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22.07.2012, 11:40 Uhr

Amokläufer: "Ich bin der Joker!"

Washington (dpa/ae) - Sprengstoffexperten der Polizei haben in der Wohnung des mutmaßlichen Kino-Killers von Colorado zahlreiche Sprengfallen entschärft. "Wir gehen davon aus, dass wir die größten Bedrohungen beseitigt haben, aber wir haben noch einiges zu tun", sagte der Aurora-Polizeichef, Dan Oates.

Der 24-jährige James Holmes hatte den Angaben zufolge sein Apartment mit Sprengstoff und gefährlichen Chemikalien präpariert, bevor er in der Nacht zum Freitag in einem Kino während der Mitternachtspremiere des neuen Batman-Films "The Dark Knight Rises" wahllos das Feuer auf das Publikum eröffnete, 12 Menschen tötete und weitere 58 verletzte. Viele Kinobesucher dachten zunächst, dass die Schüsse zum Film gehörten oder es sich um ein Feuerwerk handele.

James Holmes

Psychologe: Mögliche Maskierung des Amokläufers deute darauf hin. >

Holmes gilt als sehr intelligent und soll ein Stipendium einer staatlichen medizinischen Forschungsstätte bekommen haben. Frühere Kommilitonen beschreiben ihn als zurückhaltenden Einzelgänger.

Momentan sitzt der Amokläufer in Isolationshaft. Am Montag soll Holmes erstmals vor einem Richter erscheinen. Über das Motiv des Täters kann nach wie vor nur spekuliert werden. Im Internet tauchten jedoch mittlerweile Fotos auf, die ihn mit roten Haaren zeigen sollen. Bei seiner Festnahme auf einem Parkplatz hinter dem Kino leistete er keinen Widerstand. Ermittlern zufolge soll er zu ihnen gesagt haben: "Ich bin der Joker." Eine offizielle Bestätigung gibt es hierfür allerdings nicht.

Der Joker ist einer der ärgsten Widersacher Batmans. In einem Interview hatte der Leiter des Instituts für Psychologie und Bedrohungsmanagement, Jens Hoffmann, erklärt, dass es durchaus denkbar sei, dass Holmes in einer Art Fantasiewelt gelebt haben könnte.

"Das Interessante ist hier die Kostümierung, die der Mann getragen haben soll. Häufig sehen sich solche Amokläufer als Krieger, als Ein-Mann-Kommando - in diesem Fall möglicherweise als Gegenspieler von Batman", hatte Hoffmann erläutert und ausgeführt: "Wir sehen es manchmal bei solchen Tätern, dass sie sich nicht mit realen anderen Amokläufern identifizieren, sondern mit fiktionalen Charakteren. Das könnte eine Rolle gespielt haben bei dieser Tat."

Unterdessen wird am Sonntag US-Präsident Barack Obama in Aurora erwartet. Wie das Weiße Haus mitteilte, wird der Präsident bei seiner gut zweieinhalbstündigen Visite auch mit Familien der Opfer zusammentreffen.

Wie aus einer am Samstag von den Behörden veröffentlichten Liste hervorgeht, war das jüngste Opfer des Amok-Schützen ein sechsjähriges Mädchen, das älteste ein 51 Jahre alter Mann. Elf der Verletzten befanden sich auch am Samstagabend noch in kritischem Zustand.

Aus dem Umstand, dass der mutmaßliche Todesschütze offensichtlich über Monate hinweg Sprengstoff und Chemikalien für die Sprengfallen in seiner Wohnung per Versandhandel bestellte, schließt die Polizei, dass die Tat von langer Hand geplant war. "Was wir hier sehen, sind Beweise für einiges an Berechnungen und Überlegungen", sagte Oates.

In den vergangenen Wochen hatte Holmes außerdem die zwei Gewehre und zwei Pistolen, die er bei der Tat verwendet haben soll, legal erworben. Dies hat in den USA zu einem Wiederaufleben der Diskussion um die Waffengesetze geführt.

Bei der Entschärfung der Sprengfallen in Holmes Wohnung setzte die Polizei auch einen Roboter ein. Es gab mehrere kontrollierte Explosionen in der Wohnung. Es habe sich um ein "extrem gefährliches" Umfeld gehandelt. "Dieses Apartment war darauf angelegt, jeden zu töten, der es betritt", sagte Oates.

Nach Berichten der Zeitung "USA Today" war das Wohnzimmer des kleinen Apartments voll mit Feuerwerkskörpern, die so manipuliert waren, dass sie wie Granaten explodiert wären. Diese müssten nun aus der Wohnung gebracht und an einem sicheren Ort kontrolliert zur Explosion gebracht werden, hieß es.

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