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17.06.2012, 09:51 Uhr

Szenarien nach den griechischen Wahlen

Athen (dpa) - Allen Umfragen nach wird an diesem Sonntag keine der Parteien die absolute Mehrheit von 151 Abgeordneten im griechischen 300-Sitze-Parlament stellen. Griechenland braucht angesichts der Finanzkrise aber dringend eine handlungsfähige Regierung.

Die griechischen Parteien arbeiten aber sehr ungern mit ihren politischen Gegnern zusammen - Koalitionen haben in Athen einfach keine Tradition. Daher gibt es verschiedene Szenarien, die von der griechischen Presse vor der Wahl durchgespielt worden sind:

1. Das Szenario der breiten Regierung der Nationalen Rettung: An dieser könnten die drei wichtigsten Parteien, die Konservativen, die Linksradikalen und die Sozialisten teilnehmen. Hinzu könne auch die gemäßigte kleine linke Partei Demokratische Linke kommen. Gemeinsamer Nenner dieser Koalition wäre, dass das Land im Euroland bleibt. Zugleich soll aber auch eine Lockerung des Sparprogramms gefordert werden. Eine solche Regierung wäre stabil und handlungsfähig.

2. Das zweite Szenario wäre eine Kooperation zwischen den klar pro-europäischen Parteien der konservativen Nea Dimokratia (ND), der Sozialisten (Pasok) und der kleinen Demokratischen Linken (Dimar). Hier beginnen aber schon die Probleme. Denn das Bündnis der radikalen Linken (Syriza), zu dem mittlerweile die meisten etablierten und ehemals privilegierten Gewerkschaftsführer von den Sozialisten übergelaufen sind, könnten zusammen mit den Kommunisten (KKE) das Land mit Streiks und Demonstrationen ins totale Chaos stürzen.

3. Eine dritte mögliche Regierungskoalition wäre eine Kooperation der Linksradikalen mit der Demokratischen Linken, falls beide genug Sitze im Parlament erobern. Die Demokratische Linke scheint jedoch nicht bereit zu sein, an einer solchen linken Koalition teilzunehmen. Gleiches gilt auch für die Kommunisten. Demnach wäre eine Koalition der Linksradikalen mit den Sozialisten und der Demokratischen Linken eine Lösung, aber diese könnte daran scheitern, dass viele linke Politiker nicht mit den Sozialisten zusammenarbeiten wollen.

4. Das letzte und schlimmste Szenario ist, dass die Politiker sich erneut nicht einigen. Dann müssten wieder Neuwahlen angesetzt werden. Das Land wäre dann für weitere sechs Wochen ohne handlungsfähige Regierung und könnte irgendwann einfach zusammenbrechen. Das Geld für Medikamente, Löhne und Renten reicht nur noch bis Mitte Juli.

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