Statt Action-Blockbustern wie "Con Air", Liebesfilmen wie "Stadt der Engel" und intelligent-absurden Kleindramen wie "Adaptation" drehte der 48-Jährige in den letzten Jahren aber vermehrt mediokre Fantasybanalitäten, von "Das Vermächtnis der Tempelritter" bis "Duell der Magier". Diese fragwürdige Produktivität, mutmaßen Kritiker, mag an seinen Schulden liegen, die er sich durch falsche Freunde und Immobilienspekulationen einhandelte. Im Interview zu seinem neuen Actionfilm "Ghost Rider: Spirit Of Vengeance" entpuppt sich Cage jedoch als offenherziger Entertainer, der zu seinen Entscheidungen steht.
Mr. Cage, Ihr Filmcharakter Johnny Blaze schloss einen Pakt mit dem Teufel ab, um zum Ghost Rider zu werden. Glauben Sie selbst an den Teufel? Oder an Gott?
Nicolas Cage: Ich glaube an Gott. Aber ich bin eher ein Sucher. Ich bin jemand, der glaubt, dass man vor jedem Respekt haben sollte, der seinem Glauben vertraut. Ich versuche, einen Geist des Friedens in mir zu tragen. Es gibt kein Recht, die Religionen Anderer zu verurteilen, ob nun Buddhismus, Islam oder Christentum. Jeder hat ein Recht zu glauben, was er will.
Verglichen mit Ihrem Charakter Johnny Blaze: Gibt es für Sie auf der Welt mehr Böses oder Gutes?
(überlegt) Nun, ich denke, dass ultimativ alles gut ist. Der Ghost Rider etwa ist wie ein Waldbrand. Er kommt rein und zerstört alles, aber danach wächst es wieder und macht Platz für neues Leben. Das ist gewissermaßen ein Teil der Natur. Ich bin kein Soziologe und möchte auch nicht zu philosophisch mit Ihnen sprechen. Aber ich glaube, das Böse ist die Freude am Leid eines Anderen. Wenn jemand sich daran ergötzt, dass ein Kind verletzt wird - das ist das Böse.
Wenn Sie wählen könnten, wären Sie gerne ein Superheld wie der Ghost Rider: böse, aber gut?
Er ist der einzige Superheld, den ich kenne, der von Goethe inspiriert wurde. Er ist ein faustischer Charakter, der einen Vertrag mit dem Teufel eingeht. Das ist alles eine Metapher für mich. Als Achtjähriger fiel es mir schwer, die Comicgrundlage anzusehen und zu verstehen, warum jemand scheinbar Böses benutzt, um Gutes zu tun. Und wenn Sie sich meine Filme anschauen - fast überall sehen Sie kaputte Charaktere, die versuchen, ihre Hürden zu überwinden. Der Ghost Rider war also die passende Rolle für mich. Es ist eine Metapher: Wir alle machen Fehler, das liegt in der menschlichen Natur.
Haben Sie Ihrem Sohn Kal-El erlaubt, den Film zu sehen? Er ist ja im gleichen Alter wie Sie, als Sie die Comics entdeckten.
Ich zeige meine Filme nicht in meinem eigenen Haus. Ich weiß, dass die Leute anders von mir denken, aber ich versuche, es zuhause so normal wie möglich zu halten. Ich will nicht, dass er meine Filme sieht. Die würden ihn nur verwirren.
Und wenn der Fernseher an ist und zufällig einer Ihrer Filme läuft?
Dann mache ich ihn aus.
Er hat noch nie dagegen protestiert?
Nein. Den einzigen Film von mir, den er mal sah, war ein animierter Film namens "The Ant Bully".
Weiß Kal-El, dass er nach dem kryptonischen Namen von Superman benannt ist?
Ja, weil er das Comic entdeckt hat. Lag irgendwo im Haus rum. Kal-El ist ein hebräischer Name und heißt "Stimme Gottes". Das ist doch zauberhaft. Und wenn man sich die Welt, besonders die der Unterhaltung, anguckt, tauchen die Buchstaben E und L immer wieder auf: Elton John, Elvis Presley, Elmo von der Sesamstraße - sie alle haben magische Dinge getan!
Sind Sie ein Superheld für Ihren Sohn?
Das würde ich selbst nicht sagen! Ich bin einfach Dad.
Ein Dad mit einer großen Faszination für Comics. Sie sollen ein fast schon ein akademisches Interesse daran haben.
Ja, ich mag Popkultur. Aber das mit den Comicbüchern wurde überproportional aufgeblasen. Ich liege nicht mit einer Kiste Zitronenkekse bis 3 Uhr nachts wach und lese "Spiderman". Aber ich mag diese Kunstform sehr, weil ich schätze, wofür sie steht. Das Comicbuch ist das, was mir in meiner Kindheit half, aus meiner gewohnten Umgebung zu flüchten. Die farbenfrohen Charaktere, die Geschichten, die sie durchlebten, um ihre eigenen Grenzen zu überwinden, gaben mir eine gewisse mythologische Identität. Als Kind war ich an vielen Tagen Hulk. Wie eine Flucht in meine Fantasie.
In "Ghost Rider" fahren Sie viel Motorrad. Was für ein Fahrer sind Sie selbst?
