Ein Leben ohne Hoffnung
Das Thema Depressionen ist seit einiger Zeit in aller Munde, woran kann das liegen?
In den letzten zehn Jahren wurde viel dafür getan, dass psychische Erkrankungen stärker thematisiert wurden. Und dabei ist die Erkrankung Depression die salonfähigste. Das liegt auch daran, dass jeder ein bisschen nachvollziehen kann, wie es ist, Depressionen zu haben. Ein Gefühl von Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit, kennt man einfach.
Eine erhöhte Aufmerksamkeit ist das eine, aber wie es scheint, haben die Erkrankungen auch zugenommen?
Das stimmt, aber wir haben es momentan mit einer Welle zu tun, die vieles einschließt. Wenn man sich Begriffe wie "Burn Out" ansieht, dann ist man in einem wachsweichen Bereich, zwischen Depression oder Lebenskrise und Erschöpfungszustand. Das macht auch die Steigerung der Zahlen aus. Deswegen muss man unterscheiden, ob man Depression als Krankheitszustand im engeren Sinne meint.
Wann genau spricht man also von einer Depression?
Depression als Krankheit ist dann behandlungsbedürftig, wenn verschiedene Symptome über mindestens zwei bis vier Wochen anhalten und jeden Tag und in allen Lebensbereichen auftreten - also nicht nur im Beruf, sondern auch im privaten Bereich und dieser Zustand mindestens die Hälfte des Tages beeinträchtigt. Neben der zeitlichen Komponente muss man noch analysieren, wie stark die Symptome auftreten. Dabei gibt es drei Kernsymptome: Eine nicht objektive Hoffnungslosigkeit, ein depressives Grundgefühl - selbst positive Dinge können nicht mehr positiv gesehen werden - und ein psychisches und physisches Erschöpfungsgefühl.
Können neben dem Schwächezustand weitere körperliche Symptome auftreten?
Natürlich, häufig hat man mit Einschränkungen im Denkvermögen zu kämpfen, also Konzentrationsschwierigkeiten. Oft leiden Patentien an Appetitverlust oder auch Appetitsteigerung. Schlafprobleme treten ebenfalls sehr häufig auf.
Wie kann man sich den Beginn eines typischen Krankheitsverlaufs vorstellen?
Die meisten Depressionen verlaufen in bestimmen Phasen. Das heißt, nach einer Phase können auch alle Symptome auf einmal wieder verschwinden. Was aber nicht heißt, dass man jetzt geheilt ist und nie wieder etwas aufritt. Ganz im Gegenteil, und das ist auch die Gefahr dabei: Man muss davon ausgehen, dass bei über der Hälfte der Erkrankten, also denjenigen die mal eine solche Phase erlebt haben, wieder Symptome auftreten werden.
Also kann man nach einer bestimmten Zeit ohne Krankheitssymptome nicht von einer Heilung sprechen?
Ja, es gibt Patienten, die haben nach über einem Jahrzehnt wieder die auftretenden Merkmale. Deswegen sollte man auch nicht abwarten und hoffen, dass es von alleine schon besser wird. Depressionen sind eine ganz ambivalente Krankheit. Einerseits weiß man, dass man Hilfe braucht, auf der anderen Seite kommt man - je länger es dauert - in einen Zustand der Hoffnungslosigkeit und denkt, dass ja alles eh keinen Sinn macht. Deswegen muss so früh wie möglich fachliche Hilfe hinzugezogen werden.
Oft spricht man ja von Depressionen durch Stress. Ist die Krankheit aber auch vererbbar?
Da man von einer Erkrankung spricht, müssen wir davon ausgehen, dass auch eine genetische Veranlagung vorhanden ist. Die Wahrscheinlichkeit unter Depressionen zu leiden, wenn ein- oder beide Elternteile erkrankt sind, steigt deutlich an.
Was gibt es nun für Behandlungsmöglichkeiten und wie lange dauert eine typische Behandlung?
Sollte ein Patient von einer ersten Phase betroffen sein, muss man davon ausgehen, dass diese Phase mindestens ein halbes Jahr anhält. So lange sollte auch mindestens die Behandlung mit Medikamenten und einer Therapie dauern. Optimal ist, wenn der Patient danach noch weiter therapeutisch begleitet wird, so dass wir von einer Behandlungsdauer, bei einer Ersterkrankung, von einem Jahr sprechen.
