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19.02.2013, 17:56 Uhr

Italien vor der Wahl: Berlusconi kauft sich sein Volk

Es scheint schlimm zu stehen um Italien. So schlimm, dass sich der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble offenbar zu einer Aktion hinreißen ließ, die auf diplomatischem Parkett als Todsünde gilt: Er soll den Italienern ganz offen von einer Wiederwahl Silvio Berlusconis abgeraten haben, wie das Magazin "l'Espresso" berichtete. Grund dürften die zuletzt guten Umfragewerte des Cavaliere vor den Parlamentswahlen am kommenden Wochenende sein. Ganz Europa zittert vor einer Rückkehr des Bunga-Bunga-Politikers an die Macht.

VonGMX Redakteur Jens Finger

Eigentlich galt Berlusconi nach seinem sang- und klanglosen Rücktritt im November 2011 politisch als mausetot. Seine zahlreichen Skandale und sein negativer Einfluss auf die Chancen Italiens an den Kapitalmärkten ließen eine erneute Kandidatur völlig aussichtslos erscheinen. Doch weit gefehlt: Anfang Dezember 2012 verkündete Berlusconi, erneut antreten zu wollen. Und obwohl alleine diese Ankündigung zu einer sofortigen Abstrafung Italiens an den Märkten führte, stiegen die Umfragewerte für Berlusconi zuletzt immer weiter an. Eine Rückkehr an die Macht erscheint möglich - sein Rückstand auf das Mitte-Links-Bündnis um Pier Luigi Bersani lag in der letzten Umfrage nur noch bei fünf Prozentpunkten. Doch warum fallen die Italiener immer wieder auf den Mann herein, der so viel Spott über ihr Land gebracht und Italien an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geführt hat?

Berlusconi will die Italiener bestechen

Berlusconi verspricht extreme Steuererleichterungen sowie Amnestien für Steuersünder und Schwarzbauer - eine Methode, die ihn in der Vergangenheit schon mehr als einmal ins Amt des Ministerpräsidenten gehievt hatte. Mario Monti bringt die Verführungsstrategie des Cavaliere auf den Punkt: Berlusconi versuche, "die Stimmen der Italiener mit dem Geld zu kaufen, das den Italienern gehört".

Berlusconi 2013: Der Cavaliere ist noch heiß Video

Zur Wahl in Italien erinnern wir an seine größten Eskapaden. >

Bizzarstes Wahlgeschenk soll dabei eine vollständige Erstattung der von den Italienern im Jahr 2012 gezahlten Grundsteuer sein - auszahlbar binnen eines Monat nach einem Wahlsieg Berlusconis. Alleine diese Maßnahme würde den italienischen Staat rund vier Milliarden Euro kosten.

Die in Italien weit verbreitete Steuerhinterziehung einzudämmen war eines der großen Projekte der Technokratenregierung um Mario Monti - doch auch hier will sich der Cavaliere großzügig zeigen und verspricht eine großzügige Amnestie für Steuersünder. Eine Regelung, von der er auch selbst profitieren könnte: Schließlich ist Berlusconi weiterhin der Steuerhinterziehung angeklagt - sein Prozess ruht jedoch während des Wahlkampfes. Nach Meinung von Experten werden jedes Jahr in Italien rund 120 Milliarden Euro an Steuern hinterzogen.

Auch die Besitzer der in Italien nicht gerade seltenen Schwarzbauten sollen sich kein Sorgen mehr machen müssen: Auch hier plant Berlusconi eine vollständige Amnestie. Darüber hinaus will er die regionale Gewerbesteuer abschaffen und einen Zuschuss zum Schulgeld zahlen. Schön für kleine Unternehmen und die junge Generation - doch auch diese Maßnahmen würden Milliardenlöcher in den Haushalt reißen.

Alle Maßnahmen zusammen würden Rom rund 40 Milliarden Euro im Jahr kosten, schätzt die Zeitung "La Repubblica". Die Staatsschulden Italiens würden erneut explodieren und die Spekulationen gegen das Land neu entfachen. Europa hätte die gerade erst eingedämmte Euro-Krise mit voller Wucht zurück.

Es liegt also an den Italienern selbst, einen Rückfall in die alten Berlusconi-Zeiten und damit wohl auch eine neue Krise des Euro zu verhindern. Erliegen sie den Verführungskünsten des Cavaliere oder stellen sie das Wohlergehen ihrer Nation und vielleicht Europas über die Verlockungen des kurzfristigen finanziellen Profits? Die Wahlen am Wochenende werden so auch zu einem Charaktertest für ein ganzes Volk.

