Call-ID-Spoofing: Anrufe mit gefälschten Telefonnummern

Einer bekannten Telefonnummer auf dem Display vertrauen wir doch, oder? Schließlich gehen wir davon aus, dass ein Anruf von der Person oder dem Unternehmen stammt, dem die Nummer gehört. Doch genau diese Annahme können sich Betrüger zunutze machen.
Chef-Redakteurin Nicole
 Von Nicole – Lesedauer 6 Min.

Beim sogenannten Call-ID-Spoofing manipulieren Anrufende die übermittelte Rufnummer. Dadurch erscheint auf deinem Display eine andere Telefonnummer als diejenige, von der der Anruf tatsächlich ausgeht. So können sich Kriminelle beispielsweise als Bank, Polizei oder seriöses Unternehmen ausgeben.

Das Tückische: Ob eine Telefonnummer gefälscht wurde, kannst du ihr meist nicht ansehen. Wir zeigen dir, wie die Masche funktioniert, woran du verdächtige Anrufe erkennst und wie du richtig reagierst.


Das erfährst du in diesem Blog-Artikel

Was ist Call-ID-Spoofing?

Call-ID-Spoofing bedeutet, dass die angezeigte Telefonnummer eines Anrufs manipuliert wird. Der englische Begriff "Caller ID" steht für die Anruferkennung, "Spoofing" bedeutet so viel wie Täuschung oder Manipulation.
Beim Call ID Spoofing (auch Rufnummer-Spoofing genannt) stimmt die angezeigte Nummer also nicht unbedingt mit der tatsächlichen Absenderrufnummer überein. Dafür können echte fremde oder auch frei erfundene Nummern verwendet werden.

Übrigens: Auch bei E-Mails gibt es solche Täuschungsmanöver. Mehr dazu erfährst du im GMX Artikel über E-Mail-Spoofing.

Wie funktioniert Call-ID-Spoofing?

Bei jedem Telefonanruf wird eine Rufnummer als Absenderinformation übertragen. Diese Information lässt sich unter bestimmten technischen Voraussetzungen verändern.
So kann eine gefälschte Telefonnummer auf deinem Display erscheinen, obwohl der Anruf von einem anderen Anschluss stammt.

Mann telefoniert mit dem Smartphone und schaut skeptisch. Die Szene veranschaulicht einen möglichen Betrugsanruf mit gefälschter Rufnummer durch Call-ID-Spoofing
Call-ID-Spoofing: Wenn Betrüger eine gefälschte Telefonnummer anzeigen
Die tatsächliche Identität des Anrufenden lässt sich deshalb nicht allein über die Rufnummer bestätigen.
Gut zu wissen: Call-ID-Spoofing kommt häufig in Verbindung mit sogenanntem Vishing (Voice-Phishing) zum Einsatz. Dabei versuchen Kriminelle, am Telefon vertrauliche Daten oder Geld zu erbeuten. Eine gefälschte Rufnummer soll den Betrugsanruf besonders glaubwürdig erscheinen lassen – etwa, wenn vermeintlich deine Bank anruft.

Welche Nummern können beim Spoofing angezeigt werden?

Ob private Telefonnummer, Unternehmensnummer oder lokale Vorwahl: Beim Rufnummer-Spoofing können ganz unterschiedliche Nummern vorgetäuscht werden. Auch fiktive Rufnummern sind möglich.
Allerdings gibt es inzwischen technische Schutzmaßnahmen. Seit dem 1. Dezember 2022 müssen Telefonanbieter beispielsweise Anrufe abbrechen, bei denen die Notrufnummern 110 oder 112 unzulässig als Absender angezeigt werden.

Auch bei Anrufen aus ausländischen Netzen dürfen deutsche Rufnummern grundsätzlich nicht als Absender erscheinen. Eine Ausnahme besteht etwa beim internationalen Mobilfunk-Roaming.
Diese Vorgaben erschweren zwar den Betrug, verhindern Rufnummernmanipulationen aber nicht vollständig.

Welche Ziele verfolgen Betrüger mit gefälschten Nummern?

