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27.05.2012, 10:25 Uhr

Die Golden Gate Brücke wird 75

San Francisco (dpa) - Schöner könnte sie mit 75 Jahren kaum sein: Aus gutem Grund ist die Golden Gate Bridge die meist fotografierte Brücke der Welt. Kühn schwebt die einst längste Hängebrücke der Welt über der breiten Meeresenge am Eingang zur Bucht von San Francisco.

Im glänzenden "International Orange" strecken sich die beiden Art-déco-Türme über dem tiefblauen Pazifik 227 Meter hoch in den Himmel. Es hätte ganz anders kommen können. Vor dem Baubeginn stritten sich die Experten, ob die tückischen Strömungen und der enorme Weg überhaupt zu bezwingen seien. Nicht unter astronomisch teuren Baukosten von 100 Millionen Dollar, spekulierten andere. Und hätte sich die Marine durchgesetzt, so wäre die Brücke aus Sicherheitsgründen heute schwarz-gelb gestreift.

Am Ende setzte sich ein schmächtiger Ingenieur von knapp 1,60 Metern Größe mit seinem kühnen Konzept, Ausdauer und Überzeugungskraft durch. Joseph Baermann Strauss, geboren 1870 im US-Staat Ohio, siegte über den heftigen Widerstand von Fährleuten, die Skepsis von Geldgebern und Politikern und die wirtschaftlichen Zwänge der Großen Depression. Für 33 Millionen Dollar stampfte er mit 1500 Arbeitern die grandiose Konstruktion unter schwierigsten Bedingungen in gut vier Jahren aus dem Boden.

"Das mächtige Werk ist vollbracht", erklärte der Nachfahre deutscher Einwanderer bei der feierlichen Eröffnung am 27. Mai 1937 stolz. 200 000 Menschen spazierten zu dem Anlass über die Golden Gate Brücke, rund 50 000 Hotdogs wurden an die Schaulustigen verkauft, listet das Archiv der Brückenverwaltung auf. Eine Woche lang feierte die Stadt, seitdem gab es für die Brücke keine ruhige Minute mehr.

Mehr als 10.000 Fußgänger jeden Tag

Täglich passieren bis zu 6000 Radfahrer, mehr als 10 000 Fußgänger und jährlich über 40 Millionen Autos das Bauwerk. Wenn die Stadt San Francisco am 27. Mai den 75. Geburtstag ihres Wahrzeichens feiert, werden Hunderttausende Schaulustige erwartet. Gefeiert wird entlang der Uferpromenade mit historischen Paraden, Ausstellungen, Zeitzeugen und einem großen Feuerwerk, dass von der Brücke aus gezündet wird.

Einen Fußgängertag, wie am 50. Geburtstag, als über 300 000 Menschen von beiden Seiten auf die Brücke strömten, gibt es nicht. Damals zitterten die Nerven der Besucher und Veranstalter, als die gewöhnlich leicht nach oben gewölbte Trasse unter der schweren Last flach gedrückt wurde.

Bewegung um mehrere Meter

Brückenmaler Dennis "Rocky" Dellarocca, der seit 28 Jahren die Brücke mit Farbe in Schuss hält, vertraut der Konstruktion. "Sie kann sich bei starken Winden mehrere Meter seitlich und nach oben und unten bewegen", erzählt der Maler aus Erfahrung. "Ich fühle mich auf der Brücke total sicher. Sie musste erst drei Mal bei starken Stürmen geschlossen werden".

Mit einer Spannweite zwischen den Pfeilern von 1280 Metern war sie viele Jahre die längste Hängebrücke der Welt. Erst 1964 stahl ihr New Yorks Verrazano Narrows Bridge den Titel. Seit 1998 hat die japanische Akashi-Kaikyo-Brücke mit 1991 Metern Spannweite die Nase vorn.

Die beiden mächtigen Hauptkabel - im Durchmesser knapp einen Meter dick und nach einem Patentverfahren des deutschen Einwanderers John Roebling aus 129 000 Kilometern Draht gesponnen - halten die sechsspurige Fahrbahn in der Schwebe.

Der "Auf halbem Weg zur Hölle"-Club

Strauss war nicht nur ein ausgezeichneter Ingenieur sondern auch ein Sicherheitsexperte. Als die Hängekabel angebracht werden sollten, ließ er ein teures Auffangnetz installieren. 19 Arbeiter wurden nach Stürzen, die sonst tödlich verlaufen wären, aufgefangen. Sie scherzten damals, dass sie nun dem "Auf halbem Weg zur Hölle"-Club angehörten. Insgesamt kamen dennoch elf Arbeiter ums Leben.

