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21.06.2012, 10:14 Uhr

Drehtür zur Vergangenheit

in Kooperation mitWorld's Luxury Guide

Schwere Kristalllüster, majestätische Treppenaufgänge, prächtige Stuckdecken, goldverzierte Säle - diese zehn Grand Hotels stehen für den prunkvollen Stil der Belle Époque, für eine Zeit, als ein Hotelaufenthalt noch etwas ganz Besonderes war. Einige von ihnen haben im Lauf der Zeit Patina angesetzt, und doch fühlt man sich wie auf einer Zeitreise in die Vergangenheit, sobald man sie betritt.

Waldhaus, Sils Maria

Das Waldhaus, das seit 100 Jahren auf einem Hügel über dem Ort Sils Maria thront, wirkt ein bisschen wie das Sanatorium aus Thomas Manns "Zauberberg". Es ist das einzige Grand Hotel des gediegenen Ortes, der nur wenige Kilometer vom mondänen St. Moritz entfernt liegt und von Nietzsche, der hier ein Haus besaß, als "lieblichster Winkel der Erde" bezeichnet wurde. Auch die Schriftsteller Hermann Hesse, Thomas Mann oder Kurt Tucholsky verbrachten hier ihre Sommer. Und auch heute noch scheint jene Zeit nachzuwirken, in der hier die großen Dichter residierten, philosophierten und sich von der umliegenden Seenlandschaft zu ihren Werken inspirieren ließen. Dicke Teppiche schlucken lautes Gelächter, Kristallleuchter hängen von den Stuckdecken, und auch die alltäglichen Rituale haben die Besitzer in vierter Generation bewusst nicht verändert. So spielt jeden Tag zum Nachmittagstee die hauseigene Kapelle, und zum Abendessen begrüßt der Hausherr die Gäste persönlich.

Hotel del Coronado, Kalifornien

Im ältesten und größten Holzgebäude Kaliforniens wurde nicht nur die Komödie "Manche mögen's heiß" mit Marilyn Monroe, Tony Curtis und Jack Lemmon gedreht, sondern hier soll es seit 1890 auch spuken. Eine Frau, die hier unter falschem Namen eincheckte, wurde kurze Zeit später tot in ihrem Zimmer aufgefunden und soll seitdem als Geist im Hotel leben. Gäste berichteten von flackerndem Licht und schwebenden Gegenständen. Das ehemals größte Luxushotel der Welt bietet mit 899 weiteren Zimmern allerdings genug Platz, um sich vom Spuk fernzuhalten, abgesehen vom durchsichtigen Hausmeister im Speisesaal, zwei kleinen Geisterkindern in den Hotelfluren und dem Geist der Geliebten des Hotelgründers. Ebenso wenig sollte man sich durch die Tatsache abhalten lassen, dass in den neunziger Jahren auch schon David Hasselhoff während der Dreharbeiten zur Serie "Baywatch" mit roter Rettungsboje vorbei joggte.

Imperial, Wien

Wo sich einst die Auffahrt für die Pferdekutschen befand, um die Hotelgäste über die imposante Treppe zur Belle Etage zu geleiten, befindet sich heute die Lobby des historischen Grand Hotels Imperial in Wien, das pünktlich zur Weltausstellung 1873 im Stil der italienischen Renaissance eröffnet wurde und vor allem Staatsgäste wie Königin Elizabeth von England, Juan Carlos von Spanien oder Kaiser Akihito von Japan beherbergt hat; aber auch namhafte Künstler waren hier zu Gast. So soll Alfred Hitchcock nach seinem Aufenthalt im Hotel gesagt haben, dass er seine Frau in seiner Suite verloren, sie aber glücklicherweise kurze Zeit später hinter einer der vielen edlen Marmorsäulen wieder gefunden habe.

Negresco, Nizza

Was einst Treffpunkt der europäischen Aristokratie und des internationalen Geldadels war, ist auch heute noch die erste Adresse für Prinzen, Promis und Politiker: das Negresco. Es steht für Nizza wie kein zweites Hotel. Im Stil der Belle Époque errichtet, eröffnete das Negresco 1912 direkt an der wunderbaren Uferpromenade in Nizza, der sogenannten Engelsbucht. Die auf den ersten Blick ins Auge stechende rosafarbene Kuppel wurde von Gustave Eiffel entworfen. Der Legende nach soll der Busen einer Geliebten als Modell gedient haben. Kein Wunder also, dass die französische Regierung das Negresco als nationales Baudenkmal deklariert hat.

Hôtel de Crillon, Paris

König Ludwig XV. persönlich beauftragte vor zwei Jahrhunderten den Bau des Traditionshotels an der Place de la Concorde im Herzen von Paris. Zwar wurde der ehemalige Palast der Herzoge von Crillon während des Zweiten Weltkriegs von den Deutschen besetzt und später von den Alliierten wiedererobert, doch vom einstigen Charme hat das 1907 darin eröffnete Hotel nichts eingebußt. Noch nicht. Denn in diesem Herbst soll es für zwei Jahre geschlossen und für 100 Millionen Euro renoviert werden. Wer das königliche Flair des Grand Hotels ein letztes Mal einatmen will, muss sich also beeilen.