Alle News vom: 19. Februar 2013 Zur Übersicht: Nachrichten

383 Meinungen zu "Berlusconi will Italiener kaufen"

  • Newcomer2011
    Donnerstag, 07.03.2013, 13:27 Uhr
    Wartet mal ab was bei unseren Wahlen rauskommt. Ich kenne keinen Politiker der sich klar zur Zukunft Europas und der Position Deutschlands darin, geäußert hat. Kann ich aber verstehen - viel zu heiß das Thema. Da kann man sich schön das Maul verbrennen, zumal es die Opposition in jedem Fall besser wüsste. Deutschland wird ja auch nicht mehr von Deutschen regiert, sondern von Brüssel !!!
  • macwallaby
    Donnerstag, 07.03.2013, 09:00 Uhr
    """Erliegen sie den Verführungskünsten des Cavaliere oder stellen sie das Wohlergehen ihrer Nation und vielleicht Europas über die Verlockungen des kurzfristigen finanziellen Profits? Die Wahlen am Wochenende werden so auch zu einem Charaktertest für ein ganzes Volk. weiter lesen: http://web.de/magazine/nachrichten/ausland/17097646-italien-wahl-berlusconi-kauft-volk.html#.A1000145""" ""Charaktertest für ein ganzes Volk."" Da werden übergrosse Messhürden aufgestellt. MatschoMatschoBerluBerlu hat es mal wieder geschafft. Und freilich stellt man sich die Frage, wie ist es möglich, dass es nach seinen Verfehlungen weiterhin Wähler gibt, die diesem Politiker mit auffälligen Wesenszügen die Stange halten. In D würde er momentan keinen Fuss aufs politische Parkett bekommen. Aber können wir uns so sicher sein, dass wir in ein paar Jahrzehnten nicht selbst Clowns wählen?, weil wir nur den kurzfristigen-finanziellen Aufbesserungen unseres Familienhaushaltes im Auge haben? Italien - oder besser diejenigen Wähler, die diesem Mann ihre Ja-Stimme gegeben haben, agierten aus reinem Eigennutz und zu ihrem eigenen vermeintlichen Vorteil.
  • Tigo
    Dienstag, 26.02.2013, 12:04 Uhr
    Europa muß viel dazu lernen und per Gesetz den Mindestqualitätsstandard für Beitritt und Mitgliedschaft zur EU zum Tl. neu definieren. Ein Volk, daß solch einem psychisch gestörtem, schwanzgesteuertem Mafiosi das Regierungsmandat gibt, ist noch nicht reif für eine Schicksalsgemeinschaft wie Europa. Sie müssen erst noch die Erfahrung machen was es heißt zu ernten was man sät. Aber bitte nur komplett eigenverantwortlich! Auch wenn das deren kompletter wirtschaftlicher Ruin und wirklich harte Zeiten bedeutet. Deutschland hatte aus mangelnder Erfahrung einen Blender wie Hitler gewählt und wir zahlen heute noch die Rechnung. Zu recht. Wahrscheinlich müssen die Italiener diese Lernkurve noch machen. Aber bitte ohne uns.
  • Enzo2003
    Dienstag, 26.02.2013, 08:27 Uhr
    Dass diese testosterongesteuerte machtgeile Dumpfbacke so viele Stimmen bekommt, sagt viel über die Mentalität und die politische Reife der Italiener aus: Mittelalter. Wie kann der Europäische Gerichtshof so viel unverblümt zur Schau getragene Kriminalität zulassen? Das geht auf Kosten von uns allen, besonders auf die der Deutschen, die wieder das meiste zahlen und sich dann auch noch als "Nazis" beschimpfen lassen dürfen.
  • gelberTeppich
    Montag, 25.02.2013, 15:50 Uhr
    Hallo Italiener!!!!!! Wie kann man diesen Mafosi wählen.In seinem Nacken habe ich einen braunen Fleck ausgemacht.Muß sich um den Analbereich handeln.Liften der Gesichtshaut.Mehr geht nicht.Der Typ gehört in den Knast,oder es gibt ja noch andere Möglichkeiten.Wenn ihr euch noch erinnern könnt.Was habt ihr damals mit dem Duce gemacht.Wie kann so ein Sexbesessener Opa noch etwas in der Politik zu sagen haben.
  • rabiagierre
    Montag, 25.02.2013, 15:22 Uhr
    Warum bewirbt sich dieser Kasper nicht als Papst? Bezüglich Sexualität würde alles viel freizügiger laufen, und Geldwäsche für alle interessierten Wähler steht auch in seinem Programm. Na, wenn das seinem Volk nicht ein Ohrenschmaus ist.....
  • Rasenparker
    Montag, 25.02.2013, 14:18 Uhr
    Supermario kann die Koffer packen!
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