Noch immer fordert die Golden Gate Brücke Opfer, sie zieht Selbstmörder magisch an. Über 1000 Menschen haben sich durch den Sprung aus einer Höhe von 70 Metern das Leben genommen, der Erste bereits drei Monate nach der Eröffnung. Rund zwei Dutzend Menschen stürzen jedes Jahr in den Tod, die genauen Zahlen werden aber nicht bekanntgegeben. Seit Jahrzehnten wird der Bau einer Schutzvorrichtung diskutiert. Nach den jüngsten Plänen will die Brückenverwaltung an dem Geländer ein Fangnetz aus Stahl anbringen, allerdings müssten noch 45 Millionen Dollar (35 Millionen Euro) dafür beschafft werden, erklärt Brückensprecherin Mary Currie.

Neuer Pavillon für Besucher

Für den Geburtstag wünscht sich Currie nur, dass die Besucher keine verrückten Ideen haben. "Es sind schon mal Leute mit einem Bungeeseil und mit Drachen abgesprungen, aber wir hoffen, dass niemand so etwas versucht".

Rechtzeitig für das Jubiläum haben die Betreiber für die Millionen Touristen noch ein dauerhaftes Geschenk. Es gibt einen neuen Besucherpavillon auf dem Brückenvorplatz mit vielen Informationen, historischen Artefakten und Andenken. Erstmals können Interessierte auch bei geführten Touren mitmachen, darunter nächtlichen Ausflügen auf die Brücke, die dann eigentlich schon für Fußgänger gesperrt ist. Neu ist auch eine Fotoattraktion mit witzigen Schnappschüssen, etwa von sich auf der Turmspitze. "An nebligen Tagen, wenn man nichts von der Brücke sieht, mag das dein einziges vernünftiges Foto sein", grinst Currie.

Alle News vom: 27. Mai 2012 Zur Übersicht: Wissen

6 Meinungen zu "Happy Birthday, Golden Gate!"

  • MisterPerfect
    Dienstag, 29.05.2012, 07:03 Uhr
    Na da haben wir in den Golden Gate Artikeln mal wieder schön abgekäst. Natürlich ist sie die bekanntere Brücke und auch viel schöner etc. Allerdings ist die kurz vorher fertiggestellte bay bridge deutlich größer! @Puma Mit dem Heli das dürfte schwierig werden, allerdings kannst du mit dem rocket boat drunter durch fahren ;-)
  • Puma1949
    Montag, 28.05.2012, 13:31 Uhr
    Ich liebe Brücken, je spezieller, umso mehr. An sich zieht es mich nicht nach N.Y. aber die Golden Gate und die Verrazano Narrows möchte ich doch noch sehen. Am allerliebsten aus halber Höhe mit dem Heli... Wenn nicht im Hintergrund mein Budget gar so laut "Njet!" schreien würde :-D Im Ernst, die Brücke ist heute noch eine tolle Konstruktion, verglichen mit anderen, zur Zeit ihrer Errichtung muss sie an ein Weltwunder gegrenzt haben. Na dann - auf die nächsten Jahrzehnte!
  • amfi747
    Sonntag, 27.05.2012, 17:23 Uhr
    Wir sind von SFO ab der Mautstation über die Brücke rüber nach Sausalito gelaufen und von dort mit der Fähre zurück nach SFO. Innerhalb der ca. 3km fiel Temperatur über dem Wasser um ca 10 Grad bei kaltem Pazifikwind und abwechselnd Nebel und Sonne. Unter der Brücke die Schiffe. Ist irgendwie ein Erlebnis und SFO als Stadt mehr als einen Besuch wert.
  • Alex96
    Sonntag, 27.05.2012, 15:56 Uhr
    Ein wunderschönes Bauwerk! Ich hoffe, dass ich es in meinem Leben noch "live" sehen darf.. :)
  • arminosaeure
    Sonntag, 27.05.2012, 13:24 Uhr
    Eines der schönsten Bauwerke, welche die Menschheit errichtet hat. Hoffentlich bleibt sie noch vielen, vielen Generationen von Bewunderern in aller Welt erhalten.
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