Deutsche sind gesund und haben doch Angst, krank zu werden
"Gesundheitsängste sind Ängste davor, die Kontrolle über die eigene Gesundheit zu verlieren", berichtet Hoefert. "Die Menschen haben Angst davor, die bisherige Gesundheit trotz aller Bemühungen nicht auf Dauer erhalten zu können oder bei wirklich schweren Krankheiten abhängig von Anderen zu werden."
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Die Krebs-Angst rangiert dabei an erster Stelle, obwohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infektionskrankheiten die häufigsten Todesursachen sind und Krebs erst an dritter Stelle folgt. Warum die Menschen dennoch mehr Angst vor Krebs haben, erläutert Hoefert so: "In der Angst vor Krebs spiegelt sich die Möglichkeit des Kontrollverlusts besonders deutlich wider." Schließlich lauert die Krankheit im Hintergrund. Sie ist aggressiv und zerstörend. Damit bedroht sie "nicht nur die physischen, sondern auch die sozialen Lebensgrundlagen" des Patienten. Dem gesunden wie dem kranken Laien fällt es deshalb schwer, Krebs lediglich als regelwidriges Zellwachstum zu betrachten. Dabei ist die Sterblichkeit bei bösartigen Tumorleiden tendenziell rückläufig und wird allgemein überschätzt.
Hoefert hält viele Gesundheitsängste wie die große Angst vor Krebs für unbegründet. "Die Tatsache, dass wir alle im Laufe des letzten Jahrhunderts eine höhere Lebenserwartung gewonnen haben, länger fit und gesund sind und die Medizin relativ erfolgreich ist, sollte eigentlich optimistisch stimmen." Realistisch sind dagegen Gesundheitsängste im Hinblick auf stressbedingte Krankheiten wie Magen-Darm- Erkrankungen und diejenigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zum großen Teil auf eine ungesunde Lebensweise mit zu fettem Essen und zu wenig Bewegung zurückzuführen sind.
Den Grund für die Gesundheitsängste sieht Hoefert deshalb nicht in der wirklichen Bedrohung durch Krankheiten, sondern in der "Entfremdung" des eigenen Körpers von sich selbst. "Nicht zuletzt durch die Medien wird ein vorzeigbarer, gesunder Körper zum Bewertungsmaßstab für die Wertschätzung eines Menschen", betont der Hochschullehrer. Ein guter Body-Mass-Index, gute Blutfettwerte oder generell Schlankheit würden mit Gesundheit gleichgesetzt. "Das Bedürfnis, sich so weit wie möglich an solche Gesundheitsnormen anzupassen, kann krankhafte Züge annehmen." Oft sind die Menschen dann so fixiert auf die erhobenen Werte, dass sie die natürliche Bandbreite dieser Werte nicht mehr beachten und vorschnell schlussfolgern, dass etwas mit ihrem eigenen Körper "nicht in Ordnung" ist.
Gerade diese Sorge kann zum Problem werden. Hoefert: "Beständiges Besorgtsein - aus welchem Grund auch immer - kann nicht nur die Lebensqualität beeinträchtigen, sondern zu ernsthaften organischen Auswirkungen beitragen. Besonders empfänglich dafür ist der Magen-Darm-Bereich, die Haut und das Herz-Kreislauf-System."
Allen ständig Besorgten rät Hoefert, dem Körper auch eine eigene Reparaturfähigkeit zuzutrauen. "Natürlich sollte man keineswegs irgendwelche Symptome übersehen, aber, wenn sie nicht dramatisch sind, kann der Betroffene erst einmal abwarten, ob sich nicht eine Besserung von selbst einstellt."
Tauchen Ängste bereits bei harmlosen Körpererscheinungen und vor allem dauerhaft auf, empfiehlt der Psychologe eine kognitive Verhaltenstherapie. "Die Patienten lernen dabei auch, dass sich Gesundheit nicht 'erzwingen' lässt, sondern ein wünschenswerter Zustand ist. Er stellt sich ein, wenn sie zumindest die wichtigsten Grundsätze einer gesunden Lebensführung beherzigen, nicht aber auf alle möglichen Normen für jede nur denkbare Körperfunktion fixiert sind."
