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07.02.2012, 18:09 Uhr

5 Dinge, die Sterbende am meisten bedauern in Kooperation mit WELT Online

Was bereuen wir, wenn unser Leben zu Ende geht? Die australische Palliativpflegerin Bronnie Ware hat darüber ein Buch geschrieben. Sie selbst will nur noch tun, was sie wirklich will, denn falsche Entscheidungen und Versäumnisse bewegen die Menschen in ihren letzten Stunden am meisten.

Von Nina Trentmann

Das, was all die anderen wollten - einen sicheren Job zum Beispiel, ein geregeltes Einkommen -, das wollte Bronnie Ware nie. Nach Jahren in einer Bank kündigt die damals Ende Zwanzigjährige ihre Stelle und zieht durch die Welt, macht erst Station auf einer Südseeinsel, wo sie in einer Bar arbeitet, dann in Surrey im Südosten Englands. Dort arbeitet die Australierin zum ersten Mal in dem Job, den sie für mehr als acht Jahre ausüben wird: Bronnie Ware wird Palliativpflegerin - für Todkranke, für Sterbende, für die, die ihren Tod kommen sehen, und die, die nichts davon wissen wollen.

Bronnie Ware begleitet ihre Patienten zu Hause in den Tod - und hört in den Wochen, Tagen und Stunden in den Gesprächen mit den Sterbenden stets dasselbe Bedauern und dieselben Vorwürfe: das Bedauern darüber, nicht das Leben gelebt zu haben, das sie sich gewünscht hatten. Reue angesichts der Entscheidungen, die man getroffen oder nicht getroffen hat. Vorwürfe gegenüber sich selbst, weil diese Erkenntnis erst kam, als es bereits zu spät war.

"Wenn sie sterben, kommt eine Menge Furcht und Ärger aus den Menschen heraus", sagt Bronnie Ware, "und dieses 'Ich wünschte, ich hätte ...', das kommt auch immer wieder." Darüber hat Bronnie Ware nun ein Buch geschrieben, "The Top Five Regrets of the Dying", übersetzt etwa "Die fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen".

Für sich selbst hat Bronnie Ware entschieden, dass sie nur noch das macht, was sie wirklich will. "Ich weiß ja, was ich sonst auf meinem Sterbebett bereue", sagt sie.

1. "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben"

Grace tut jahrzehntelang das, was von ihr erwartet wird: Sie heiratet, kriegt Kinder, opfert sich für ihren Mann und den Haushalt auf. Sie arrangiert sich mit ihrer Ehe und begehrt nicht auf, als ihr Ehemann sie tyrannisiert. Grace atmet auf, als ihr Mann in ein Pflegeheim eingewiesen wird: "Sie dachte, sie könnte danach ein neues Leben beginnen", schreibt Bronnie Ware in ihrem Buch. Doch innerhalb weniger Monate wird Grace todkrank. Sie hadert mit sich und ringt Bronnie, ihrer Pflegerin, das Versprechen ab, "sich niemals von jemandem von dem abbringen zu lassen, was du machen willst". Ware gibt ihr das Versprechen. Die alte Frau stirbt. "Das bedauern fast alle Menschen. Es gibt so viele Menschen, die durchs Leben gehen und die meiste Zeit Dinge tun, von denen sie glauben, dass andere sie von ihnen erwarten" , schreibt Ware.

2. "Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet"

Über 15 Jahre wartet Margaret darauf, dass ihr gut verdienender Mann endlich in Rente geht. Als er nach vielen Streitereien einwilligt, blüht Margaret förmlich auf und beginnt hastig mit den Planungen. All die Reisen, die sie all die Jahre zusammen machen wollten! Doch dazu kommt es nicht mehr, Margaret wird krank und stirbt. "Natürlich habe ich meine Arbeit geliebt", sagt John, als Bronnie Ware seine Pflegerin wird, "aber wofür? Das wirklich Wichtige - meine geliebte Margaret - habe ich aus den Augen verloren." Auch John bereut, dass er zu viel darauf gab, was sein Umfeld von ihm dachte, dass er zu viel auf seine Karriere gab. "Alle Männer, die ich gepflegt habe, haben das gesagt", sagt Bronnie Ware. "Fast alle haben zu viel gearbeitet und zu wenig gelebt - weil sie Angst hatten, nicht genug Geld zu verdienen, oder ihrer Karriere wegen."

3. "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken"

Jozsef, ein Überlebender des Holocaust, der nach dem Krieg mit seiner Frau nach Australien zieht, realisiert kurz vor seinem Tod, dass er seiner Familie nie all seine Gefühle gezeigt hat. "Ich hätte mir gewünscht, dass meine Familie mich wirklich gekannt hätte", sagt er zu Bronnie Ware. "Viele Menschen unterdrücken ihre Gefühle um des lieben Friedens willen", sagt die Pflegerin. "Das führt dazu, dass sich viele in einer mittelmäßigen Existenz einrichten und nie zu dem werden, was sie hätten sein können." Viele Krankheiten, die ihre Patienten über die Jahre entwickelten, rührten daher, glaubt sie.

4. "Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten"

Doris hat eine Tochter, zu der sie früher ein enges Verhältnis hatte, so eng, dass die alte Frau kurz vor ihrem Tod zu Bronnie Ware sagt: "Ich dachte, diese Nähe würde immer bleiben." "Aber das Leben und unsere Geschäftigkeit kamen dazwischen." Ähnlich ist es mit den Freundschaften der alten Dame, sie sind längst eingeschlafen, die Freunde von früher sind nicht mehr auffindbar. "Viele meiner Patienten bedauerten, dass sie nicht genügend Zeit in ihre Freundschaften investiert hatten", sagt Ware. "Jeder vermisst seine Freunde, wenn er stirbt."