Inwiefern treffen diese ganzen Kriterien auch auf die "Modekrankheit" "Burn Out" zu?
"Burn Out" ist streng genommen gar keine Diagnose, sondern eine Zustandsbeschreibung. Deswegen kann daraus auch keine konkrete Handlungsempfehlung entstehen. Ein "Burn Out" ist ein Zustand der totalen Erschöpfung. Ob es dann eine Depression ist oder nicht, diese Entscheidung erfolgt im Einzelfall. Der Begriff "Burn Out" wird im Volksmund zu lapidar und oft als Synonym für alle möglichen Erschöpfungszustände, Angststörungen und klassischen Stresssituationen verwendet.
Hat der Begriff "Burn Out" aber nicht auch zu einer höheren Aufmerksamkeit und Akzeptanz in der Bevölkerung geführt?
Es ist Fluch und Segen. Fluch für die Menschen, die ernsthaft psychisch erkrankt sind, weil sie dann womöglich nicht mehr so ernst genommen werden. Auf der anderen Seite ist es ein Türöffner, um überhaupt mal psychische Erkrankungen und Belastungen ins Gespräch zu bringen.
Immer häufiger sind Depressionen der Grund für Krankschreibungen. Wie geht man denn mit seinem Kollegen um, wenn dieser an den Arbeitsplatz zurückkehrt?
Also nach einer wahrscheinlich längeren Phase der Krankschreibung, sollte der Patient eigentlich wieder voll in den Arbeitsalltag integriert werden. Zwar unter der Berücksichtigung, dass eine Krankheit vorliegt, trotzdem sollte er nicht ausgeschlossen werden. Das muss natürlich ganz genau analysiert werden in welchen Umfang. Am besten lässt sich sowas in einem ganz offenen Team-Gespräch klären.
Und im Privatleben? Geht man da genauso vor?
Das ist mit der Arbeitswelt absolut vergleichbar. Auch hier besteht die Kunst darin, einen Mittelweg zwischen Unter- und Überforderung zu finden, was natürlich sehr schwierig ist. Es ist aber auf keinen Fall hilfreich, dem Betroffenen alles abnehmen zu wollen - das isoliert nur noch viel mehr.
Gibt es denn überhaupt eine Möglichkeit, sich gegen Depressionen zu schützen?
Da gibt es eine ganz einfache Regel: Grundsätzlich sollte man einfach Tätigkeiten ausüben, die einem gut tun. Bei dem einen ist es Yoga, bei dem anderen ist es Skifahren oder Tischtennis. Man muss ehrlich zu sich sein und eingestehen, wenn einen manche Dinge zu stark belasten oder man sie einfach nicht kann, zum Beispiel in der Arbeit.
84 Meinungen zu "Ein Leben ohne Hoffnung"
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Fledermausi
Samstag, 21.04.2012, 17:48 Uhr LZ -
duplexagon
Sonntag, 18.03.2012, 17:11 Uhr heureka47: Dein Artikel kommt sehr esoterisch rüber. Darauf reagieren manche allärgisch. Zumal man meinen könnte, du beschreibst Wunderheilungen, darauf reagieren noch mehr allärgisch. Nur, Psychologen können sich aber leider nicht immer auf die Menschen verlassen, an denen es anscheinend nur selbst liegt, ihre Depressionen zu heilen, falls dies denn möglich ist, ich meine, es gibt sicher die einigen sehr wenigen Menschen, die sich selbst heilen (bzw. ihre Depression selbst bekämpfen) können, aber es gibt sicher auch sehr viele, die sehr viel Hilfe brauchen und es einfach nicht alleine schaffen. Selbstheilung einer Depression, ohne Medikamente oder Hilfsmittel ist praktisch nur eine Theorie, mit Medikamenten zwar auch mehr oder weniger, doch sieht man Tatsachen (die aber auch nicht lange anhalten bzw. nur oberflächlich sind, des öfteren). Ein langer, steiniger Weg, meißtens. Wenn man eine Depression bekämpfen will. Ob man da nun immer Medikamente braucht, oder nie, sei dahingestellt, aber klar ist, man muss selbst was dafür tuen, das ist richtig - aber das geht nicht immer alleine und nicht immer ohne Medikamente. Meine ich mal. Aber wenn man Depressionen hat und der Psychologe einem sagt, man bekommt keine Medikamente und man soll doch in sich gehen und sein Chi suchen, oder mehren, bzw. sie sollen auf eine höheren Bewusstseinsebene gelangen in dem sie Meditieren oder was auch immer, dann zeigen die meißten wohl dem Psychologen eher den Vogel und suchen sich einen anderen. -
