Im Rampenlicht des Internets: Kinder-Influencer
Influencer – wir alle haben schon viel von ihnen gehört und gesehen. Doch die neue Generation der Influencer wird immer jünger. Manche sind im wahrsten Sinne des Wortes noch Kinder. Im Blog beleuchten wir, welche Schattenseiten das Influencer-Dasein für Kinder birgt und warum dieser Trend auch aus rechtlicher Sicht kritisch gesehen wird.

Inhaltsverzeichnis:
✓ Was sind Kinder-Influencer?
✓ Der Reiz einer Influencer-Karriere
✓ Wer konsumiert Inhalte von Kinder-Influencern?
✓ Negative psychologische Effekte
✓ Die rechtliche Grauzone
✓ Aktuell tut sich etwas in der Debatte
✓ Was sind Kinder-Influencer?
✓ Der Reiz einer Influencer-Karriere
✓ Wer konsumiert Inhalte von Kinder-Influencern?
✓ Negative psychologische Effekte
✓ Die rechtliche Grauzone
✓ Aktuell tut sich etwas in der Debatte
Im Zeitalter von Influencern und persönlichen Marken, die über soziale Medien aufgebaut werden, ist es einfacher denn je, berühmt zu werden. Viele, vor allem junge Menschen, bewundern diese Online-Berühmtheiten und träumen selbst von einer Karriere im Internet. Da es für den Beruf des Influencers oder Content-Creators praktisch keine Altersgrenze gibt, wollen sich viele diesen Traum bereits in jungen Jahren erfüllen und starten ihre Karriere als Kinder-Influencer.
Was sind Kinder-Influencer?
Technisch gesehen unterscheiden sich Kinder-Influencer nur durch ihr Alter von "normalen" Influencern. Wie die erwachsenen Influencer haben diese Kinder ihre eigene Plattform, sei es YouTube, Instagram oder TikTok, auf der sie Inhalte für ihre Zuschauer produzieren. Einige von ihnen sind bereits so erfolgreich, dass sie schon in jungem Alter Markenverträge abschließen.helfen, Influencer, Models oder Schauspieler zu werden.
Oft geschieht dies in unschuldiger und guter Absicht, häufig stecken dahinter jedoch auch knallharte wirtschaftliche Interessen.
Der Reiz einer Influencer-Karriere
Heutzutage kann die Erstellung von Inhalten zu einer Vollzeitbeschäftigung werden, die einzelne Personen reich und berühmt gemacht hat und ihnen einen gewissen Prominentenstatus verleiht. Wer würde da nicht die Chance ergreifen? Aus diesem Grund fangen manche schon als Kinder an, Inhalte zu produzieren oder an populären Shows oder Wettbewerben teilzunehmen, in der Hoffnung, die Aufmerksamkeit von Marken oder großen Unternehmen in ihrer Nische zu erregen.Und tatsächlich ist dieses Geschäftsmodell recht erfolgreich. Vor allem in den USA, das als Hotspot des "Kidfluencings" gilt und wo Kinder mit eigenen YouTube-Kanälen oder als Teil von Familien-Vlogs sehr präsent und erfolgreich sind.
Durch Abonnements und andere Interaktionen mit ihren Fans können die Kinder-Influencer pro Monat bis zu sechsstellige Beträge verdienen. Denn hat ein Influencer-Profil viele Follower, Likes und Kommentare, ruft das schnell auch bekannte Firmen auf den Plan.
So kommt es zu Werbeverträgen mit großen Marken. Die "Kidfluencer" testen und vermarkten Produkte vor heimischer Familienkulisse. Vor allem auf ein junges Publikum wirkt das superauthentisch und ist entsprechend erfolgreich.
Auch in Europa bzw. in Deutschland nimmt das Phänomen der Kinder-Influencer weiter zu, ist aber aktuell noch weniger kommerziell ausgeprägt als in den USA.
Wer konsumiert Inhalte von Kinder-Influencern?
Man könnte meinen, dass in erste Linie Kinder bzw. Jugendliche die Inhalte von Kinder-Influencern konsumieren. Doch es ist leider nur ein Teil der Wahrheit.Eine 2024 von der New York Times veröffentlichte Untersuchung hat die dunkle Seite der Welt der Kinder-Influencer, insbesondere auf Meta-Plattformen, aufgedeckt:
Was als gutgemeinter Versuch der Eltern beginnt, die Karriere ihrer Kinder anzukurbeln, kann, so die Times "schnell in eine dunkle Unterwelt abgleiten, die von erwachsenen Männern beherrscht wird, von denen viele auf anderen Plattformen offen zugeben, dass sie sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen".
Im Zuge der Times-Studie stellte sich heraus, dass 32 Millionen erwachsene männliche Follower unter den 5.000 Kinder-Influencer-Accounts waren. Ein Blick in die entsprechenden Posts lässt zudem vermuten, dass die Interaktion mit einem hauptsächlich männlichen Publikum einem Missbrauch durch Pädophile Tür und Tor öffnen. Sexuell anzügliche Bemerkungen zu geposteten Fotos und Videos dürften hier nur die Spitze des Eisbergs sein.
