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22.07.2012, 18:12 Uhr

Wiggins gewinnt als erster Brite Tour de France

Paris (dpa) - Auf dem Roten Teppich der Champs Elysées war Bradley Wiggins am Ziel seiner Träume: Nach dreiwöchiger Schinderei präsentierte sich der 32-Jährige auf dem Pariser Prachtboulevard als erster britischer Sieger in 109 Jahren Tour de France - und sorgte zu Hause im Vorfeld der Olympischen Spiele für einen Boom ohne gleichen.

Britische Radsport-Fans ließen am Wochenende die Eurostar-Züge von der Insel nach Frankreich aus allen Nähten platzen. Die "Mail on Sunday" feierte die "berühmtesten Koteletten seit Elvis Presley".

Wiggins war überglücklich - nicht nur, weil seine Frau und die beiden Kinder bei dem historischen Triumph vor Ort waren. "Es wird eine Weile dauern, das zu verstehen", sagte er nach der Zielankunft. Auf dem Podium richtete er auch Worte an das Publikum. "Das waren Wahnsinnswochen, ein paar Träume sind wahr geworden. Kommt gut heim und betrinkt euch nicht zu sehr." Lob bekam Wiggins von Tour-Legende Bernard Hinault: "Er ist ein großartiger Sieger."

Mysteriös

Dennoch ist die 99. Frankreich-Rundfahrt keine Skandal-Tour. >

In der Endabrechnung verwies der dürre Wiggins seinen manchmal etwas aufmüpfigen Landsmann und Teamkollegen Christopher Froome (+3:21 Minuten) und den Italiener Vincenzo Nibali (+6:19) auf die Plätze. "Verdammt noch mal, ich habe die Tour gewonnen - es gibt nichts Größeres!", jubelte der dreifache Bahn-Olympiasieger, der sich sein erstes Gelbes Trikot auf der 7. Etappe geholt und bis Paris nicht mehr abgegeben hatte. Sein Erfolgsrezept hatte er vom fünffachen Tour-Sieger und einstigem Idol Miguel Indurain: überragend im Zeitfahren, mit den Besten am Berg.

Die 20. und letzte Etappe über lediglich 120 Kilometer war sportlich nur noch für die Sprinter interessant. Im Massenspurt auf den Champs Elysées unterstrich Weltmeister Mark Cavendish seinen Aufwärtstrend und zog mit insgesamt drei diesjährigen Tageserfolgen mit André Greipel gleich. Der gebürtige Rostocker, der zuvor in Rouen, St. Quentin und Cap d'Agde triumphiert hatte, musste mit Rang acht zufrieden sein. Cavendish hingegen gewann zum vierten Mal die Schlussetappe.

Allerdings kann sich Greipel schon am 28. Juli revanchieren, wenn die beiden schnellsten Sprinter der Welt beim olympischen Straßenrennen in London wieder die Klingen kreuzen. Selbst Wiggins, der die beiden langen Zeitfahren in Besancon und Chartres gewonnen hatte, hatte sich im Gelben Trikot für seinen Teamkollegen Cavendish bei den direkten Sprint-Vorbereitungen ins Zeug gelegt.

Abgesehen vom bärenstarken Auftritt des Kraftpakets Greipel war die Tour aus deutscher Sicht vor allem vom Pech des Zeitfahr-Weltmeisters Tony Martin geprägt. Der Wahlschweizer stieg mit gebrochener Hand in Besancon aus und bereitet sich seitdem mit zusammengebissenen Zähnen auf den 1. August vor. Im olympischen Zeitfahren will der 27-Jährige versuchen, trotz seines Handicaps auf Augenhöhe mit Olympiasieger Fabian Cancellara und Wiggins um Medaillen zu kämpfen. "Cancellara, der die Tour auch früher, aber unverletzt verließ, ist der Topfavorit", meinte Martin.

Eine starke Tour - wenn auch auf anderer Ebene - fuhr Christian Knees. Der Bonner war Teil der wie geschmiert laufenden Maschine des überragenden Sky-Teams von Wiggins. 45 Jahre nach dem Drogen-Tod des Engländers Tom Simpson auf dem Mont Ventoux war der Tour-Sieger über seinen Helfer Knees voll des Lobes. Auch der älteste Tour-Starter Jens Voigt machte wieder von sich reden und hätte auf der 10. Etappe fast seinen insgesamt dritten Tagessieg perfekt gemacht. In Bellegarde-sur-Valserine wurde der 40-Jährige, der auch im nächsten Jahr noch fahren will, Dritter in einer Ausreißergruppe.

