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03.02.2012, 07:19 Uhr

Sucht durch Gehirnveränderung

Washington/Cambridge (dpa) - Drogenabhängige und ihre gesunden Geschwister haben Veränderungen im Gehirn und Schwierigkeiten bei der Kontrolle von Impulsen. Forscher der britischen Universität Cambridge sehen darin Hinweise, dass solche Anomalitäten anfällig für eine Drogensucht machen.

"Wir gehen davon aus, dass es Gehirnveränderungen gibt, die den Drogen ein leichtes Spiel ermöglichen", sagte die deutsche Psychologin Karen Ersche, die seit zehn Jahren in Cambridge arbeitet, der Nachrichtenagentur dpa. "Die brennende Frage ist: Was hat die Geschwister beschützt, die nicht krank wurden?" Ihr Team berichtet über die Untersuchung im US-Fachjournal "Science".

Für die Studie untersuchten die Forscher 50 Geschwisterpaare - je ein Proband eines Paares war gesund, der andere drogenabhängig. Die Experten verglichen diese Teilnehmer mit 50 gesunden Menschen, die ähnlich alt und intelligent waren. "Die Geschwisterpaare hatten es in der Kindheit schon schwieriger als die Vergleichspersonen, sie hatten beispielsweise häufiger mit häuslicher Gewalt zu kämpfen."

Ersche und Kollegen interessierten sich vor allem für die Abhängigkeit von Stimulanzien wie Kokain oder Amphetamine. "Diese machen vergleichsweise schnell abhängig. Das Risiko ist achtfach höher, wenn es bereits Drogen- oder Alkoholabhängigkeit in der Familie gibt." Das sei ein Hinweis auf eine erbliche Komponente, ohne dass man bislang ein Gen für Suchtgefährdung gefunden habe.

Die Forscher machten Aufnahmen mit einem Hirnscanner und führten psychologische Tests durch. "Die Geschwisterpaare, von denen einer erkrankt war, hatten Schwierigkeiten bei der Kontrolle von Impulsen." Die Teilnehmer mussten am Computer Aufgaben lösen und sollten nach einer Ansage stoppen. Bei den Geschwisterpaaren dauerte es laut Ersche viel länger als bei den gesunden Vergleichsprobanden, bis der Befehl "vom Gehirn in der Hand ankam" und sie nicht weiterklickten.

"Die Schwierigkeiten bei der Impulskontrolle spiegelten sich in der weißen Substanz des Gehirns wieder, also in den Nervenverbindungen", sagte Ersche. "Die Nervenverbindungen im Frontalhirn waren weniger effizient als bei den Probanden aus der Vergleichsgruppe, die Geschwister waren sozusagen schlechter verkabelt." Das sei bedeutsam, weil das Frontalhirn für die zielgerichtete Kontrolle menschlichen Handelns zuständig sei.

"Außerdem fanden wir ein vergrößertes Putamen, das ist eine Hirnregion, die für die Gewohnheitsbildung wichtig ist. Ist es eine gute Angewohnheit, dann ist das von Vorteil. Handelt es sich aber um eine schlechte Angewohnheit wie Drogenkonsum, der außer Kontrolle gerät, dann wird es kritisch." Auch andere Hirnregionen waren bei den Geschwistern im Vergleich zur Kontrollgruppe größer oder kleiner.

Dass Drogenabhängige Veränderungen im Gehirn haben, ist nicht neu. Unklar war jedoch, ob die Anomalien vor dem Drogenkonsum oder durch den Drogenkonsum entstanden. Für beides fand das Team Belege. Die Wissenschaftler wollen sich nun intensiver mit gesunden Geschwistern von Drogensüchtigen befassen. "Sie hatten ja ähnliche Anomalitäten im Gehirn wie ihre drogenabhängigen Geschwister und Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle. Wie managen diese Menschen ihr Leben?" Aus diesen Erkenntnissen könnten vielleicht neue Therapien entstehen.

Autoren eines Begleitkommentars sehen in den Hirnveränderungen einen "potenziellen Biomarker". Möglicherweise könnten Interventionen bei Kindern und Jugendlichen zur Selbstkontrolle diese Veränderungen beeinflussen. Dafür sei jedoch weitere Forschung notwendig, schreiben Nora Volkow und Ruben Baler vom National Institute on Drug Abuse in Rockville, der US-Behörde zur Bekämpfung von Suchterkrankungen.

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68 Meinungen zu "Sucht durch Gehirnveränderung"

  • Fatthough
    Freitag, 10.02.2012, 13:44 Uhr
    Hab mich schon oft gefragt wies meine Schwester schaft ohne Drogen. Nicht nur ich sondern auch ihr Freund sowie die Kollegen konsumieren.... Bin gespannt auf das Resultat
  • benutzer
    Dienstag, 07.02.2012, 13:31 Uhr
    wer harte drogen konsumiert, hatte vorher schon kein gehirn...
  • 132leorobi
    Sonntag, 05.02.2012, 16:58 Uhr
    jede sucht ist gleich. bei jeder art von sucht gibt es gehrinveränderungen. deshalb sollte man versuchen sucht frei zu leben. vorsicht man kann alles zur sucht machen nur die stoffliche süchte sind noch schneller. sucht = krankheit = man kann es nicht mehr sebstbestimmt lassen. man muss in die sucht. da hilft nur ein sucht-arzt. die meiste ärzte haben davon keine ahnung.
  • zennube
    Sonntag, 05.02.2012, 15:40 Uhr
    Lese gerade ein echt fettes Buch über die Entschlüsselung der Gene. Es hat sich relativ bald herausgestellt in den 80ern dass es eine genetische Vorbelastug und einen zweiten Grund für einen Ausbruch einer Erbkrankheit braucht. oder zwei mal genetisch vorbelastet. Im letzteren Fall ist dieser Mensch ein wirklich armes Wesen denn dann ha er keine Chanse. Es gelten die Mendelschen Erbgesetze immer noch. Suchtverhalten wird aber mal eine echt schlimme Sache werden wenn ein bestimmtes Gen dafür dingfest gemacht werden kann.
  • Schokokringel
    Freitag, 03.02.2012, 16:16 Uhr
    Und wenn Dein Leben sooo schön ist dann würde ich es ja mal leben und nicht hier unrelevante Postings hinterlassen.
  • Schokokringel
    Freitag, 03.02.2012, 16:15 Uhr
    Hummel, ich hab Deine Meinung vernommen und sie geht mir sonst wo vorbei. Du könntest dann jemand anders nerven.
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