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27.07.2012, 11:33 Uhr

Die wechselvolle Geschichte der Versandhauskataloge

Frankfurt/Main (dpa) - In Zeiten des Wirtschaftswunders gab es vor allem eines: Waren im Überfluss, egal ob Waschmaschinen oder Glocken- und Tellerröcke: Die Bilder dazu lieferten über Jahrzehnte die Versandhauskataloge.

Die waren zeitweise mindestens tausend Seiten dick und zwei Kilogramm schwer und sogar in der DDR begehrt. Zwischen 1950 und 1965 waren etwa die Neckermann-Kataloge aufwendig in Leder gebunden, danach kamen Leineneinbände. Irgendwann gab es dann Hochglanzpapier, heute scheinen die dicken Wälzer ausgestorben.

"Für uns war es überhaupt nicht nachvollziehbar, dass im Westen Warenhauskataloge oft einfach weggeworfen wurden. Westkataloge waren wie alles, was aus dem Westen kam, sehr begehrt", erinnert sich Anna Kaminsky. Sie ist in der DDR aufgewachsen und leitet heute in Berlin die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Nur ganz wenige Menschen in der DDR hätten einen solchen Katalog gehabt. "Wir haben Briefe an Freunde im Westen geschrieben. Die haben uns dann zum Beispiel Bilder von Mänteln aus Westkatalogen zugeschickt, die wir als Nähvorlage genutzt haben", erzählt Kaminsky.

Und heute? "Meine Quelle", hieß es früher, bis sich der Versandhändler 2009 auflöste: Die Quelle des Glücks für Hausfrauen, die sich gerne modisch kleideten. Später zierten neben glücklichen Familien auch Models wie Claudia Schiffer die Titelseite des Katalogs. Aus Kostengründen verzichtete zuletzt auch Neckermann auf das einstige Symbol des Wirtschaftswunders. Geholfen hat es nichts. Dem Frankfurter Versandhändler droht ebenfalls das Aus.

Keiner will offenbar mehr einen tausendseitigen Versandhauskatalog - es wird sowieso alles über das Internet bestellt. Ist das wirklich so? Aus Sicht von Christin Schmidt vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) stimmt das zumindest nicht ganz. "Die dicken Kataloge, die alles Mögliche anbieten, wird es nicht mehr geben, dafür aber dünnere, die auf den Kunden zugeschnitten sind." Die heutigen Kataloge sollten Anreize schaffen für Online-Einkäufe.

Das sieht auch die Historikerin Kaminsky ähnlich: "Heute braucht man die herkömmlichen Versandhäuser nicht mehr, weil man alles im Internet findet." In der DDR seien die dicken Kataloge aus dem Westen noch Gold wert gewesen und wurden sogar nachgemacht. "Die DDR-Kader haben den Auftrag ausgegeben, auf Weltniveau zu produzieren und Westdeutschland war natürlich das Vorbild, auch die Westkataloge", erklärt Kaminsky.

Mit diesen Hochglanzformaten galt es mitzuhalten, allerdings vergeblich. "Wenn 1961 bei Neckermann ganz viele Blumenmuster drin waren, dann waren die eineinhalb Jahre später im Centrumskatalog." Ein großer Unterschied: Im Osten seien oft Produkte angeboten worden, die gar nicht mehr lieferbar waren. 1976 sei der Versandhandel in der DDR ganz eingestellt worden - es gab einfach nicht mehr genug Waren. "Kataloge konnten nicht mehr gedruckt werden, weil das Papier knapp wurde", erinnert sich Kaminsky.

Auch der Trendforscher Lars Hofacker vom Handelsinstitut EHI verordnet den dicken Katalogen eine Art Diät: "Kataloge werden immer mehr zu Magazinen und der Anteil der Kunden, der nur über Kataloge bestellt, nimmt immer mehr ab." Weiß wirklich keiner mehr die Kataloge zu schätzen? Ganz so ist es auch nicht. Besonders bei der Generation der über 60-Jährigen sind gedruckte Kataloge nach wie vor gefragt.

Laut Trendforscher Hofacker könne diese Generation zwar nicht der Maßstab für die Händler sein, aber die Warenhäuser müssten sich darauf einstellen, mehrgleisig zu fahren: "Für den Kunden wäre es optimal, wenn er etwas im Katalog entdeckt, es online bestellen und wenn es ihm nicht gefällt, im Geschäft zurückgeben kann."

