Zur mobilen Ansicht wechseln

20.06.2012, 15:57 Uhr

Energieprojekt: Forscher machen Gras zu Geld

Kassel/Lauterbach (dpa) - Aus Grashalmen Geld machen - einen Ansatz dafür haben Wissenschaftler der Uni Kassel gefunden. Kernstück des Energie-Projekts "Prograss" ist eine Maschine, die sich in zwei Containern auf einem Sattelschlepper transportieren lässt.

Mit der Anlage werden aus Silage - gärendem Grünfutter - Strom, Wärme und vor allem Pellets als vermarktbarer Festbrennstoff gewonnen.

Das Grün aus Mittelgebirgslandschaften wie dem Vogelsberg in Hessen oder überfluteten Grünlandflächen an Flüssen hat demnach das Potenzial zum wertwollen Rohstoff. Die Forscher wollen noch einen weiteren Nebeneffekt erzielen: Artenreiche Kulturlandschaften sollen erhalten, Wiesen und Weiden vor dem Zuwuchern bewahrt, der anfallende Grünschnitt sinnvoll genutzt werden.

"Unsere Erwartungen wurden absolut erfüllt, die Technik funktioniert, und die Anlage arbeitet wirtschaftlich", bilanziert Michael Wachendorf bei der Präsentation erster Ergebnisse am Mittwoch in Lauterbach. Die Brennstoffqualität der Pellets sei gut und liege auf dem Niveau von Holzhackschnitzeln. "Wir machen mit Naturschutz Geld und erzeugen alternative Energien."

In der Anlage wird das zu Ballen gebundene Gras zu Biogas verarbeitet. Dieses erzeugt in einem Blockheizkraftwerk Wärme und Strom. Die bei der Gaserzeugung anfallende Wärme wird verwendet, um Pellets zu trocknen. Diese können als Festbrennstoff gelagert, verwendet und verkauft werden.

Nach mehr als drei Jahren Forschung - unter anderem in Wales und Estland - sei die Anlage nun marktreif. "Jetzt müssen wir sie als nächstes einem realwirtschaftlichen Belastungstest unterziehen. Wir müssen schauen, wie sich der Betrieb in größerem Maßstab rechnet", erklärt Lorenz Kock, Projektpartner im Amt für den ländlichen Raum im Vogelsbergkreis. Geeignete Standorte würden bereits gesucht, erste Interessenten seien vorhanden.

Projektleiter Wachendorf erklärt, dass man die Anlage auch an ein Klärwerk "andocken" könne. "Futter" für solche Biomasse-Anlagen wäre reichlich vorhanden: Die europäischen Grünlandflächen umfassen etwa 90 Millionen Hektar, sie stellen mindestens ein Drittel der gesamten Landwirtschaftsfläche, wie aus dem Projekt-Bericht hervorgeht. Grünland bedürfe Pflege, es gebe aber immer weniger Landwirte, argumentieren die Forscher. Und die Energiebilanz der Anlage sei deutlich besser als bei herkömmlichen Biogasanlagen.

Alle News vom: 20. Juni 2012 Zur Übersicht: Wissen

2 Meinungen zu "Aus Grashalmen Geld machen"

  • topeka
    Montag, 25.06.2012, 12:20 Uhr
    einfach ist hier Definitionssache man braucht einen komplett neuen Brenner; ich habe mir vor 7 Jahren eine Pelletsheizung gekauft; die war deutlich teurer als eine Ölheizung, aber der Brennstoff ist günstiger Die Pelletskessel würden natürlich bei entsprechender Stückzahl auch im Preis sinken
  • meiomei
    Mittwoch, 20.06.2012, 17:50 Uhr
    Super!! Zeigt es doch tatsaechlich, dass es zu Atomstrom und Oel/Gasimport wirkliche Alternativen gibt. Wenn man nur wirklich will und sich anstrengt/anfangs unterstuetzt wird. In Frankreich wird zu einem wahnsinnig grossen Teil mit Elektroheizungen mit Atomstrom geheizt (weil Atomstrom ja sooooo billig ist). Mit dieser jetzt erforschten neuen Technik koennte D zu einem grossen Teil mit Pellets heizen, die Umstellung der Heizoefen von Oel auf Pellets ist meines Wissens auch relativ einfach.
RegenbogenQuiz

Testen Sie Ihr Wissen zum Himmelsphänomen. >

IceCube

Tief in der Arktis: Hinweise auf extra-galaktische Neutrinos. >

"Herwig" wiegt 250 Kilo. (Symbolbild)

Österreichs größter Braunbär durchstreift sein Revier. >

Eizelle

Menschliche Zellen in embryonale Stammzellen umgewandelt. >


Internet Made in GermanyIhr GMX-Postfach ist grünGMX unterstützt Unicef

Sie lesen gerade: Aus Grashalmen Geld machen. Energieprojekt bringt Naturschutz und Profit unter einen Hut.