The Peninsula, Hongkong

In diesem Grand Hotel an der Salisbury Road in Hongkong erlebt man noch das Flair der Kolonialzeit. Viele Stars lassen sich per Helikopter über das Dach des Hotels einfliegen, verpassen mit dieser extravaganten Anreise jedoch den Eintritt in eine der imposantesten Hotelhallen des Fernen Ostens. Wer hier die Glastür zum Hotel aufstößt, betritt europäische Pracht mitten in Südostasien. Die "große alte Dame" gehört zur ehemaligen britischen Kronkolonie. Wo einst die Engländer ihre Teatime abhielten, nippen heute junge Chinesinnen im Chanel-Kostüm zu Walzermusik an ihren Tassen, während sie auf den hotelgrünen Rolls-Royce warten, der sie durch die Wüste von glitzernden Wolkenkratzern zur Einkaufstour begleiten soll.

Baur au Lac, Zürich

Ausgerechnet ein Österreicher errang 1844 die Pole Position unter den Hoteliers in Zürich: Johannes Baur, der in seiner Wahlheimat das erste Hotel mit direktem Blick aufs Wasser eröffnete. Die Spitzenlage zahlte sich aus. Baurs erster prominenter Gast war Franz Liszt, danach galt das Haus als erste Adresse für Prominenz. Ob Richard Wagner, König Ludwig II., Sophia Loren, Brigitte Bardot oder Daniel Craig, die Liste der Baur-Fans ist lang. So hat sich hier auch schon Kaiserin Sisi zum Schlaf gebettet, und Peter Ustinov bezeichnete das Baur sogar als sein zweites Zuhause. In keinem anderen Hotel ist die Eleganz der Schweizer Spitzen-Hotellerie so zu spüren wie in diesen ehrwürdigen Hallen, vom hölzernen Zeitungskiosk aus dem 19. Jahrhundert bis zu den Zimmern im Biedermeier- und Art Deco-Stil.

Hotel Imperiale Palace Santa Margherita, Ligurien

Auf dem Weg in das pittoreske Fischerdorf Portofino fährt man von Genua kommend durch das mondäne Hafenstädtchen Santa Margherita, in dem das imposante Hotel Imperiale Palace auf einem kleinen Hügel thront, eines der glanzvollsten Häuser der Riviera di Levante, wo wohlhabende Mailänder ihre Wochenenden verbringen. Die beeindruckende Villa aus dem 19. Jahrhundert wartet mit freskenverzierten Gästezimmern, aprikotfarbenen Vorhängen aus feinsten Stoffen und Mobiliar im Antikstil auf. 1922 wurde hier der berühmte Vertrag von Rapallo vom Außenminister des Deutschen Reiches, Walther Rathenau, und seinem russischen Amtskollegen Georgi Tschitscherin unterzeichnet. Absolutes Highlight des Grand Hotels an der Riviera ist die Panoramaterrasse, auf der man sich bei Sonnenuntergang unbedingt einen Bellini gönnen sollte.

Grand Hotel Petersberg, Königswinter

Es ist eines der Symbole der alten Bonner Republik: das Steigenberger Grandhotel Petersberg. Auf der Kuppe des Petersberges, eingerahmt von den Wäldern des Siebengebirges, steht das ehemalige Gästehaus der Bundesrepublik. Relikte aus dem vergangenen Jahrhundert, wie das Wachhäuschen, der Hubschrauberlandeplatz und schusssichere Scheiben erinnern noch immer an den Schauplatz großer politischer Begegnungen. Heute lädt der große Park zum Spaziergang ein, ohne dass die spähenden Augen des Bundesgrenzschutzes, die den Hotelkomplex in den neunziger Jahren bewachten, die Gäste verfolgen.

Mount Washington Hotel, Bretton Woods, New Hampshire

Seit hier 1944 Delegierte aus 44 Nationen den Vertrag zur Neuordung der Weltwirtschaft schlossen, scheint sich nichts verändert zu haben im 1902 erbauten Mount Washington Hotel am Fuße der White Mountains von New Hampshire. Mit seinen rot gedeckten Dächern und kleinen Türmchen wirkt das weiße Anwesen wie ein Schloss aus einer anderen Zeit. Besonders die 40 Meter lange Holzveranda, die sich um das Haus schlängelt, die knarrenden alten Dielen, die dicken Teppiche und die Badezimmerarmaturen aus der Nachkriegszeit sind Zeitzeugen einer vergangenen Epoche. Ein besonderer Charme, der aber spätestens dann verfliegt, wenn einem das Tropfen des Wasserhahns die Nerven raubt. Am Abend lädt die Hotellobby mit einem riesigen Kamin, über dem ein Elchkopf wacht, zu Gesellschaftsspielen ein. Jeans sind hier übrigens nicht erlaubt, und für die Herren gilt Jacketpflicht.

Im Four Seasons in Florenz schläft man unter beeindruckenden Fresken der Renaissance.
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