Alle News vom: 27. Juli 2012 Zur Übersicht: Lifestyle

12 Meinungen zu "Das Ende der Modekataloge?"

  • NurZuschauer
    Sonntag, 29.07.2012, 17:04 Uhr
    katalog...? nöh stadtbummel,in den geschäften umsehen stöbern,dann eventuell kaufen
  • Roman24
    Samstag, 28.07.2012, 11:51 Uhr
    Ich machs immer so: Im Katalog aussuchen und online bestellen. Im Katalog hat man es scheller gefunden. Mich nervt die Klickerei. Schade wenns den Katalog nicht mehr geben soll.
  • redy83
    Samstag, 28.07.2012, 09:53 Uhr
    irgendwie klar das es so kommen musste. ich als kleiner nostalgiker hab aber irgendwie auch ein weinendes auge wenn ich an das katalog aus denke. weiß noch, immer als kind vor weihnachten wurden geschenke aus dem quelle katalog ausgesucht. meine kinder jetz werden mich irgendwann mal "was ist ein quelle katalog?" fragen, wenn ich denen erzähle wie es bei mir als kind war
  • ladylaura
    Samstag, 28.07.2012, 09:45 Uhr
    ..und was machen ältere leute,die kein internet haben oder sich nicht trauenso zu bestellen??da würde eine schöne menge kunden wegfallen..selbst schuld
  • Carinja
    Freitag, 27.07.2012, 17:27 Uhr
    Gut, wenn diese wahnsinnige Verschwendung von Papier und Druckerfarbe endlich aufhört. Die Katalog-Produktions- und Versandkosten dürften die Preise für die angebotenen Güter ganz schön hoch halten. Es sollte nur auf Anforderung Kataloge geben, und die auch nur auf das zugeschnitten sein, was der Kunde gerade sucht; also zum Beispiel einen Katalog für Einrichtungsgegenstände, wenn er Möbel sucht. Ich habe in den letzten Jahren bei bestimmten Versandhäusern nichts mehr bestellt, auch wenn mir was gefiel, weil ich dann sofort mit Katalogen bombardiert wurde. Wie oft habe ich stapelweise die schweren Dinger ungeöffnet zum Altpapier gebracht. Man hat nur Arbeit damit. Habe mich genau aus dem Grund auf ein Versandhaus beschränkt. Selbst schaue ich ins Internet zum Preisvergleich und zur Information, was es gibt. Ich kaufe auch sehr viel über das Internet, wo ich sonst zur nächsten größeren Stadt fahren müsste, Sprit vergeigen, Umwelt belasten. Allerdings bin ich gerade in eine schöne Kleinstadt gezogen, wo ich vorort wirklich das Meiste - auch preiswert - kaufen kann. Das gefällt mir ebenfalls gut, ich war es gar nicht mehr gewöhnt.
  • Moordruide
    Freitag, 27.07.2012, 16:47 Uhr
    Und was macht die ältere oder alte Dame, die keinen PC hat und wg. Behinderung u.ä. nicht in eion Kaufhaus kommt??? Die ist dann leider am A.... und muss sich auf ihren Enkel verlassen, - falls der vor lauter facebook und so mal Zeit hat. Die Zeiten ändern sich, - nur leider nicht immer zum Guten! weiter lesen: http://web.de/magazine/lifestyle/mode/15882174-wechselvolle-geschichte-versandhauskataloge.html#.A1000145 Meine Großmutter wollte auch kein Telefon, hat ja doch keiner. Lebenslanges lernen heißt auch für alte leute, PC kaufen, den Nachbarrentner fragen, der ist nämlich fit. Früher sagte man dazu., mit der Zeit gehen. Und nur weil ein paar sture alte Leute nichts neues dazu lernen wollen, wird die Welt nicht angehalten.
  • kommenundgehen
    Freitag, 27.07.2012, 16:27 Uhr
    "Das Ende der Modekataloge?" Dieses Thema ist eine Entwicklung, die UNS ALLEN früher oder später auf den Kopf fallen wird. Wir haben selbst eine Marktstudie durchgeführt, die an diesem Einkaufskomfort wenig gute Haare lassen. Es muss immer wieder neue Soft- und Hardware gekauft werden damit man up to date ist und mit dem Versandhaus kommunizieren kann, Diese Art des Einkauf kostet sehr viele Arbeitsplätze im Verkauf, den Handwerksbetrieben im Baunebengewerbe, es fehlt das Einkaufserlebnis und es ist nur eine der Zeit, bis der Versandhauskatalog nur mehr als Priesbarometer für den regulären Handel dient . Das grösste Problem wird das Inkasso sein, wenn auf offene Rechnung geliefert wird. Per Nachnahme bestellt ohnehin selten jemand weil es teurer ist. Die Versandhäuser werden durch die Retourwaren eine Menge Mehrarbeit dadurch bekommen, dass zurückgesandte Ware den gleichen Weg UND die gleichen Kosten wie bei einer Bestellung verursachen und obendrein das Risiko besteht, dass Ware beschädigt oder getragen zurückkommt. Wir haben eine Kostenanalyse über die Kosten von Retourware erstellt. In der Regel sind diese Kosten um 30% höher als der Gewinn. Die Zeit wird es beweisen.
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