Ich fahre viel zu schnell, weshalb mich die Versicherung nicht mehr fahren lässt.
Bitte?
Mir ist es aufgrund meines Versicherungsvertrags rechtlich untersagt. Ich darf nur Motorrad fahren, wenn ich arbeite.
Sie machen Scherze!
Nein, das meine ich ernst. Auch wenn es heute schon ein paar Lacher gab, habe ich über nichts Scherze gemacht. Alles, was ich Ihnen erzähle, ist die hundertprozentige Wahrheit.
Für "Leaving Las Vegas" erhielten Sie einen Oscar. Was bedeutete Ihnen diese Auszeichung, und welchen Platz nimmt der Oscar bei Ihnen heute ein?
Als ich "Leaving Las Vegas" drehte, sagte man mir, dass ich niemals einen Oscar gewinnen würde. Dann passierte es doch. Ich mache Filme nicht wegen der Preise. Das wäre der falsche Weg. Ich weiß auch, dass ich einen Weg gewählt habe, der viele Kritiker anpisst. Aber es heißt ja auch: Wenn du die Kritiker nicht anpisst, machst du irgendwas falsch.
Werden Ihnen ernsthaftere Rollen nicht mehr angeboten oder lehnen Sie sie ab?
Wenn Sie sich meine jüngere Filmografie anschauen, gibt es da schon noch dramatischere Arbeiten wie etwa "World Trade Center" oder "Lord Of War". Die so genannnten Popfilme aber stellen sie in den Schatten, wenn man so will, weil mehr Leute sie sehen.
Was war Ihre größte Fehlentscheidung - nicht nur in Bezug auf Ihre Arbeit?
Unglücklicherweise sind die meisten meiner Geheimnisse sehr, sehr öffentlich. Ja, ich gebe es zu: Ich vertraute Leuten, denen ich besser nicht vertraut hätte. Und ich wurde in Richtungen gedrängt, die mir so nicht bewusst waren. Es sind aber nur ein Fehler, wenn ich daraus nicht lerne. Das Auf und Ab machte mir meine Arbeit nur noch interessanter. Solange ich von meinen Erfahrungen lerne, ist alles gut.
Machen Sie deshalb seit geraumer Zeit einen Bogen um den roten Teppich?
Das ist Ihnen aufgefallen? Ja, es stimmt: Ich habe ein fundamentales Problem mit meinem Business und dem, was ich mache. Es ist ein unauflösbares Dilemma, konstant daran arbeiten zu wollen, ein besserer Mensch zu werden und andererseits in einer Branche sein Geld zu verdienen, die von nichts anderem als Eitelkeiten vorangetrieben wird. Ich will nicht der Kerl sein, der seinen Anzug auf einem roten Teppich zeigt und über sich selbst spricht. Natürlich tue ich das auch heute in diesem Moment - weil ich möchte, dass Sie sich den Film ansehen und darüber sprechen. Dann macht es auch Spaß. Hollywood und all die Paparazzi aber sind das Gegenteil von dem, was ich als Mensch sein will.
Wie möchten Sie denn sein?
Ich möchte mehr mit Amnesty International arbeiten. Mehr Zeit für Kontemplation haben. Und hoffentlich eines Tages mit dem Schreiben anfangen. Fiktion. Das ist meine Hoffnung.
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32 Meinungen zu ""Habe den Falschen vertraut""
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studienrat
Donnerstag, 22.03.2012, 13:16 Uhr OMG, ich bin immer wieder erstaunt, dass Leute Con Air oder The Rock gut finden... Aber egal Geschmäcker sind verschieden.... Der gute Nic hat verdammt viel gute Filme gemacht und ich kann mir vorstellen, dass es schwierig ist, nur anhand des Drehbuches zu wissen, wie schlecht/gut nachher das Endprodukt Film ist. Lords of War, Windtalkers, Leaving Las Vegas, Birdie... Mehr fallen mir bestimmt später noch ein... -
SomeSay
Donnerstag, 23.02.2012, 17:58 Uhr Also ich finde Nicolad Cage ist ein verdammt guter Schauspieler und ich freue mich schon auf seinen neuen Film!!! -
DyingSoul
Donnerstag, 23.02.2012, 16:19 Uhr You don't say ?!? -
a0b0c
Donnerstag, 23.02.2012, 15:49 Uhr was für ein scheiß interview er schloß einen pakt mit dem teufel um seinen vater zu retten iditoisches geschreibsel -
M83M84
Donnerstag, 23.02.2012, 11:32 Uhr Das Problem ist auch das Cage in vielen Filmen einfach unterfordert ist. -
Sancho5
Donnerstag, 23.02.2012, 11:25 Uhr dingdong35: Also jetzt würde ich wirklich gerne wissen, wen du so bevorzugst :) -
Mudhoney
Donnerstag, 23.02.2012, 11:10 Uhr ich mag nicolas cage, einer der größten schauspieler der letzten 20 jahre. doch außer in kick-ass hat er in den letzten jahren nur in schwachsinnigen, unter seinem niveau liegenden filmen mitgewirkt. schon der erste ghostrider war lächerlich. aber klassiker wie con air, face/off oder lord of war bleiben unvergessen.


