Zur mobilen Ansicht wechseln

22.02.2012, 18:13 Uhr

Noch vier Leichen in "Costa Concordia" gefunden

Giglio/Rom (dpa) - Fast sechs Wochen nach dem Kentern der "Costa Concordia" haben Taucher am Mittwoch acht Leichen in dem überfluteten Teil des Kreuzfahrtschiffes gefunden.

Nach vier Toten am Vormittag sichteten die Bergungsteams später vier weitere Leichen, wie italienische Medien übereinstimmend unter Berufung auf den Krisenstab berichteten. Alle befanden sich auf dem vierten Deck des Schiffes. Die "Costa Concordia" war am 13. Januar mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor der toskanischen Insel Giglio havariert.

Sieben Passagiere und Crewmitglieder des Kreuzfahrtschiffes werden somit noch vermisst. Die ersten drei der am Mittwoch gefundenen Toten - ein Kind, eine Frau und ein Mann - sind geborgen und nach Grosseto in ein Leichenschauhaus gebracht worden. Die Bergungsarbeiten mussten danach wegen sich verschlechternder Wetterlage unterbrochen werden.

Die Bergung der Toten werde wegen erschwerter Arbeitsbedingungen länger dauern, hatte es zunächst geheißen. Nach einer Überprüfung der Aussagen von Überlebenden der Havarie über den möglichen Verbleib von Vermissten waren Taucher nach längerer Pause gezielt wieder auf die Suche in dem Wrack gegangen. Zuvor wurden noch 15 Passagiere und Crewmitglieder des Kreuzfahrtschiffes vermisst, darunter 6 Deutsche.

Unter den Toten soll auch die fünfjährige Italienerin Dayana Arlotti aus Rimini sein, deren Schicksal in Italien viel Anteilnahme gefunden hatte. Sie war zusammen mit ihrem kranken Vater auf der Kreuzfahrt. Dieser ist unter den Vermissten. Ansonsten wurde über die Identität der jetzt entdeckten Leichen zunächst nichts bekannt. Vor drei Wochen war das bisher letzte Opfer identifiziert worden.

Anfang Februar hatten die Rettungskräfte auf Giglio die Suche nach den Vermissten im versunkenen Teil des Wracks offiziell eingestellt. Grund dafür war vor allem die Sicherheit der Taucher, die an dem halb untergegangen Wrack arbeiteten. Später wurde aber eine weitere Suche im Wrack doch möglich.

Gegen den Kapitän Francesco Schettino (52) wird seit dem Unfall wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Havarie und Verlassen des Schiffes während der Evakuierung ermittelt. Schettino ist unter Hausarrest. Das Schiff war auf seiner nächtlichen Fahrt zu nahe an die Insel Giglio herangekommen und hatte einen Felsen gerammt. Die Ermittlungen werden jetzt über Schettino und seinen ersten Offizier Ciro Ambrosio hinaus noch auf sieben weitere Verdächtige ausgedehnt, wie Ansa berichtete. Es handele sich um vier Offiziere des Schiffes und drei Beschäftigte der verantwortlichen Reederei Costa Crociere.

Eine Reihe von Einzel- und Sammelklagen gegen die Reederei sind angekündigt. Die Reederei Costa Crociere hat den Passagieren eine pauschale Entschädigung angeboten. Einen ersten Beweissicherungstermin haben die Ermittler für den 3. März angesetzt. Dabei geht es um den Fahrtenschreiber des Schiffes, der Auskunft über den Hergang des Unfalls geben soll.

Das Leeren der Tanks der "Costa Concordia" ist vorangekommen. Zwei Drittel der 2380 Kubikmeter Treibstoff, ganz überwiegend gefährliches Schweröl, sind abgepumpt. Damit hat sich die Gefahr einer größeren Ölpest im toskanischen Archipel verringert. Das restliche Öl sollen in den nächsten Wochen abgepumpt werden.

Danach muss die Genueser Reederei einen Plan für den Abtransport des 290 Meter langen Schiffes vorlegen. Offen ist, ob das havarierte und teilweise vollgelaufene Schiff nach dem Aufrichten zerteilt werden muss oder aber an einem Stück abtransportiert werden kann.

0 Sterne - basierend auf 0 Bewertungen
Zur Übersicht: Nachrichten

29 Meinungen zu ""Costa": Vier Leichen gefunden"

  • Saxet
    Freitag, 24.02.2012, 15:32 Uhr
    Wie soll man diesen Riesenkasten abschleppen.Wenn er aufgerichtet wird läuft er voll. Abdichten von innen unter Wasser und auspumpen schwierig? Also wie???
  • Drambui
    Freitag, 24.02.2012, 10:05 Uhr
    Hier der Link zur Web-Camera, die das Unglücksschiff zeigt. Die Aufnahmen werden ca. alle 60 sec. erneuert: http://www.giglionews.it/2010022440922/webcam/isola-del-giglio/webcam-giglio-porto.html
  • meinemeinung357
    Freitag, 24.02.2012, 08:25 Uhr
    Sieht schlecht aus für die die noch vermisst werden. Echt traurig. Da will man mal eine schöne Reise machen und dann sowas.
  • secret70
    Freitag, 24.02.2012, 08:17 Uhr
    Mein Vater selbst Seefahrer versteht die Welt nicht mehr was dieser Kapitän angerichtet hat und noch schlimmer weil er alles im Stich gelassen hat. Ein Italiener ohne Eier und Ehre!
  • amoro
    Donnerstag, 23.02.2012, 17:40 Uhr
    Die armen Menschen. Jetzt können die Hinterbliebenen würdig Abschied nehmen.
  • elcaro
    Donnerstag, 23.02.2012, 17:10 Uhr
    Ironie des Schicksals: Da liegt sie nun die COSTA CONCORDIA - in EINTRACHT mit der KÜSTE. Eigentlich sollte das Wrack befestigt bzw. an Ort und Stelle belassen werden. Der Kapitän gehörte lebenslänglich eingebuchtet und zwar auf genau dieser Insel mit Sicht auf "sein" Mahnmal.
  • toni1968
    Donnerstag, 23.02.2012, 17:03 Uhr
    kann das ganze immer noch nicht verstehen! Und wer auch immer der Wahre schuldige ist! wie kann in der heutigen Zeit so was überhaupt noch passieren ? Und wie ist es möglich das alle Offiziere geschlafen haben ? Glaube nicht das der Kapitän wie 1900 selbst am Steuer ist, er ist verantwortlich klar, aber es gibt so viele ungereimtheiten .......
Quiz

Diese Sätze gingen in die Geschichte ein. Kennen Sie sich aus? >

Testen Sie Ihr Wissen über das Militär in Österreich! >

Alle Specials im Überblick
EM-Ball 2012

Der Countdown zur EURO 2012 läuft...

Helmut Elsner im ersten BAWAG-Prozess

Laut Zeugin herrschte in Bank ein "klares Unterordnungsgefüge". >

Katharina Schwabedissen

NRW-Landeschefin der Linkspartei erwägt Kandidatur. >

Skimming

Der Verdächtige wurde von der Polizei in Graz auf frischer Tat ertappt. >


Internet Made in Germany Ihr GMX-Postfach ist grün GMX unterstützt Unicef

Sie lesen gerade: Costa: Weitere Leichen entdeckt. Bergungsteam dringt weiter in das Wrack des Kreuzfahrtschiffs vor.