5. "Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein"

Rosemary hat es zu einer der ersten weiblichen Managerinnen in ihrem Unternehmen gebracht, doch das Scheitern ihrer Ehe verwindet sie nicht. Bronnie Ware trifft eine verbitterte Frau, die erst wenige Tage vor ihrem Tod realisiert, dass Ware recht hat, wenn sie sagt: "Wir haben die Freiheit zu wählen." Diese Erkenntnis überrascht Bronnie zuerst. "Viele Patienten erkennen das erst zum Schluss. Sie stecken in alten Mustern und Gewohnheiten und dem Komfort der Gewohnheit."

Ware gibt die oft tragischen Begebenheiten mit den Sterbenden anrührend wieder. Zugegeben, nicht alle von ihnen hatten etwas, was sie bedauerten: "Es gab Menschen ohne Reue", sagt Ware, "die mit einem Lächeln im Gesicht starben." Sie ändert ihr Leben, als sie erkennt, dass es vor allem die späte Erkenntnis ist, die ihre Patienten unglücklich macht. "Rückblickend kann ich sagen, dass auch ich mich zu lange so verhalten habe, wie es von mir erwartet wurde", sagt sie und meint damit ihre frustrierenden Jahre in der Bank.

Die Australierin arbeitet heute wieder als Sängerin und Songschreiberin, sie gibt im Internet Kurse für Persönlichkeitstraining und schreibt einen Blog, "Inspiration und Chai". Sie hat vor wenigen Tagen ein Kind bekommen, ein Mädchen, Elena. Ware sitzt heute viel auf ihrer Veranda und hört den Vögeln zu: "Ich weiß, dass ich das machen muss, was ich will - denn wenn ich das nicht tue, weiß ich, was ich auf meinem Sterbebett bereuen werde."

© WELT Online

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584 Meinungen zu "Was wir vor dem Tod bedauern"

  • donca
    Donnerstag, 29.03.2012, 16:12 Uhr
    ;-)
  • donca
    Mittwoch, 22.02.2012, 09:15 Uhr
    Daumen positiv von mir ;-) Ich lebe mit Jesus/ Gott das neue Leben das er verheißt..... Das kann man nur selber erfahren. Es ist meine Entscheidung wem ich vertrauen will oder was ich als meine Lebensbasis betrachte! bei einem (säkularem) Seminar über Sterbebegleitung hat der Redner empfohlen dem Patienten das als Begleitung zu geben was er im Leben schon schön fand bzw was ihm wichtig war. Ich stelle mir mal vor dem war zB Rockmusik total wichtig.......
  • AJShearer
    Dienstag, 21.02.2012, 13:07 Uhr
    "einfach nur Daumen runter reicht mir nicht - wo bleibt der Beweis für die Nichtexistenz Gottes??????? - Ihr fordert doch von uns auch den Beweis für seine Existenz und da wir diesen nicht liefern, nehmt Ihr uns und die Bibel nicht ernst " Von mir gabs keinen Daumen runter - Daumen vergebe ich generell nicht - aber antworten tu ich gerne: Nichtexistenz ist per se nicht beweisbar. Ein paar Argumente, warum ich annehme, dass es keinen Gott gibt, könnte ich schon nennen, aber du könntest immer ein Schlupfloch für deinen Gott finden. In der Beweispflicht stehen unter anderem deshalb immer diejenigen, die von der Existenz der umstrittenen Sache ausgehen. Ansonsten müsste man ja auch an alles glauben: Kannst du mir beweisen, dass es Zeus nicht gibt? Sonst musst du anerkennen dass er existiert!!! Kannst du beweisen, dass ich keine Elfen im Garten habe? Sonst darfst du nicht daran zweifeln!!!
  • donca
    Dienstag, 21.02.2012, 11:32 Uhr
    """...Beweis für die Nichtexistenz Gottes...""" Die Sonne scheint über die guten und bösen.... Mt 5,44-45 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, ... 45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.
  • oberschlauberger
    Freitag, 17.02.2012, 13:32 Uhr
    einfach nur Daumen runter reicht mir nicht - wo bleibt der Beweis für die Nichtexistenz Gottes??????? - Ihr fordert doch von uns auch den Beweis für seine Existenz und da wir diesen nicht liefern, nehmt Ihr uns und die Bibel nicht ernst Auf diesen meinen Kommentar wünsche ich mir ernsthafte Zuschriften von Menschen die nicht glauben, dass es einen Gott gibt !!! Ganz ehrlich gemeint - interessiert mich wirklich !!! PS: mindestens von denen 6, die dafür den Daumen runter angeklickt haben
  • donca
    Montag, 13.02.2012, 11:24 Uhr
    @Elkamo http://meinungen.gmx.net/forum-gmx/post/14326980?sp=462#jump """"....Ich habe den Eindruck, dass bei Bibelschwätzern vor lauter Sprüche im Kopf kein Platz mehr für menschliches Mitgefühl und menschliches Denken ist, sonst müssten sie wissen, wieviele Menschen noch nicht einmal genug zum Essen haben, geschweige denn überhaupt eine Bibel. Denen vergeht die freudige Erkenntnis: "Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn"....."""" ;-) Ist die Reihenfolge Essen / Bibel absichtlich so gewählt? ;-) jelidi andreas
  • CAD65
    Montag, 13.02.2012, 10:31 Uhr
    Ich liebe Meinungen wie "alles ist vorherbestimmt"! Habt ihr überhaupt nix gelernt ??? Das sind doch original mittelalterliche Kirchensprüche. Ist das Hinterteil erst in Bewegung, geht's dahin, wo a) die Trägheit oder b) der neue Impuls es hintreiben!
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