Kinderbilder im Netz? Generell keine gute Idee …
Das Bundeskriminalamt (BKA) warnt generell davor, Bilder und Videos von Kindern ins Netz zu stellen – selbst, wenn sie noch so harmlos wirken. Zu groß sei die Gefahr, dass das Bildmaterial im Darknet lande und z. B. für computeranimierte Kinderpornographie missbraucht werde.
Blickt man auf die aktuelle Porno-Deepfake-Debatte, scheint dies nicht weit hergeholt zu sein …
Das Bundeskriminalamt (BKA) warnt generell davor, Bilder und Videos von Kindern ins Netz zu stellen – selbst, wenn sie noch so harmlos wirken. Zu groß sei die Gefahr, dass das Bildmaterial im Darknet lande und z. B. für computeranimierte Kinderpornographie missbraucht werde.
Blickt man auf die aktuelle Porno-Deepfake-Debatte, scheint dies nicht weit hergeholt zu sein …
Negative psychologische Effekte
Neben diesem sehr dunklen Kapitel gibt es noch eine weitere negative Seite des Influencer-Daseins:Durch die permanente Zurschaustellung des Privatlebens (egal, ob auf dem Kanal des Kindes oder auf dem Profil von Family-Influencern) wird die Privatsphäre des Kindes verletzt. Das kann zu Mobbing durch Mitschüler führen oder aber zu Hate Speech auf dem Account. Da die betroffenen Kinder damit im Zweifelsfall noch schlechter umgehen können als Erwachsene benötigen sie psychotherapeutische Unterstützung.
Influencing kann sich also – genau wie Sharenting – negativ auf eine gesunde seelische und körperliche Entwicklung von Kindern auswirken.
Die rechtliche Grauzone
Ein weiteres Problem bei Kinder-Influencern ist die rechtliche Grauzone, in der sich die Eltern – ob bewusst oder unbewusst – bewegen.Denn meist sind sie die treibende Kraft hinter den Accounts ihrer Kinder: Sie pushen und fördern deren Influencer-Aktivitäten – nicht wenige erhoffen sich dadurch auch ein zusätzliches Einkommen. Das Ganze kann sogar so weit gehen, dass das Kind mit dem Content das Haupteinkommen der Familie generiert.
Schnell entwickelt sich so eine ungesunde Eigendynamik: obald die Kinder mit ihren Accounts "viral" gehen, d. h. an Popularität gewinnen, fangen viele an, mehr oder exklusivere Inhalte zu produzieren, um den Schwung aufrechtzuerhalten und noch beliebter zu werden. Im schlimmsten Fall gehen Kinder so bereits im Grundschulalter einer Vollzeitbeschäftigung nach: Das Erstellen digitaler Inhalte ist Arbeit, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht.
Hier wird es problematisch, denn nach dem Gesetz, genauer gesagt nach der Kinderarbeitsschutzverordnung (KindArbSchV), dürfen Kinder erst ab 13 Jahren und nur unter bestimmten Voraussetzungen kindgerechte Arbeiten verrichten.
Kurz gesagt: Eltern von Kinder-Influencern verstoßen in einigen Fällen gegen das deutsche Kinderarbeitsgesetz. Denn sie lassen ihren Nachwuchs oft viele Stunden am Tag arbeiten. Hinzu kommt, dass sie die Kinder – wie oben geschildert – in ein potenziell unsicheres Umfeld, nämlich das Internet, drängen.
Aktuell tut sich etwas in der Debatte
In Politik und Gesellschaft mehren sich die Stimmen, die sich feste Regeln und Gesetze beim Thema "Kinder und Influencer-Marketing" wünschen. So wurden jüngst etwa im niedersächsischen Landtag Forderungen laut, den Schutz von Kindern bei sogenannten Familien-Influencern zu stärken.So wurde etwa diskutiert, Influencer Marketing von Kindern explizit im Jugendarbeitsschutzgesetz zu verankern und z. B. Agenturen, Firmen und Vereine dazu zu verpflichten, Ausnahmegenehmigungen zu beantragen, wenn Kinder an Werbemaßnahmen teilnehmen.
Es gibt also durchaus Ansätze, der wirtschaftlichen Ausbeutung von Kindern entgegenzuwirken. Eine gesetzliche Regelung mit entsprechenden Sanktionen wäre sicher ein wichtiger erster Schritt.
Doch auch den Eltern von Kinder-Influencern selbst sollte klar werden, welche negativen Effekte Influencing für ihren Nachwuchs haben kann. Im besten Fall sollten sie also verantwortungsvoll handeln und darauf achten, dass
- ihr Kind das Influencing freiwillig betreibt
- keine Überforderung entsteht
- und seine/ihre Privatsphäre geschützt wird
Es bleibt also abzuwarten, wie sich das Thema "Kinder-Influencing" hierzulande weiterentwickelt. Auch mit Blick auf das aktuell diskutierte Verbot der Social Media-Nutzung für Kinder.
Quellen:
- https://theweek.com/culture-life/personal-technology/child-influencers-Instagram
- https://www.nytimes.com/2024/02/22/us/instagram-child-influencers.html
- https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/IT-Nutzung/Tabellen/durchschnittl-nutzung-alter-ikt.html
- https://www.gesetze-im-internet.de/jarbschg/BJNR009650976.html
- https://www.gesetze-im-internet.de/kindarbschv/
Dieser Artikel wurde am 4.09.2024 erstmalig veröffentlicht und am 27.03.2026 aktualisiert.
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