heureka47
Dienstag, 13.03.2012, 13:25 Uhr Auch in diesem Beitrag - wie in den allermeisten anderen über Depression / psychische Störungen / Erkrankungen zeigt sich die Schwäche des wissenschaftlichen Weltbildes, welches weder die tieferen Ursachen erkennt noch entsprechende Wege zur grundlegenden Heilung aufzeigen kann oder zutreffende, wirksame, Maßnahmen zur Prävention, zur völligen Vermeidung solcher Störungen / Erkrankungen. Denn das wissenschaftliche Weltbild ist unnatürlich und - lebensgefährlich! - begrenzt auf den GROBstofflich-materiellen Teil des Lebens / Seins und blendet den anderen Teil, den FEIN-stofflich-geist-energetischen aus. Genau DORT aber liegen die tieferen Ursachen für ALLE psychischen Störungen / Erkrankungen. Auf die Wissenschaft verläßt sich aber die Politik ebenso wie die Schulmedizin, das offizielle Gesundheitssystem und auch die Justiz und andere Entscheider in der Gesellschaft. Ein fataler Fehler! Eine Petition, die dem Deutschen Bundestag dazu eingereicht wurde, ist - mit fadenscheiniger Begründung - abschlägig beschieden worden, nämlich mit der Begründung, dass die "wissenschaftlichen Fachgesellschaften" damit befassen würden. Was sie aber in Wahrheit nicht tun! Folglich wird das Grundproblem, dessen Erkenntnis die grundlegende Heilung und zukünftige Vermeidung der meisten psychischen Störungen / Erkrankungen ermöglichen würde, ignoriert! Zum Schaden von vielen Millionen Menschen. DAS ist die bittere Wahrheit über die Wissenschaft, die Politik und über alle anderen, die auf deren/dieser Grundlagen arbeiten. Psychiater / Wissenschaftler haben sich im November 2011 in Heidelberg gegenüber den Zunahmen bei den psychischen Störungen / Erkrankungen für "machtlos" erklärt. Die Frage ist: WAS wird jetzt getan, um dieser Epidemie / Pandemie Herr zu werden, sie einzudämmen, zu begrenzen, bzw. die Entwicklung umzukehren und das Phänomen "psychische und psychosomatische Störungen / Erkrankungen" zu vermindern?? Alle psychischen Störungen / Erkrankungen sind wahrhaft / grundlegend / nachhaltig HEILBAR! Selbst "schwere" Störungen, "schwere" Fälle sind heilbar - ohne Medikamente! Das beweisen praktische Fälle. Ich bin selbst einer von ihnen. Ich habe mich selbst geheilt durch Wandlung / Entwicklung meines Bewußtseins zum wahren / höheren Selbst, dem wahren Erwachsenen-Bewußtsein. Habe gelernt, Angst konstruktiv zu überwinden und mich dem Unbekannten in meinem Unbewußten zu stellen. So konnte ich die höhere Dimension meines Bewußtseins erkennen, kennenlernen und mich mit ihm verbinden. Auf diese Weise konnte ich über die universelle Energie / Liebe / Lebens-Energie (Chi, Qi, Orgon, Prana, Kundalini, usw) verfügen, die es ermöglichte, mein (Unter-)Bewußtsein von alten Verdrängungen, von abgespaltenen Gefühlsenergien, zu reinigen. Obwohl ich seit vielen Jahren über diese Dinge schreibe, weigert sich das "System", diese Informationen zu beachten und für andere anwendbar zu machen. Diese Ignoranz ist eines der vielen Symptome der ganzheitlichen Krankheit, die unsere Gesellschaft seit langer Zeit befallen hat; ich nenne sie die "Kollektive Zivilisations-Neurose". Man findet meine Veröffentlichungen dazu an verschiedenen Stellen im Internet. -
thomte
