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29.10.2011, 08:10 Uhr

Justice - Audio, Video, Disco

Vor vier Jahren hätte nicht viel gefehlt und Gaspard Augé und Xavier de Rosnay hätten Daft Punk den Rang als French-House-Pioniere ablaufen können. Mit ihrem Grammy-nominierten Debütalbum "Cross" schafften die Pariser DJs Gaspard Augé und Xavier de Rosnay alias Justice nämlich das, was ihren Landsleuten Anfang der Nuller-Jahre das erste Mal von Frankreich aus gelang: die Überführung einer europäisch-elektronischen Subkultur in den weltweiten Mainstream. Tracks wie "D.A.N.C.E." oder "Let There Be Light" sind seither aus den Clubs nicht mehr wegzudenken, funktionieren aber auch als Popsongs. Mit dem Nachfolger "Audio, Video, Disco" wollen Justice dorthin, wo Daft Punk schon waren: in die Stadien der Welt.

Von Thomas Mehringer

Glücklicherweise wollen sie das nicht mit einer Kopie des erfolgreichen Debüts, was durchaus nachvollziehbar wäre. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen wäre ja vielleicht die überharten, intensiven Knaller wie "Stress" oder "Waters Of Nazareth" in zehnfacher Geschwindigkeit abzuspielen. Aber nein: Entschleunigung ist das Motto. Momentan überhaupt in der elektronischen Szene sehr angesagt, schalten Justice mindestens zwei Gänge zurück. Festzustellen ist zudem eine gewisse Annäherung an den Soft-Pop ihrer Landsleute Air, deutlich wahrzunehmen auf der gleichnamigen Single "Audio, Video, Disco" oder auf dem hymnischen "Parade". Was den Nebeneffekt haben dürfte, dass nach der Verwendung der Vorabsingle "Civilization" in einer Adidas-Werbekampagne weitere Markenartikler anklopfen können.

Ihr Ziel auf "Audio, Video, Disco" sei es, so Justice, Elemente des Prog-Rock und Pop in elektronische Musik zu transformieren. Komisch nur, dass ihr Debüt einen viel progressiveren Eindruck hinterlässt als ihr Zweitling. Freilich erahnt man, welche Bands beim Produzieren gehört wurden: The Who werden ungeniert in "New Lands" zitiert, in "Brianvision" denkt man an das Gitarrenspiel von Queens Brian May und bei den Tracks, die von Gastsängern wie Ali Love ("Civilization") oder Vincenzi Vendetta von den Midnight Juggernauts ("Ohio") intoniert werden, erkennt man den Disco-Sound der frühen 80-er.

Alles in allem ist "Audio, Video, Disco" eine einzige Referenzraterei - und - wenn man so will - ein vorläufiges, populäres Best-Of ihres Disco-House-Prog-Portfolios. Damit ziehen sie zwar noch nicht mit Daft Punk gleich. Aber so lange sich diese mit pompösen Livealben und halb garen Soundtracks ("Tron Legacy") die Zeit vertreiben, bleiben Justice die hellste Disco-Leuchtreklame, die Frankreich zu bieten hat.

Bewertung: überzeugend

Justice

Titel: "Audio, Video, Disco"
Label: Warner
Vertrieb: Warner
Erscheinungstermin: 28.10.2011
EAN-Code: 0825646640324

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