Mit einem gefälschten Anruf wollen Kriminelle vor allem Vertrauen gewinnen. Dafür geben sie sich beispielsweise als Bankmitarbeiter, Polizisten oder Kundenservice aus.

Ihr Ziel: dich zur Herausgabe persönlicher Daten, zu Geldüberweisungen oder zur Installation einer angeblichen Supportsoftware zu bewegen. Manchmal sollen Betroffene auch Gutscheinkarten kaufen oder Bargeld übergeben.

Beispiel: Angebliche Anrufe von Interpol oder der Polizei

Bei einer im Jahr 2022 grassierenden Betrugsmasche meldete sich eine englischsprachige Computerstimme im Namen von Interpol, Europol oder einer angeblichen "Federal Police". Sie behauptete, persönliche Daten seien missbraucht worden. Betroffene sollten anschließend die Taste 1 drücken, um mit einem vermeintlichen Beamten zu sprechen.

Solche Interpol-Anrufe oder Polizei-Fake-Anrufe sollten Angst erzeugen und Menschen zur Herausgabe von Informationen oder Geld drängen. Sicher ist dies auch in vielen Fällen gelungen. Und keine Garantie, dass diese oder eine ähnliche Masche im Namen der Polizei wieder erfolgen könnte.

Woran erkenne ich Call-ID-Spoofing?

Ob eine Rufnummer manipuliert wurde, erkennst du am Smartphone meist nicht zuverlässig. Achte deshalb besonders auf ungewöhnliche Gesprächsinhalte und Forderungen.

Typische Warnsignale für einen Betrugsanruf sind:

  • Zeitdruck oder Drohungen: Du sollst sofort handeln, sonst drohen angeblich Konsequenzen.
  • Geldforderungen: Du sollst überweisen, Bargeld übergeben oder Gutscheinkarten kaufen.
  • Vertrauliche Daten: Jemand verlangt Passwörter, PINs, TANs oder Bankinformationen.
  • Softwareinstallation: Du sollst eine App installieren, um ein angebliches Sicherheitsproblem zu beheben.

Auch ein unerwarteter Fake-Anruf mit Computerstimme kann verdächtig sein. Eine Bandansage allein ist allerdings noch kein Betrugsbeweis.

Was tun bei einem verdächtigen Anruf?

Am sichersten ist es, das Gespräch zu beenden und gegebenenfalls den angeblichen Absender selbst zu überprüfen. Du musst dich weder rechtfertigen noch auf Forderungen eingehen. So gehst du vor:

  • Auflegen: Lass' dich auf keinen Fall auf ein Gespräch ein.
  • Gib keine sensiblen Daten weiter, überweise kein Geld und installiere keine Software.
  • Absender überprüfen: Kontaktiere im Zweifelsfall das Unternehmen oder die Behörde über eine selbst recherchierte offizielle Telefonnummer.
  • Vorfall melden: Dokumentiere Rufnummer, Zeitpunkt und Gesprächsinhalt. Melde einen Verdacht auf Rufnummernmanipulation bei der Bundesnetzagentur , einen Betrugsverdacht gegebenenfalls auch bei der Polizei.
  • Wichtig: Rufe nicht einfach die angezeigte Nummer zurück. Sie könnte einer völlig unbeteiligten Person gehören.
  • Hast du bereits Geld überwiesen oder Zugangsdaten verraten? Kontaktiere umgehend deine Bank beziehungsweise den betroffenen Anbieter und sichere deine Konten.

Was tun, wenn angeblich die Bank oder Polizei anruft?

Fordert jemand im Namen deiner Bank oder der Polizei ungewöhnliche Zahlungen, persönliche Daten oder Sicherheitsmaßnahmen, beende das Gespräch.
Kontaktiere anschließend selbst die Bank oder die zuständige Polizeidienststelle über deren offizielle Nummer.

Besonders wichtig: Gib niemals TANs oder Passwörter am Telefon weiter (und auch sonst über keinen anderen Weg! Welche Passwortfehler du außerdem auf keinen Fall machen solltest) und bestätige keine unbekannten Überweisungen.
Auch die Polizei fordert dich nicht telefonisch dazu auf, Bargeld oder Wertgegenstände zur angeblichen Sicherung zu übergeben.

