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22.07.2012, 12:02 Uhr

Mückenatlas: Forscher erbitten Briefe mit Mücke drin

Potsdam/Berlin (dpa) - Fangen, einfrieren, abschicken: Im Dienst der Wissenschaft rufen Forscher in Deutschland zur großen Mückenjagd auf. Denn was besonders in nassen Sommern in Heerscharen herumsurrt und zusticht, ist nicht nur ein lästiges Übel auf Badewiesen oder beim Grillabend.

Es ist ein Forschungsobjekt: Stechmücke sei für Wissenschaftler nicht gleich Stechmücke, sagt Ina Pokorny vom Naturkundemuseum Potsdam. Um neue Arten in Deutschland aufzuspüren und zu bestimmen, wollen Forscher einen bundesweiten "Mückenatlas" zusammentragen. Fundstellen und Arten werden dabei auch online in eine Deutschlandkarte eingetragen. Denn im Zuge des Klimawandels überleben inzwischen auch Arten aus dem Mittelmeerraum in unseren Breiten.

Wer zum "Mückenatlas" beitragen will, muss nur einige Regeln beachten: "Wir benötigen ausschließlich Stechmücken. Sie sollten nicht zerquetscht, sondern möglichst unversehrt gefangen werden", sagt Pokorny. Durch die Schuppen oder Borsten könnten Forscher die Arten genau identifizieren.

Mücken blieben unversehrt, wenn sie zunächst in einem großen Einmachglas gefangen werden. "Wenn man das Glas dann eine Weile in den Kühlschrank stellt, kann man die Mücken hinterher leicht in ein kleineres Gefäß befördern", sagt Pokorny. Um das Tier endgültig zu töten, reiche eine Nacht im Gefrierfach.

Danach können sich Mückenjäger ein Mücken-Formular aus dem Internet ausdrucken, ausfüllen und ihren Fund losschicken - adressiert an das Brandenburger Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Eberswalder Straße 84, 15374 Müncheberg). Portokosten können die Wissenschaftler leider nicht erstatten. Sie bieten aber jedem Mückenjäger einen Service an: Wer im Formular eine E-Mail-Adresse angibt, bekommt die Art mitgeteilt, die er "erlegt" hat.

Für Mückenfänger in Potsdam und der näheren Umgebung gibt es einen Extra-Service. Sie können ihre Beute auch lebendig bei Pokorny im Naturkundemuseum abgeben - zum Beispiel im Einmachglas. Lebende Mücken werden in Potsdam bei minus 80 Grad eingefroren. Unter diesen Bedingungen können Forscher am Robert Koch-Institut das Tier später zusätzlich auch auf mögliche Viren oder Würmer untersuchen. "Wir brauchen außerdem möglichst detaillierte Informationen zur Fundstelle", sagt Pokorny, "Am besten sollte man den Stadtteil und den genauen Ort angeben - Keller oder Garten beispielsweise."

Bei dem Projekt könnten auch seltene oder bislang unentdeckte Mückenarten aufgespürt werden. 3500 Arten sind bislang weltweit bekannt, 49 davon in Deutschland. Wie kommen sie hierher? "Insbesondere beim Transport von Waren werden manchmal versehentlich Mücken oder deren Larven importiert", sagt Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Einzelne Insekten könnten auch in Passagierflugzeugen nach Deutschland gelangen.

Grund zur Beunruhigung gibt es allerdings nicht: Bisher wurden keine Fälle von Krankheiten diagnostiziert, die in Deutschland durch Stechmücken auf den Menschen übertragen wurden, heißt es in der Projektbeschreibung der Wissenschaftler - auch keine Malaria.

Heftig jucken können Mückenstiche aber - egal, welche Art der Blutsauger nun zusticht. Oberstes Gebot: nicht kratzen. Erst dadurch kann es zu bakteriellen Infektionen kommen, die sich zu Entzündungen entwickeln können.

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20 Meinungen zu "Bundesweiter Mückenatlas"

  • JayBeeXX
    Montag, 23.07.2012, 13:04 Uhr
    Und 'ne ganz böse Mücke muß im Bundeskanzleramt hausen, die hat da schon alle ganz irre gemacht...
  • TalkingMoose
    Montag, 23.07.2012, 12:51 Uhr
    @woll997 Nicht jede Mücke kann Malaria übertragen, weil die Erreger nicht in jeder Mückenart dauerhaft überleben können. Und da es bei uns (noch) nicht warm genug ist, dass diese speziellen Mücken überleben, werden auch Krankheiten nicht durch Mücken übertragen. iÍn Einzelfällen, aber nicht im großen Stil. Dass die Forscher jetzt noch Mücken mit Malaria an der Nordsee finden, ist somit mehr als unwahrscheinlich...
  • woll997
    Montag, 23.07.2012, 12:14 Uhr
    Die Mücken können heute schon Krankheiten übertragen. Das haben sie schon nach dem zweiten Weltkrieg geschafft, als die Kriegsgefangenen tropische Krankheiten mitbrachten und dann eine einheimische Person Malaria bekam. Wahrscheinlich wird uns nun diese Möglichkeit wieder als Folge der Klimaerwärmung verkauft. Aber das Ergebnis der Forschung dürfte jetzt schon bekannt sein. Also ich empfehle den Forschern mal die Mücken an der Nordsee in der Nähe von Tönning zu untersuchen. Auf der Halbinsel Eiderstedt waren damals die Kriegsgefangenen interniert, dort muß es irgendwo solche Mücken geben. Noch können bei uns die Mücken meistens keine tropischen Krankheiten übertragen, weil die tropischen Krankheiten hier noch zu selten auftreten.
  • MaoMao100
    Sonntag, 22.07.2012, 15:15 Uhr
    Also ich finde die Idee schon spannend, ich würde gerne wissen, welche Arten hier wohnen und mich stechen und wo sie herkommen. Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich noch nicht genau weiß, ob mir der Aufwand für diese Information (wer weiß, ob man sie tatsächlich erhält und ob sie wahr ist) wert genug ist. Es ist anstrengend, erst eine Mücke in die Wohnung zu locken (oder sie gar draußen zu fangen )und die dann auch noch wiederzufinden, sodass ich nicht die halbe Nacht schlaflos hinter ihr herjagen muss und am Ende doch noch gestochen werde.
  • JungeEltern
    Sonntag, 22.07.2012, 14:45 Uhr
    Ich mach das aber nicht mit, wahrscheinlich kommt dann als nächsten ein alarmierender Bericht was da für Viren und Würmer dranhängen, und das ist dann die Steilauflage dafür tropische Impfungen weltweit an Impfwütige zu vermarkten. Ich hab ja so eine in der Familie, und 6 Fehlgeburten reichten der nicht, das einzige Kind (eins von Zwillingen) was ihre regelmäßigen Giftcocktails ("Grippeimpfung ist sooo wichtig") überstanden hat, hat sie mit den Impfungen auch noch ruiniert bekommen, kann sich nicht auf schulische Leistungen konzentrieren (soll aber ein Überflieger werden), allergien gegen alles usw. Ich glaub hätte es damals diese Impfungen schon gegeben hätte sie sie auch genommen und dann wäre ihr der letzte vage Rest an Fortpflanzungschance auch noch genommen worden, weil ich habe ja zweifel dass das Mädchen mit dem Mindset der Mutter familientechnisch weit kommt.
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