizeitsport nen Anfall. Oder beim Sex. Oder beim Autofahren (wegen den waghalsigen Aktionen der anderen Verkehrsteilnehmer). Oder... Fazit: Am besten wir sitzen den ganzen Tag nur noch aufm Sofa. Dann kann nix passieren. Es sei denn, es läuf Fussball. ;-)
  • Scottie85
    Mittwoch, 13.06.2012, 16:13 Uhr
    Lasst doch den Kindern ihr Spielzeug. Mit den tödlichen Autounfällen bei den Fanrundfahrten halte ich für ein Gerücht. Wenn ich da mal mit dem Rad dran vorbei bin waren die gar nicht schnell genug um tödlich zu sein. Das einzig nervtötende sind diese Plastiktröten, die man sich seit Südafrika eingetreten hat -.- Die sind so unnötig wie ein Kropf. Bin nun auch nicht der, der da groß in Euphorie verfällt. Aber mal ein gutes Fußballspiel auf taktisch hohem Niveau, ein paar gute Freunde und ein Bierchen, das macht auch mal Spaß. Jeder hat seins. Also lasst den anderen ihres.
  • intressiertnich
    Mittwoch, 13.06.2012, 16:10 Uhr
    da reg ich mich auf der A9 mehr über Mitelspur- und Linksschleicher auf, vor allem wenn die Autobahn wieder frei wäre, wenn die Deppen sich mal rüber machen würden!
  • brv1848
    Mittwoch, 13.06.2012, 16:00 Uhr
    Frau PD Dr. Ute Elisabeth Wilbert-Lampen......mit dem Namen kann man ja schon ein halbes Stadion füllen....
  • basti99885
    Mittwoch, 13.06.2012, 15:28 Uhr
    Und da haben wir den eigentlichen Grund, warum alle ueber das 1:0 gemeckert haben. Klappen reihenweise zusammen wenns im Leben mal ne viertel Stunde spannend wird :D Ich wuerde mal ein bisschen Selbstdisziplin vorschlagen! Und das nicht so ernst zu sehen. Frau PD Dr. Ute Elisabeth Wilbert-Lampen Bei dem Namen wuerde ich glaub ich nen Lachkrampf kriegen, wenn sie sich mir so vorstellen wuerde :D @Syngenor: Lass ma gut sein, ja? Wenn wem danach ist und auf die 3 dutzend Fälle. Die klappen bei jeder Kleinigkeit zusammen... ;)
  • Pulverkurtchen
    Mittwoch, 13.06.2012, 15:21 Uhr
    Wie kann man sich über diesen Proletensport aufregen?
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