Was tun, wenn meine eigene Nummer für Spoofing verwendet wird?

Fremde Personen rufen dich zurück und behaupten, du hättest sie angerufen? Dann könnte deine Telefonnummer für Call-ID-Spoofing missbraucht worden sein.
Wurde deshalb dein Handy gehackt? Nicht unbedingt. Beim Prinzip Call-ID-Spoofing können Kriminelle deine Nummer als Absender vortäuschen, ohne tatsächlich über deinen Anschluss zu telefonieren.

Dokumentiere die ungewöhnlichen Rückrufe und melde den Verdacht bei der Bundesnetzagentur. Falls dir zusätzlich verdächtige Aktivitäten auf deinem Handy oder in deinen Kundenkonten auffallen, kontaktiere deinen Telefonanbieter.

Selbst wenn du deine Nummer im Sinne der Datensparsamkeit möglichst selten weitergibst, heißt das nicht automatisch, dass Cyberkriminelle deine Nummer nicht für Betrugszwecke nutzen: Die Bundesnetzagentur bestätigt ausdrücklich, dass eine Rufnummer gefälscht werden kann, ohne dass Betrüger sie vorher erwerben oder technisch freischalten müssen.

Kann ich Call-ID-Spoofing blockieren?

Nein. Einzelne Rufnummern kannst du sperren. Vollständig verhindern lässt sich Call-ID-Spoofing dadurch aber nicht, da Betrüger bei weiteren Anrufen andere Nummern anzeigen können.

So blockierst du unerwünschte Anrufe (je nach Gerät und Software-Version kann dies variieren):

  • iPhone: In der Telefon-App den Anruf auswählen und über die Anrufdetails den Anrufer blockieren.
  • Android: In der Telefon-App die betreffende Nummer auswählen und "Blockieren" beziehungsweise "Spam melden" nutzen.
  • Router: Bei vielen Geräten, etwa einer FRITZ!Box, lassen sich Rufsperren einrichten.

Beachte dabei: Eine gesperrte Nummer kann auch einem unbeteiligten Menschen gehören. 
 

Häufige Fragen zu Call-ID-Spoofing

1. Kann jemand mit meiner Telefonnummer anrufen, ohne mein Handy zu besitzen?
Ja. Beim Call-ID-Spoofing können Betrüger deine Telefonnummer als Absender anzeigen lassen, ohne Zugriff auf dein Handy oder deine SIM-Karte zu haben.

2. Kann ich herausfinden, wer mich mit einer gefälschten Nummer angerufen hat?
Als Privatperson lässt sich der tatsächliche Ursprung eines manipulierten Anrufs meist nicht selbst feststellen. Melde den Vorfall möglichst zeitnah der Bundesnetzagentur, damit er gegebenenfalls untersucht werden kann.

3. Ist ein Anruf mit gefälschter Telefonnummer automatisch Betrug?
Nein. Nicht jede abweichende Rufnummernanzeige ist betrügerisch. Kriminelle nutzen Call-ID-Spoofing aber gezielt, um ihre Identität zu verschleiern und Vertrauen zu erschleichen.

4. Wie kann ich verhindern, dass meine Telefonnummer missbraucht wird?
Dass Betrüger deine eigene Telefonnummer für Call-ID-Spoofing verwenden, lässt sich leider nicht vollständig verhindern. Sie können deine Nummer als Absender anzeigen lassen, ohne Zugriff auf dein Handy oder deinen Telefonanschluss zu haben.

 


Jetzt bei GMX registrieren

Wenn Du den Artikel hilfreich fandest, teile ihn gerne auch per E-Mail.


Dieser Artikel wurde erstmalig am 09.05.2022 veröffentlicht und am 14.10.2026 aktualisiert.

617 Personen finden diesen Artikel hilfreich.

Ähnliche Artikel

Digitaler Fußabdruck: So findest du Fotos und Infos über dich im Netz

Was ist Vishing? So erkennst du Phishing am Telefon

Spam erkennen: So entlarvst du verdächtige E-Mails