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08.02.2012, 15:31 Uhr

Buch erzählt Unbekanntes über Wiener Rathaus

Christkindlmarkt, Eistraum und Filmfestival am Vorplatz sei Dank: Das Wiener Rathaus kennen viele Touristen und so gut wie alle Wiener zumindest von außen. Kaum jemand dürfte allerdings mit der Geschichte und den Geheimnissen der gotischen Beamtenburg und des Sitzes von Bürgermeister und Stadtregierung am Ring vertraut sein. Eine großzügig bebilderte Neuerscheinung schafft nun Abhilfe.

Das von Wolfgang Wieser verfasste und von Lukas Beck fotografierte Buch "Das Wiener Rathaus - Geschichte und Gesellschaft, Architektur und Anekdoten" wartet mit teils beeindruckenden Details auf. Schon allein die Zahlen rund um die Errichtung des 1883 vollendeten und von Architekt Friedrich Schmidt verantworteten Prunkbaus verblüffen: 30 Millionen Ziegelsteine, 10.000 Kubikmeter Bruchsteine und zwei Mio. Kilo Bruchsteine kamen zum Einsatz, für Gerüste wurden 250.000 Meter Holz, 10.000 Gerüstschrauben und zum Aufziehen der Materialien u.a. 25 Doppelkräne und eine Vier-PS-Dampfmaschine verwendet.

Dass das Bauwerk nicht zuletzt den Aufstieg des Bürgertums widerspiegelt, lässt das Buch ebenfalls nicht unerwähnt. Denn einem kaiserlichen Verbot zufolge durfte kein Gebäude höher sein als die 99 Meter hohe Votivkirche, die anlässlich des Attentats auf den jungen Franz Joseph 1853 errichtet wurde. Tatsächlich misst der Turm des Rathauses lediglich 98 Meter, allerdings setzte Schmidt einen eisernen Standartenmann (Schuhgröße 63) auf die Spitze, womit die Gesamthöhe letztendlich auf 103,4 Meter kam und somit nicht nur symbolisch auf den unweiten Sakralbau, sondern auch auf das Kaiserhaus herabblickte.

Neben vielen historischen Dokumenten bringen Lukas Becks Aufnahmen sehenswerte und unbekannte Seiten des Wiener Wahrzeichens ans Tageslicht. Vor allem das Architekturkapitel ist voll mit Detailfotografien von Außenfassade, Feststiege und Prunkräumen wie dem "Roten Salon" oder dem Festsaal.

Ein diversen Kuriositäten gewidmetes Kapitel gibt u.a. darüber Aufschluss, dass der Riesenluster im Gemeinderatssitzungssaal, in dem das Stadtparlament tagt, ganze 3,2 Tonnen wiegt und man für dessen Reinigung auf eingebauten Panzerglasplatten in das Innere des monumentalen Leuchtkörpers klettern muss. Außerdem erfährt der Leser den Grund dafür, warum ein hauptberuflicher Installateur nur einige Tage lang - kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs - das Bürgermeisteramt übernahm und warum der ursprüngliche Plan einer frühen "Shopping City" rund um das Rathaus wegen mangelnden Erfolgs bald wieder fallengelassen wurde.

© APA

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Sie lesen gerade: Streifzug durch Wiens Rathaus. Neues Buch blickt hinter die Kulissen des weltberühmten Baus.