Ein Essener zieht die Queen an
"Sie trägt heute noch Sachen von mir, die ich vor Jahren gemacht habe", sagt Rehse, einer von drei Schneidern der Queen. Der tadellos gekleidete ältere Herr mit dem freundlichen Lächeln hat eine geradezu märchenhafte Lebensgeschichte zu erzählen. Als junger Mann besuchte er in den 1960er Jahren London. Dort gefiel es ihm so gut, dass er unbedingt zurückwollte. Er war Herrenschneider, und fand bald eine Anstellung in einem der renommiertesten Läden für feine Mode der britischen Hauptstadt. Englisch lernte er parallel dazu.
Einladung in den Palast
"Ich wollte aber unbedingt in der Damenmode arbeiten", erklärt Rehse, der nach eigenen Angaben "um die 70 Jahre alt" ist. Dahin schaffte er es auch. Er arbeitete bei mehreren großen Namen, und bekam darüber schon damals Kontakte in königliche Kreise. Im März 1988 eröffnete er schließlich zusammen mit einem Partner seinen eigenen Landen im schicken Stadtteil Marylebone. Kurz danach kam die Einladung vom Palast, die Queen wollte die neue Kollektion mit eigenen Augen sehen - und engagierte Rehse und sein Team.
"Ich wurde Ihrer Majestät dann vorgestellt", erinnert er sich. "Ich war so aufgeregt, ich glaube, ich habe gezittert." Die Queen aber sei so freundlich und locker gewesen, dass er sich bald entspannt habe. Bis 1996 lief alles bestens, doch dann erkrankte Rehses Geschäftspartner schwer und starb. "Ich wusste nicht, ob ich weitermachen sollte oder nicht", erklärt er. Und dann das Unglaubliche: "Ich erhielt Nachricht, dass ich Ihre Majestät privat und vertraulich sehen sollte." Nur die Queen und er, in einem Raum. Was gesagt wurde, verrät er bis heute nicht. "Das hat mir einen Auftrieb gegeben, weiterzumachen."
Mittlerweile arbeitet er seit fast 25 Jahren für die Queen, und hat neben ihr nur noch zwei, drei wichtige Kundinnen. In diesem Jahr vertritt er sogar als Präsident die sogenannten Royal-Warrant-Halter, alle Geschäftsleute, Mode- und Kosmetikmacher und Handwerker, die im Auftrag des Hofes arbeiten. Eine große Ehre, die nur wenigen Ausländern zuteil wird.
Rehses Mappe mit seinen Entwürfen für die Königin zeigt stets ähnliche Schnitte, abgeändert durch kleinste Details. Lange und halblange Kleider, Jacken, Mäntel - mal hier ein anderer Faltenschwung, dort ein neues Detail, vom Stil her aber immer ähnlich. "Der Stil der Königin ist zeitlos", meint Rehse. Nur die Stoffe, die ändern sich. Da fängt bei Rehse auch oft ein neues Queen-Outfit an.
Wichtigste Bestandteile: überknielanges Kleid, exakt passende Jacke oder Mantel, Hut, Handschuhe und Tasche, und das alles gerne in Pastell. Oder so richtig knallig in Rot oder Violett. Perlenkette, Brosche oder andere Juwelen nicht vergessen.
"Nach 24 Jahren weiß ich ungefähr, was der Queen gefallen wird", berichtet er. So sucht er die Stoffe aus, macht Entwürfe dazu, und präsentiert das Ganze "Ihrer Majestät", wie er die Königin auch außerhalb ihrer Hörweite nennt. "Bei manchen Stoffmustern sagt sie Nein. Aber im Großen und Ganzen ist es dasselbe, wie bei allen meinen anderen Kundinnen auch." Wenn der Queen einmal etwas bei der Anprobe nicht zusagt, dann ändert Rehse bereitwillig: "Da bin ich nicht so auf meinen Entwurf erpicht. Um Gottes Willen, so wichtig bin ich nicht. Was Ihre Majestät möchte, das wird gemacht."
Geplant wird ein Jahr im Voraus
Der Unterschied zu anderen Damen: Die Queen muss ihre Garderobe teilweise Monate lang vorher festlegen. Für Reisen, aber auch für das anstehende 60. Thronjubiläum, wird deshalb teils bis zu ein Jahr vorher geplant.
Manchmal, sagt Rehse, kann er selber nicht glauben, dass er es vom kleinen Schneider aus Essen bis in den Palast geschafft hat. "Ich muss mich manchmal schon selber kneifen. Aber ich nehme das nie als Selbstverständlichkeit." An Rente denkt er nicht: "Solange Ihre Majestät mich braucht, mache ich weiter."
Ob die Queen mit ihrem Stil die Mode anderer Menschen beeinflusst, kann er nicht sagen. Warum sie in Deutschland so beliebt ist, dazu hat er aber eine Theorie: "Ich nehme an, die Deutschen sind ein bisschen neidisch. Viele Menschen haben Ehrfurcht, dass es so etwas im 21. Jahrhundert noch gibt, einen Menschen, der so etwas darstellen kann wie Ihre Majestät."
13 Meinungen zu ""Solange Majestät mich braucht""
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Mallo
Mittwoch, 06.06.2012, 16:31 Uhr Naja, ein Hoch auf den Schneider. Immerhin hat er in all den Jahren den gleichen Stil drauf und die Queen ist ja offensichtlich damit zufrieden. -
crash2012
Montag, 04.06.2012, 17:33 Uhr Stil hat man oder eben nicht. -
Petra676
Sonntag, 03.06.2012, 14:41 Uhr die queen ist eigentlich immer gut angezogen, das muss man wirklich sagen. ist schon eine tolle karriere schneider der der queen zu sein. sie ist da immer gut beraten, finde ich. denn ganz jung ist sie ja auch nicht mehr und immer noch in amt und würden. tolle leistung, herr rehse!!!! -
Kristallklar2011
Samstag, 02.06.2012, 11:12 Uhr Elisabeth ist immer korrekt gekleidet,offenbar wird sie gut beraten.Wenn man bedenkt,wie viele Fehler man allein mit Knopfleisten machen kann .............. :(Okay,das ist nicht mein Stil,aaaber ich würde zu gern mal in ihrem Schmuck stöbern... -
Siegbert
Freitag, 01.06.2012, 17:02 Uhr Hier prallen die Meinungen von jung und alt erwas aufeinander. Natürlich sieht Majestät immer gleich aus. Gleich gut aus. Das zeigt doch ihren Charakter. Ausgeglichen und beständig. Bodenständig. Schade,daß wir in Deutschland nicht so eine Vorzeige Person haben. Vielleicht könnte dieser Schneider einen gutsitzenden Hosenanzug entwerfen. Gott schütze die Königin! -
TomiFR
Freitag, 01.06.2012, 13:10 Uhr für was braucht die Queen eigentlich ein Schneider? Sie hat ja eh immer das gleiche an. Nur die Farbe verändert sich ständig. -
Viergewinnt
Freitag, 01.06.2012, 12:41 Uhr Toll. Ich habe mal eine Doku über ihn gesehen, er ist ein ganz bescheidener, freundlicher älterer Herr ohne Starallüren. Schön, wenn ihn sein Beruf erfüllt und er durch sein Können und Geschick Freude an der Arbeit und Erfolg hat. Alles Gute, Herr Rehse!
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