Literaturtipp:
Hans-Wolfgang Hoefert, Christoph Klotter (Hrsg.): Gesundheitsängste, Pabst, Lengerich/Berlin 2012, 324 Seiten, 30 Euro, ISBN 978-3-89967-755-3
10 Meinungen zu "Angst vor dem Krankwerden"
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thisnamestaken
Donnerstag, 01.03.2012, 13:48 Uhr Zitat warteschleife: "Ich denke eher,die Zahl der Hypochonder nimmt zu." ---------------------------------------------------------------------- Wohl eher die Zahl der Menschen, die krank und panisch werden durch reißerische Medienberichterstattung. -
warteschleife
Mittwoch, 29.02.2012, 17:08 Uhr Ich denke eher,die Zahl der Hypochonder nimmt zu. -
c21423
Freitag, 24.02.2012, 16:56 Uhr Ich habe natürlich Angst krank zu werden,denn im Alter nehmen die Krankheiten zu. Mehrere Faktoren spielen hier eine Rolle,weil wir sie nur zum Teil beeinflussen können. Einflüsse durch die Lebensführung können wir beeinflussen aber es ist schwer mit dem täglichen Stress,der sich ebenfalls auf die Gesundheit und das Wohlbefinden auswirkt fertig zu werden. Stress macht krank,sowohl psychisch wie auch körperlich,denn beides geht auf die Abwehrkräfte,die der Körper als Schutz benötigt -
TrainingsSchule
Donnerstag, 23.02.2012, 17:49 Uhr Die Verwunderung, die hier in den Beiträgen zum Ausdruck kommt, weist in die richtige Richtung. Wenn man sich mit Wissenschaft auskennt, dann weiß man, dass man durch die Veränderung der Annahmen auch zu anderen Ergebnissen kommt. In diesem Fall bedeutet das, dass der schlaue Herr ... die zu Grunde gelegte Gesundheitsdefinition nach seinen Wünschen gestaltet hat - und schwupps, hat man die gewünschte Sensationsmeldung, an deren Ende man den eigenen Berufsstand dringend empfehlen kann. Diese selbstgestrickte Gesundheitsdefinition versucht er uns unterzujubeln: "Er stellt sich ein, wenn sie zumindest die wichtigsten Grundsätze einer gesunden Lebensführung beherzigen, nicht aber auf alle möglichen Normen für jede nur denkbare Körperfunktion fixiert sind." Das ist zwar nicht falsch, entspricht aber nicht den Gesundheitsdefinitionen, die den angesprochenen Studienaussagen zu Grunde liegen. Vielmehr führt diese Definition die beiden konträren Aussagen zusammen, wenn man sie stets verwenden würde. Wieso also im Kreis drehen, wenn es auch nach vorn gehen könnte? -
MollyMalone67
Dienstag, 21.02.2012, 10:58 Uhr @Abulon: "Nein...du hast völlig recht. Man hört nur von Krankheiten. Weshalb angeblich weniger Menschen krank sind, liegt daran, dass viele einfach nicht zum Arzt gehen, weil sie Angst haben, ihren Arbeitsplatz verlieren." Zustimmung. Und möglicherweise wird dieses Verhalten noch zunehmen. -
Grummel77
Dienstag, 21.02.2012, 08:02 Uhr Man muß sich nicht wundern. Wenn auf RTL2 die 99. Reportage über Krebskranke läuft oder die Leute so Sätze raushauen wie: "Der is mit Bauchschmerzen zum Arzt, eine Woche später war er tot." kann schonmal was hängenbleiben. Wie oft wird einem denn vorgepredigt, daß gerade Krebs im Anfangsstadium symptomlos verläuft und oft nur durch Zufall entdeckt wird? Und wenn man Krebskranke in der Familie hat, kann man eh drauf warten. Und überhaupt ist alles, von der Nahrung bis zur Luft die wir atmen, krebserregend. Mag sein, daß an vielem was dran ist. Aber das sind Infos, die ich nicht brauche. Ich muß nicht das jämmerliche Sterben eines Krebpatienten im Fernsehen verfolgen und ob ich nun, daß freie Radikale ständig an meinen Zellen knabbern oder nicht, macht für die Radikale keinen Unterschied. Wichtig zu wissen wäre: Es gibt Krebs, er kann tödlich sein, Vorsorge ist wichtig. -
neca86
Dienstag, 21.02.2012, 07:19 Uhr eulenspiegel, das wunderte mich auch... die kassen jammern, dass so viele krank sind...aber wir sind gesund wie lange nicht? seltsam, seltsam...
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