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18.08.2012, 15:07 Uhr

Garri Kasparow in Moskau festgenommen - bis zu fünf Jahre Haft?

Moskau (sal/dpa) - Droht nach dem Urteil gegen drei Mitglieder der kremlkritischen Punkband Pussy Riot der nächste Schauprozess? Dem Putin-Kritiker und Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow, der vor dem Gerichtsgebäude festgenommen wurde, drohen nach einem Bericht der Agentur Interfax bis zu fünf Jahre Haft.

Er soll einen Polizisten gebissen haben. Kasparow wies die Anschuldigung am Samstag entrüstet zurück. "Vielleicht hat sein Hund ihn gebissen", sagte er.

Insgesamt nahm die Polizei am Vortag rund um das Gericht knapp 100 Menschen vorübergehend in Gewahrsam, darunter auch Gegner der Künstlerinnen. Dutzenden drohen Strafen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

Unterdessen haben Pussy Riot ein neues Lied gegen Kremlchef Wladimir Putin veröffentlicht. "Putin entzündet das Feuer der Revolution", singen mehrere Frauen und fordern das Volk auf, auf die Straße zu gehen und die Regierung zu vertreiben. Zahlreiche Oppositionsgruppen und Bürgerrechtler riefen für diesen Sonntag zu einem "Tag des Gedenkens und der Hoffnung" unweit des Regierungssitzes auf.

In dem umstrittenen Prozess gegen Pussy Riot hatte Richterin Marina Syrowa am Vortag Nadeschda Tolokonnikowa (22), Maria Aljochina (24) und Jekaterina Samuzewitsch (30) wegen Rowdytums aus religiösem Hass zu je zwei Jahren Straflager verurteilt. Sie hätten mit einem Punkgebet am 21. Februar in der Moskauer Erlöserkathedrale gegen Putin absichtlich die Gefühle der Gläubigen verletzt.

Der frühere Außenminister Joschka Fischer kritisierte den Richterspruch scharf. "Das Urteil ist ein Zeichen der Schwäche, nicht der Stärke", sagte Fischer der "Bild am Sonntag". Der Vorsitzende des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, sagte dem Blatt, die guten deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen seien nicht gefährdet. Allerdings sei das Urteil "unglücklich".

Bürgerrechtler und Regierungsgegner in Russland erneuerten ihre Kritik an dem Schuldspruch. Der frühere Finanzminister und Putin-Vertraute Alexej Kudrin warnte vor einem Imageverlust Russlands, der auch Investoren abschrecken könne.

Hingegen begrüßten Mitglieder der Kremlpartei Geeintes Russland die Verurteilung. Auch das Weltkonzil des Russischen Volkes, das vom russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill geleitet wird, verteidigte den Richterspruch. Es sei notwendig gewesen zu zeigen, dass das Punkgebet ein Verbrechen und nicht ein Akt freier Kreativität sei, hieß es.

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