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19.02.2013, 16:41 Uhr

Oscar Pistorius wegen vorsätzlichen Mordes angeklagt

Pretoria (dpa) - Der wegen Mordes angeklagte Paralympics-Star Oscar Pistorius hat die Schüsse auf seine Freundin zugegeben, jedoch jede Tötungsabsicht bestritten.

Er habe gedacht, er schieße auf einen Einbrecher, hieß es in einer Erklärung des 26-jährigen Südafrikaners, die sein Anwalt Barry Roux am Dienstag vor dem Magistratsgericht in Pretoria verlas. "Ich hatte nie die Absicht, meine Freundin zu töten." Er widerspreche den Anschuldigungen "aufs Schärfste". Währenddessen fand an der Südküste Südafrikas ein Gedenkgottesdienst für das getötete Model Reeva Steenkamp statt.

Das Gericht folgte der Staatsanwaltschaft und ließ die Anklage wegen "vorsätzlichen Mordes" zu. Die Verteidigung hatte gehofft, dass der beinamputierte Pistorius wegen Mordes in einem minder schweren Fall angeklagt werde. Dann wären die Chancen besser, gegen Kaution freizukommen. Die Anklagebehörde möchte, dass Pistorius bis zum Prozess in Untersuchungshaft bleibt. Eine Entscheidung darüber wird an diesem Mittwoch erwartet.

Oscar Pistorius bei der Anhörung vor Gericht

Wer versorgt die Medien mit Informationen zur Tat? Die Behörden suchen den Geheimnisverräter - und betonen, dass nicht alle Meldungen der Wahrheit entsprechen müssen. >

Pistorius habe eine "unschuldige und unbewaffnete Frau" getötet, sagte der Staatsanwalt. Es gebe ein klares Mordmotiv, betonte er, allerdings ohne weitere Einzelheiten dazu zu nennen. Es gebe zudem keine Hinweise, die die Angaben zu einem Einbrecher stützten.

Nach Darstellung des Staatsanwalts hatte Pistorius in der Tatnacht im Schlafzimmer seine Bein-Prothesen angezogen, bevor er mit einer Pistole zum sieben Meter entfernten Badezimmer ging. Dort habe sich seine Freundin, die bereits am Vorabend ins Haus gekommen sei, befunden. Pistorius habe vier Schüsse durch die verschlossene Badezimmertür abgefeuert, drei von ihnen sollen die 29-Jährige getroffen und tödlich verletzt haben.

Pistorius folgte der Verhandlung am Dienstag sichtlich niedergeschlagen. Er schilderte die Vorgänge aus der Nacht zum Donnerstag völlig anders als die Anklagebehörde: Wie immer habe er angesichts der hohen Gewaltkriminalität in Südafrika mit einer Pistole unter dem Kissen geschlafen. "Ich dachte, jemand wäre in mein Haus eingedrungen und ich war zu ängstlich, das Licht anzumachen." Er habe gedacht, seine Freundin liege neben ihm im Bett. Er habe dann aus Angst, und um sich und seine Freundin zu schützen, geschossen.

Erst später habe er realisiert, dass Reeva im Badezimmer gewesen sei. Er habe dann einen Kricketschläger genommen und die Tür eingeschlagen. Dann habe er seine Freundin, die noch lebte, auf dem Boden gefunden. "Sie starb in meinen Armen..." Der Mordvorwurf sei völlig haltlos.

Die Anwälte des behinderten Profisportlers plädierten zunächst für eine Anklage wegen Mordes in einem minder schweren Fall, was im deutschen Recht Totschlag entspricht. Nicht immer, wenn jemand zur Waffe greife, handele es sich um einen Mord, sagte Anwalt Barry Roux. Der Vorwurf des "vorsätzlichen Mordes" sei eine "Ungerechtigkeit".

Die auf zwei Tage angesetzte Verhandlung fand in einem völlig überfüllten Saal statt. Obwohl nur für etwa 40 Zuschauer zugelassen, drängelten sich dort weit mehr als 100 Menschen, vor allem Journalisten. Auch der Vater des Beschuldigten, Henke Pistorius, sowie seine Geschwister Aimee und Carl waren gekommen.

Pistorius, der bereits vor 7.00 Uhr morgens aus der Polizeihaft ins Gerichtsgebäude gebracht worden war, wird von renommierten Juristen und Experten unterstützt. Zu ihnen zählen der Star-Anwalt Kenny Oldwage, der britische Medienberater Stuart Higgins und der südafrikanische Forensiker Reggie Perumal.

In Port Elizabeth fand am Dienstag ein Gottesdienst für Reeva Steenkamp statt. Nur etwa 90 Menschen durften auf Einladung der Familie an der Gedenkfeier in der Kirche des Victoria Park Friedhofs teilnehmen.

Steenkamps Onkel erinnerte weinend an das Engagement der Getöteten im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen. "Sie wird stets in unserem Herzen bleiben", sagte Mike Steenkamp nach dem Gottesdienst. Der Bruder der Getöteten, Adam Steenkamp, sagte, die Familie werde nur gute Erinnerungen an sie behalten.

Reeva Steenkamp, die nach einer juristischen Ausbildung vor allem als Model und Moderatorin ihr Geld verdiente, soll ein Feuerbegräbnis bekommen. Der Nachrichtenagentur SAPA zufolge will ihr Vater die Asche in einer späteren Zeremonie verstreuen.

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