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17.09.2011, 08:06 Uhr

Pearl Jam - Pearl Jam Twenty

Jener kleine, stille Moment, in dem Kurt Cobain und Eddie Vedder zu Claptons "Tears In Heaven" gemeinsam tanzen, stellt alles auf den Kopf. Sicher, Nirvana und Pearl Jam waren Rivalen in jener Zeit. Die sich nicht immer blendend verstanden. Und doch sei da so etwas wie Freundschaft gewesen, sagt Cameron Crowe, der es wissen muss. Vor allem mit Pearl Jam und Frontmann Eddie Vedder ist er seit jeher verbunden. "Pearl Jam Twenty" heißt die Rock-Doku zum 20-jährigen Jubiläum, die der Regisseur nun gefertigt hat. Sie ist in einigen deutschen Kinos zu sehen und erscheint Ende Oktober auf DVD. Schon jetzt erscheint das gleichnamige Jubiläumsalbum auf dem Markt - der Soundtrack zum Film.

Von Kai-Oliver Derks

Anders als die meisten Rock-Dokumentationen beschränkte sich Crowe nicht auf einen einzelnen Auftritt, sondern durchforstete das Gesamtwerk der Band. Eine Mammutaufgabe, 700 Stunden Material sollen ihm dem Vernehmen nach vorgelegen haben. Und so ist dieses Album vor allem eine Zeitreise, aber auch eine Weltreise geworden, die 1992 beginnt, ein Jahr nach der Gründung von Pearl Jam. Unter anderem mit einer Aufnahme von "Why Go" vom Debütalbum "Ten", die in der Markthalle in Hamburg entstand.

Ein exemplarisches Beispiel für das Besondere an dieser CD. Es geht hier nicht um das klanglich beste Material, nicht (nur) um die großen Bühnenmomente. Album wie auch Doku wollen die Entwicklung der Band beschreiben. Beginnend beim damals gefragten rüden, trashigen Grunge hin zum runden perfektionierten Rock, der immer noch den Beinamen Alternative verdient. Bei vielen Songs spielen zudem die Zuhörer eine wichtige Rolle. Auch sie, so zeigt sich, üben noch, kennen nicht alles auswendig, lassen sich überraschen. Bei Songs wie dem 1992 in der Schweiz aufgenommenen "Garden" sind sie permanent quasselnd im Hintergrund zu hören - so als spiele eine Nachwuchsband in irgendeiner Rockbar.

Natürlich ein Schatz: die erste existierende Aufnahme von "Alive", die bereits im Dezember 1990 entstand. Im Moore Theatre in Seattle hatten sich Freunde und Familien der Band versammelt. Und mit dabei: Cameron Crowe, der von einem "schüchternen neuen Sänger" berichtet, der durch die "Kraft seiner Überzeugungen" beeindruckte. An diesem Abend, so heißt es, hätten alle begonnen daran zu glauben, dass dies wirklich funktionieren könnte.

Mit im Paket dieses Soundtracks ist eine zweite CD, auf der sich rare Aufnahmen und Demos befinden. Unter anderem "Say Hello 2 Heaven" (1990) und "Times Of Trouble" von Chris Cornells Band Temple Of The Dog, aus der später Pearl Jam resultierte. Interessant auch: eine akustische Interpretation von "It Ain't Like That" (Alice in Chains). Und aus der Neuzeit: "Better Man", aufgenommen im Mai 2010 im Madison Square Garden in New York. Eddie Vedder beginnt, die Menge setzt fort. Und gemeinsam tragen sie eines der schönsten neueren Lieder der Band ins Ziel. Gut sechs Minuten, die auf eindrucksvolle Weise erklären, warum Pearl Jam das wurden, was sie sind: eine der besten Rockbands aller Zeiten.

Bewertung: Meisterwerk

Pearl Jam

Titel: "Pearl Jam Twenty"
Label: Sony
Vertrieb: Sony
Erscheinungstermin: 16.09.2011
EAN-Code: 0886979603523

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