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31.05.2012, 10:25 Uhr

Raffaels Sixtina im Fokus der Attraktivitätsforschung

Dresden/Regensburg (dpa) - Die besondere Ausstrahlung machte Raffaels "Sixtinische Madonna" weltberühmt. Ein Psychologe näherte sich dem Geheimnis ihrer Attraktivität nun wissenschaftlich - mit interessantem Ergebnis.

Raffaels "schönste Frau der Welt" wäre auf den Laufstegen des 21. Jahrhunderts ohne Chance. Mit ihrem Kindchen-Gesicht entspreche die "Sixtinische Madonna" zwar noch dem geltenden Schönheitsideal, sagte der Regensburger Psychologe Martin Gründl der Nachrichtenagentur dpa. Als Model aber tauge sie nicht. "Für den Geschmack in den westlichen Industrieländern ist sie zu kräftig gebaut."

Gründl hat das weltberühmte Dresdner Bild aus dem 16. Jahrhundert nach Maßstäben der Attraktivitätsforschung analysiert - anlässlich seiner Entstehung vor 500 Jahren. Laut der Studie stimme die menschliche Anatomie der Madonna nicht, berichtete die "SuperIllu". Nach Gründls Erkenntnissen baute Raffael optische Raffinessen ein, die aus seiner Sicht die anhaltende Faszination des Bildes ausmachen. Er habe seiner Madonna ein Aussehen gegeben, "das wahrlich nicht von dieser Welt" sei.

"Ein Wesen mit übergroßem, wuchtigem Frauenkörper und dem Gesicht eines etwa fünfjährigen Kindes, zugleich mit einem unrealistisch überlangen Mittelgesicht und im Verhältnis dazu viel zu zierlichen Unterkiefer." Das nach dem Kindchenschema künstlich verjüngte Gesicht machte Maria mit rundlichen Wangen attraktiv. "Schönheitsidole wie Topmodels haben heute tendenziell schmalere Gesichter, kräftigere Unterkiefer und ein dominanteres Kinn", erklärte Gründl.

Mit dem üppigen Frauenkörper habe Raffael ein starkes optisches Gegengewicht gesetzt und eindeutig signalisiert, dass es sich um eine Frau handele. Durch optisch länger wirkende und angewinkelte Beine sowie den wie in Stöckelschuhen ruhenden Füßen gab er ihr Würde und Eleganz. Der wie das seltsame Lächeln der Mona Lisa vieldiskutierte eigenartige Blick der Madonna indes bleibt auch Gründl ein Rätsel. "Alle Renaissancemaler haben idealisiert", sagte der Konservator für italienische Malerei der Galerie, Andreas Henning. "Man hat damals für das Auge gemalt."

Der geheimnisvolle Zauber der Sixtina bleibt gehütet. "Die feinen Widersprüchlichkeiten und Ambivalenzen sind es, die unseren Blick an das scheinbar so einfache und klare Bild fesseln", resümierte Gründl. Sakrale Würde verbinde sich mit subtilem Witz. Davon zeugt die Schau "Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500" in der Dresdner Sempergalerie. In den ersten fünf Tagen kamen schon 12.000 Besucher.

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4 Meinungen zu "Schön ist nicht schön genug"

  • Pharao90
    Freitag, 24.08.2012, 15:12 Uhr
    äh... ich finde den Körper nicht groß und wuchtig, sondern den, einer realistischen Frau und keines Teenagers. Ausserdem trägt sie 'dicke' Klamotten.
  • Scylla68
    Donnerstag, 23.08.2012, 13:57 Uhr
    Finde ich irgendwie schon deshalb unsinnig, weil man vom Körper überhaupt nix sieht dank des Mantels. Ich hatte mal das Glück an einer Führung teilzunehmen, die von einer Restauratorin des Museums durchgeführt wurde. Das Besondere an diesem Bild ist u.a., dass die Madonna, im Gegensatz zu fast sämtlichen anderen gemalten heiligen Damen, den Betrachter ansieht und nicht so verschämt nach unten guckt ;-) Die Nebenfiguren werden ja oft auch einzeln abgebildet. Ich finde das Bild schön. Und die Madonna auch ;-)
  • JenaLone
    Donnerstag, 23.08.2012, 13:55 Uhr
    Mal abgesehen davon, dass sämtliche Gesichter die selbe "hübsche" Eigenart an Proportionen besitzen, fasziniert mich viel mehr an dem Bild, dass der gesamte hellblaue Hintergrund aus Babyköpfen besteht, sowie, dass die beiden Frauen und der Papst je einen Heiligenschein besitzen, die Engel aber nicht. Achja, die verkürzten großen Zehen und der 6.te Zeh am rechten Fuß mal abgesehen. Die Schönheit des Bildes besteht darin, dass die Schönheit nicht durch Perfektion gemessen werden sollte, sondern durch Akzeptanz von Fehlern. Ich mag das Bild.
  • gluecksgeist
    Donnerstag, 23.08.2012, 13:07 Uhr
    … „Ein Psychologe näherte sich dem Geheimnis ihrer Attraktivität nun wissenschaftlich“…, ganz sicher, besonders wenn man diese „wissenschaftlichen Erkenntnisse" auch noch in einem Gossen Blatt veröffentlicht. Der Typ muss offenbar mal auf die Schwungscheibe zum auswuchten! Aber kein Wunder in einer Gesellschaft, wo man Botox verunstaltete Individuen als das Maß aller Dinge hochstilisiert.
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