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10.04.2012, 14:09 Uhr

"Silent Hill: Downpour"

Kann Konamis einst erfolgreiche Gruselreihe "Silent Hill" endlich wieder mehr als entsetzliches Mittelmaß bieten? Nach ein paar glücklosen Fortsetzungen soll es nun das vom tschechischen Entwickler Vatra programmierte Xbox-360- und PS3-Abenteuer "Downpour" richten.

VonRobert Bannert

Und wieder mal sorgt die kleine amerikanische Spuk-Gemeinde Silent Hill dafür, dass ein psychisch kaputter Held seine ganz eigene, persönliche Gruselerfahrung erleben darf: Nach dem Mord an einem feisten Mithäftling soll der schwere Junge Murphy Pendleton in eine Hochsicherheitsanstalt überführt werden. Eigentlich ist Murphy unter all den Mördern, Halsabschneidern und Psychopathen ein echter Waisenknabe und obendrein ein ausgesprochener Musterhäftling, der vor seiner Gewalttat hätte entlassen werden sollen.

Warum er den anderen Gefangenen trotzdem niederstach und knüppelte, das klärt ein grausiger und obendrein gänzlich unfreiwilliger Ausflug nach Silent Hill. Denn: Genau dorthin verschlägt es die Ganoven und ihre Aufpasserin, nachdem der Gefangenentransport bei Nacht und Nebel von der Straße abkommt und die Böschung hinuntersaust. Als Murphy wieder zur Besinnung kommt, sind die anderen Häftlinge und der weibliche Officer, der die Bagage bewachen sollte, spurlos veschwunden, und ein wenig erklecklicher Ausflug durch den nächtlichen Wald führt Murphy schließlich nach Silent Hill.

Wissen Sie, welche weibliche Game-Figur gemeint ist? >

Infernalische Abgründe in alten indianischen Kultstätten, abschüssige Minenschächte voller Dämonen und schreienden Hexen, in Nebel gehüllte, finstere Gassen, verlassene Gebäude voller Schutt und grotesker Monstrositäten, klaffende Schluchten, die den Ort brutal zerteilen: Silent Hill ist wie gewohnt nicht unbedingt ein reizvolles Plätzchen, gewährt dem Spieler aber große Bewegungsfreiheit.

Obendrein leben hier mit Ausnahme kompostierter, schmieriger Hautsäcke nur ein paar verlorene Seelen, die mehr Phantome und Schemen als echte Menschen zu sein scheinen. Und obwohl es Protagonist Murphy zum ersten Mal in diese buchstäblich gottverlassene Umgebung verschlägt, sind Ereignisse, Gebäude und Personen, mit denen er sich konfrontiert sieht, erschreckend genau auf seine ganz persönlichen Ängste abgestimmt - ganz so, als würde das schaurige Kaff, in dem das Böse mit dem Regen kommt, jedem Besucher einen Zerrspiegel vorhalten und damit sein ganz eigenes Horror-Abenteuer bescheren.

Und anders als in den vorangegangenen Episoden "Homecoming", "Origins" und "Shattered Memories" springt der gespenstische Funke endlich wieder über: Das neue "Silent Hill" ist zwar nicht so schaurig wie zu seinen japanischen Glanzzeiten. Was die Sogwirkung angeht, hat der neue, tschechische Entwickler Vatra aber seine Hausaufgaben gemacht: Mithilfe weichgezeichneter Texturen verleiht man dem Abenteuer, das unter sporadischen Rucklern und spät nachladenden Texturen leidet, einen unwirklichen, geisterhaften Look, der allein bei den gelegentlichen Sprüngen in die "Silent Hill"-typische Höllendimension ein paar scharfe Kanten bekommt. Allerdings bleibt hier selten Zeit, sich an wegschmelzenden Wänden zu ergötzen - schon gar nicht, wenn man von einem alles verzehrenden Loch verfolgt wird.

Das stimmungsvolle Spiel mit Licht und Schatten rundet das schaurig schöne Gesamtbild gekonnt ab, bei dem selbst kleine Effekte eine große Schockwirkung haben: Ein Schwenk mit der Taschenlampe, eine teuflische Fratze in der Dunkelheit jenseits des Abgrundes, ein knarzender Boden, das lautstarke Bersten einer umgestoßenen Kiste, die hastigen Schrittgeräusche eines teuflischen Wesens, dessen kleine Fußstapfen nur mit der forensischen Lampe zu sehen sind: All das lässt selbst gestandenen Gruselexperten das Blut in den Adern gefrieren und sie panisch durch Flure rennen, die sich immer weiter in die Länge ziehen ...

Ok, die gegenüber den actionlastigeren Vorgängern deutlich reduzierten Gefechte sind immer noch recht verkrampft, plump und mitunter frustig, die Kontrollen schwammig und die Rücksetzpunkte hochgradig unfair verteilt. Der an sich verstörende Klangteppisch und der von Daniel Licht ("Dexter") komponierte Soundtrack kommen leider nur im Pro-Logic- statt Dolby-Digital-5.1-Format aus den Boxen, und einige Schieberätsel und Zahlencode-Knobeleien wurden einen Tick zu verkopft konstruiert.

Doch all das stört in Anbetracht der packenden Atmosphäre wenig: "Downpour" ist nicht nur das beste "Silent Hill" seit Langem, sondern eines der stimmungsvollsten Survival-Horror-Spiele der letzten Zeit - vor allem, weil der Horror gegenüber der Action den Vorzug bekommt und ein paar Entscheidungen spürbaren Einfluss auf die möglichen Enden haben.

Wertung

Grafik gut
Sound sehr gut
Steuerung befriedigend
Spielspaß gut
Gesamt gut

Datenblatt

Titel Silent Hill: Downpour
Genre Action-Adventure
Alter ab 18
Schwierigkeit Für Fortgeschrittene
Plattform PS3 (getestet), Xbox 360 (getestet)
System
Mehrspieler nein
Entwickler Vatra Games
Anbieter Konami
Preis ca. 60 Euro
EAN 4012927036327

© teleschau - der mediendienst GmbH

Alle News vom: 10. April 2012 Zur Übersicht: Games

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Sie lesen gerade: "Silent Hill: Downpour" im Test. Neuester Teil versucht, alte Sitten der Grusel-Serie aufleben zu lassen.