Dienstag, 13.03.2012, 12:52 Uhr Es gibt in Fachkreisen durchaus unterschiedliche Ansätze darüber was eine "Depression" ist und wie sie zu behandeln sei. Mich verwundert es immer wieder, dass es bei solchen Themen so viele Menschen gibt, die darüber Bescheid wissen, ohne dass sie sich je näher mit diesem Thema beschäftigt hätten, geschweige denn sich über viele Jahre hätten ausbilden lassen. Der Mensch ist ein durchaus komplexes Wesen, dass sich selbst kaum kennt. Wäre dass anders, dann gäbe es nicht so viele unterschiedliche Professionen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Und dazu kommen noch unzählige andere Professionen, die sich auf anderer Ebene mit den Fragen des menschlichen Seins befassen. Natürlich kann man zu allem eine Meinung haben, aber vielleicht wäre es besser, sich bei komplizierten Dingen davor zu hüten, anzunehmen, dass man "weiss". Die klügsten Köpfe haben dereinst gesagt, dass ihre größte Erkenntnis im Leben darin bestand, zu erkennen, dass ihr Wissen begrenzt ist. -
Violine000
Freitag, 17.02.2012, 12:20 Uhr duplex ein guter Beitrag. So ist es. Man sollte sowieso viel behutsamer mit der Psyche eines anderen Menschen umgehen. Daurch würde viel Schaden, den man allerdings kaum sieht - von dem man manchmal nichtmal etwas erfährt, vermieden. -
duplexagon
Mittwoch, 15.02.2012, 16:05 Uhr HeinrichderLoewe: Depressionen haben aber nicht nur einen Schweregrad. Genau wie ein Knochen nicht nur in einer bestimmten weiße brechen kann. Depressionen sind nicht direkt zu vergleichen mit Tage wo man denkt, "leckt mich doch alle mal" oder "ich gehe heute nicht vor die Tür, dämliches Wetter" oder "Ich fühle mich müde und schlapp und lustlos (maximal der Anfang von Depressionen)". Aber das denken recht viele. Das zählen viele schon zu Depressionen. Depressionen sind eher so: "Geh ich heute zur Arbeit? Oder doch nicht, der Chef kann mich nicht leiden, ich spüre das! Die anderen mögen mich auch nicht! (ob es nur Einbildung ist, oder echt weiß der Außenstehende natürlich nicht" - "Warum gehe ich überhaupt noch arbeiten, ist doch eh alles Sinnlos." - Die folge von langen Depressionen sind selbstmord, völlige resignation, sich von der kompletten Außenwelt abschließen, sich selbst Leid zufügen usw. Depressionen die schnell geheilt sind, gibt es nicht. Oder sind im Anfangsstadium, sehr weit am Anfang. Mitreden können alle, aber wer sich sowas erlaubt wie "ist doch alles schwindel" der hat sich das Mitreden theoretisch verwirkt. Viele finden die Angst vor Spinnen auch eher "lustig" aber als ich damals als Kind wohlebmerkt, meiner Cousine nen Kanker (Spinne) zeigte fing sie an zu schreinen und wurde davon schon blau regelrecht. Dann hab ich mitbekommen, dass so eine Phobie mehr als nur eine kleine Angst sein kann. Und hab ihr den Streich nicht wieder gespielt. Psychologische Dinge sind bei vielen Menschen oft mals als Humbuk ausgelegt - wie Angst vor der Autofahrt (selbst fahren), oder Angst fehler zu machen, wie auch Angst Nein zu sagen (ja, gibt es auch). Viele Leute sagen schnell mal "was für ein Quatsch, der ist nur Faul!" Wobei diese immer egoistisch sind, in dem Sinne, das sie nur an sich denken und von sich, auf andere projezieren. Bsp. "Hey, ich hab doch auch keine Angst vor Spinnen, brauchst also auch keine haben." Und so weiter. Als Psychologe musst du dich auch immer in den Menschen hineinversetzen können, was nicht mal alle Psychologen drauf haben... Was eigentlich sehr schlimm ist. Dagegen gibt es aber "Hobby" Psychologen, die mehr erreichen als so ein Buchgelehrter Quacksalber. Die es leider auch gibt und dafür nur Geld wollen, wenn sie anderer Leben zerstören. -
HeinrichderLoewe
Mittwoch, 15.02.2012, 11:16 Uhr @Violine000 wie im Bereich der Psychologie. Dabei ist das so ein kompliziertes Gebiet .. keine Frage !! da hast du schon recht
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