Seine Equipe RadioShack hatte es von Beginn an nicht leicht. Wegen laufender Ermittlungen gegen Lance Armstrong war der mitangeklagte Teammanager Johan Bruyneel erst gar nicht nach Frankreich gekommen. Dann folgte der Schock um die positive Doping-Kontrolle bei Fränk Schleck, dem ein Diuretikum nachgewiesen worden war. Der Dritte von 2011 verließ die Tour am zweiten Ruhetag.

Voigts und Schlecks Teamkollege Andreas Klöden blieb - auch, weil die nötige Unterstützung fehlte - unter seinen Möglichkeiten. Trotzdem reichte es in der Endabrechnung in Paris nach 3497 Kilometern zu Rang elf (+17:54) und damit zur besten Platzierung unter den 13 deutschen Tour-Startern. Die große Entdeckung neben Froome war der Slowake Peter Sagan, der sich bei seiner ersten Tour drei Etappen und das Grüne Trikot sicherte.

Alle News vom: 22. Juli 2012 Zur Übersicht: Sport

20 Meinungen zu "Wiggins gewinnt Tour de France"

  • Kieran
    Mittwoch, 01.08.2012, 16:10 Uhr
    Gebt das Doping endlich frei. Dann wird es keine weiteren Dopingskandale geben. Denn nur Verbote reizen die Leute. Also legalize it. Dann werden die Leute schon selbst mit dem Mist aufhören. Doping ist nämlich ungesund.
  • chrshp
    Montag, 23.07.2012, 16:17 Uhr
    @theIron Du hast Recht. Ganz klar. Wo Geld beteiligt ist wird gelogen und betrogen. Allerdings tritt es bei anderen Sportarten eben nicht so in die Öffentlichkeit, wie ausgerechnet bei der Tour de Dope.
  • WehFrage
    Montag, 23.07.2012, 11:41 Uhr
    Chapeau Mr. Wiggins! Starke, um nicht zu sagen gigantische Leistung. Dazu noch wirklich gentleman-like sportlich, am Tag mit den Reißnagelattentaten den Zug zu bremsen und nicht die Pannen sabotierter Konkurenten auszunutzen. Das Gejaule der Selbstgerechten die sich hier über Betrug echauffieren um dann bei anderen (mehr oder weniger) sportlichen Höchstleistungen zu jubeln, sei es Olympia oder Fussball (oder was auch immer) ist nicht nur lächerlich sonder schon peinlich. Das sind offenbar die Leute die sich wirklich verdummen lassen (wollen). Nützliche Idioten derer, die von ihren eigenen Sauereien ablenken. Ein gebetsmühlenartiges Wiederholen von Tour de Farce, de dope oder oder macht solche Äusserungen auch nicht geistreicher. Und für alle die meinen Kommentar (bis jetzt) nicht verstehen: Nein, ich würde für keinen Radfahrer meine Hand ins Feuer legen. Aber auch für sonst keinen Sportler, egal ob er Bälle oder Gaspedale tritt (letztere bescheissen halt oft mit der Technik ihrer Autos wenn sie selbst nichts schlucken). Und ich find es gar nicht gut was in den Bereichen so abläuft. Aber Fakt ist: Radfahrer sind die mit am härtesten kontrollierten Sportler. Und schuldig ist jemand erst wenn er überführt und verurteilt ist. Schade daß eigentlich jede sportliche Leistung immer einen Beigeschmack hat und Zweifel aufwirft.
  • badfan
    Montag, 23.07.2012, 10:27 Uhr
    Wie TheIron schon schrieb, ist das in jeder Profi-Sportart so. Nur der Radsport steht permanent am Pranger.
  • horatio60
    Montag, 23.07.2012, 10:23 Uhr
    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das ein Mensch ohne Doping diese Strapazen erträgt, geschweige den ohne irgendwelche Schäden übersteht. Icvh bin der Meinung das die meisten die Vorne mitfahren das nur mit Hilfe von Medikamenten macht.
  • TheIron
    Montag, 23.07.2012, 10:09 Uhr
    Hier ist mal wieder ein Haufen von Deppen unterwegs. Glaubt ihr wirklich, dass nur Radsportler soviel dopen? In jedem Spitzensport ist das so. Sogar Formel 1 Fahrer nehmen Ritalin, Koffein usw. um ihre Konzentration zu steigern. Also informeirt euch zuerst besser, bevor ihr so das Maul aufreißt.
  • Unsymphatisant
    Montag, 23.07.2012, 10:06 Uhr
    Natürlich lebt die Tour weiter. Denn sie bringt Einschaltquoten, Medienrummel, Publicity und viel viel Geld.
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