München/Stuttgart - Die Sonne strahlt, der Himmel ist blau – ab ins Freibad oder an den See zur Abkühlung! Eine vortreffliche Idee, aber manchmal gerät man im Auto auf dem Weg dahin oder wieder heim ganz schön ins Schwitzen. Das kann auch gefährlich werden. Mit diesen Tipps kommen Sie an heißen Tagen sicher an.

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Schon vor dem Losfahren kann es hitzig sein. Nämlich dann, wenn das Auto in der prallen Sonne geparkt ist. Dann kann sich der Innenraum auf 60 Grad oder mehr aufheizen, warnt die Prüfgesellschaft GTÜ. Doch so heiß muss es gar nicht sein, damit es bedenklich wird.

Bereits 27 Grad im Innenraum können hinter dem Steuer schnell belastend werden. Der Puls steigt, die Konzentration und die Reaktionsfähigkeit sinken. Wenn die Temperatur von 25 auf 35 Grad klettert, steigt das Unfallrisiko laut ADAC um 20 Prozent. Die Wirkung der hohen Temperatur sei dann in etwa vergleichbar mit einer Fahrt unter dem Einfluss von 0,5 Promille Alkohol.

Kinder und Haustiere nie im Auto zurücklassen

Auch im Stand kann es für die Insassen schnell gefährlich werden. Daher sollte man bei sommerlichen Temperaturen Kinder und Tiere niemals und auch nicht "nur ganz kurz" im Auto zurücklassen. Auch leicht geöffnete Scheiben machen kaum einen Unterschied, wie ein Testversuch des ADAC zeigte: Schon bei einer Außentemperatur von 28 Grad kletterte die Temperatur im Auto bei 20 Minuten Standzeit auf bis zu 42 Grad, bei geschlossenen Fenstern wurden bis zu 45 Grad gemessen.

Aber auch schon bei Lufttemperaturen von 20 Grad und Sonnenschein kann die Temperatur im Auto so stark ansteigen, dass es etwa für den Nachwuchs gesundheitlich bedenklich wird – ganz speziell für Babys und Kleinkinder. Denn sie könnten wegen ihrer im Verhältnis zum Körpervolumen geringen Körperoberfläche die Wärme schlecht ausgleichen, so die GTÜ.

Mann fährt bei Hitze Auto
Puh, ist das heiß! Hohe Temperaturen im Auto beeinträchtigen die Konzentrationsfähigkeit. © dpa / Christin Klose/dpa-tmn

So bleibt das Auto beim Parken kühler

Im Allgemeinen hält man das Auto besser so kühl wie möglich. Zum Beispiel, indem man es idealerweise auf einem schattigen Parkplatz abstellt. Dabei kann man auch berücksichtigen, dass der Sonnenstrand im Uhrzeigersinn weiter wandert.

Der Zubehörhandel hat außerdem einige Hilfsmittel im Angebot, damit sich das Auto im Sommer nicht aufheizt. So gibt es nachträgliche montierbare Tönungsfolien, Abdeckplanen (oft "Halbgarage" genannt) oder reflektierende Sonnenschutzfolien für außen. Auch weiße Stofftücher fürs Armaturenbrett können für ein paar Grad weniger sorgen.

Am effektivsten ist laut ADAC die Halbgarage. Damit heizte sich der Innenraum eines Autos bei einem Praxistest um rund zehn Grad weniger auf als ohne diese Abdeckung. Als zweitbeste Methode erwies sich eine außen auf die Frontscheibe gelegte Sonnenschutzfolie. Sie verhindert ein Aufheizen der Sitzbezüge und Armaturen - im Test war es im Auto acht Grad kühler als ohne diesen Sonnenschutz.

Ein helles Tuch über dem Lenkrad, Kindersitz oder Sitzen mit glatten Flächen kann Verbrennungen beim Hinsetzen oder beim Griff ans Lenkrad vermeiden, denn dunkle Flächen heizen sich besonders stark auf. Der ADAC maß bei Lenkrad und Armaturen ohne Sonnenschutz-Zubehör Temperaturen von teils mehr als 70 Grad.

Klimaanlage richtig bedienen

Um angestaute Hitze effektiv aus dem Auto zu bekommen, raten ADAC und GTÜ: Alle Türen, Kofferraumklappe und - falls vorhanden - Schiebedach öffnen. Das sorgt für Durchzug und sollte schon nach wenigen Minuten für angenehmere Temperaturen im Auto sorgen.

Moderne Autos sind meist serienmäßig mit einer Klimaanlage ausgestattet – aber einfach rein und volle Pulle Eiszeit einstellen, ist nicht sinnvoll und kann krank machen. Allerdings es ist effektiv, die Klimaanlage direkt nach dem Start – kurzzeitig - auf maximale Kühlleistung einzustellen und dabei die Umlufttaste zu drücken. Das kühlt dann zunächst die Luft im Innenraum, statt gleich noch mehr warme Außenluft ins Auto zu holen.

Klimaanlage
Auch wenn die Versuchung zunächst groß sein mag: Die Klimaanlage im Auto stellt man besser nicht zu kalt ein. © dpa / Christin Klose/dpa-tmn

Nach der Kurzzeitkühlung gilt aber: Die Temperatur nicht zu niedrig einstellen und die Düsen nicht direkt auf den Körper oder das Gesicht lenken. Besser ist es, wenn der Luftstrom über die Schultern der vorn sitzenden Personen zieht. Die Wohlfühltemperatur liegt zwischen ungefähr 22 und 25 Grad.

Wer weniger als zehn Minuten fährt, schaltet die Klimaanlage besser nicht ein, rät der ADAC. Der Kurzzeitbetrieb bringe meist wenig und belaste den Kompressor sowie den Riemenantrieb durch das häufige An- und Abschalten. Ohne Klimaanlage kann man bei geringeren Geschwindigkeiten stattdessen die Fenster öffnen.

Speziell Kinder sollten gerade auf längeren Fahrten vor der UV-Strahlung der Sonne geschützt sein. Dafür gibt es laut GTÜ Zubehör für die hinteren Seitenscheiben, vor allem Sonnenblenden oder zugelassene Folierungen. Jedes System hat Vor- und Nachteile, eine gründliche Beratung vor dem Kauf ist sinnvoll. Reisende sollten längere Autofahrten generell idealerweise in den ganz frühen Morgenstunden, abends oder nachts starten.  © Deutsche Presse-Agentur

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