Winterwunderland oder Winterhölle? Das kann bezogen auf den Straßenverkehr zuweilen eng beieinander liegen. Denn die Kälte bringt mit Schnee und Eis nicht nur mehr rutschige Gefahr in den Alltag. Auch der Spritverbrauch steigt an. Dafür sorgen mehr Fahrten mit Licht, dann werden auch Scheiben, vielleicht noch Sitze, Lenkrad oder Außenspiegel beheizt. Wie lässt sich sinnvoll und sicher sparen?

Mehr zum Thema Mobilität

Nach dem Kaltstart - das richtige Maß beim Gas

Wer seinen Motor beim Anfahren nach dem Kaltstart hochdreht, verbrennt übermäßig Sprit. Aber auch das komplette Gegenteil kann viel Kraftstoff verbrauchen. Denn so wird die Zeit verlängert, bis der Motor seine Betriebstemperatur erreicht, erklärt Matthias Brügge von der Zeitschrift "Auto Bild".

Nur bei E-Autos spart sehr sanftes Anfahren dann Energie. Bei einem Verbrenner gilt es, das richtige Maß zu finden. Tipp zum Warmfahren: Nicht die Gänge hochdrehen, aber zügig Beschleunigen - flott, aber auch wieder nicht zu schnell.

Sobald der Motor warm ist, arbeitet er effizient. Auch dann die Gänge nicht ausfahren. Meist sei ab 2000 Touren der jeweils höchste Gang richtig, so Brügge. Und beim Runterschalten erst dann einen kleineren Gang einlegen, wenn der Motor ruckelt oder dunkel brummt.

Aber Sicherheit geht vor. "Das Gas geben und die Fahrweise immer an die möglicherweise glatten Straßenverhältnisse anpassen", sagt Vincenzo Lucà vom Tüv Süd.

Warmlaufen lassen im Leerlauf - ist das überhaupt sinnvoll?

Wichtig: Die Kaltlaufphase so kurz wie möglich halten, denn sie kostet besonders viel Sprit und bringt mehr Verschleiß. Vielleicht dann besser den Motor im Stand etwas laufen lassen?

Nein. Ein Warmlaufen lassen im Leerlauf erhöht nicht nur den Motorverschleiß, benötigt mehr Sprit, sondern kann auch wegen der Umweltbelastung ein Bußgeld von 80 Euro nach sich ziehen, so Matthias Brügge. Zudem bringt es auch nicht viel. Im Leerlauf bleibt das Kühlwasser lange sehr kühl. Erst bei mittleren Drehzahlen unter Last erreiche ein Verbrenner die Betriebstemperatur.

Diese liegt bei Ottomotoren bei etwa 90 Grad, was am Instrument für die Kühlwassertemperatur direkt mit Temperaturangabe erkennbar sei. Bei manchen Modellen fehlt diese jedoch. Dann sollte sich der Zeiger in der Mitte der Skala aufhalten - bei ganz niedrigen Außentemperaturen auch etwas darunter.

Wann genau die richtige Betriebstemperatur des eigenen Motors erreicht ist und wo man sich im Cockpit darüber informieren kann, darüber dürfte auch die Betriebsanleitung Auskunft geben, so Lucà.

Nach dem Kaltstart sind die Öle noch zähflüssig

"Fünf bis zehn Sekunden sollte man auch dem Öl Zeit lassen, damit es im Motor alle Bereiche erreichen kann", sagt Vincenzo Lucà. Und je kälter es draußen ist, desto zähflüssiger ist der Schmierstoff.

Und erst langsam erwärmt es sich. Das zeigt auch ein Test des ADAC. Hierbei erreichte das Motoröl bei einer Außentemperatur von minus 10 Grad nach 4 Minuten Warmlaufenlassen erst eine Temperatur von minus 7 Grad. Aber dafür wurden schon etwa 0,1 Liter Benzin verbraucht. Deswegen rät auch der Club, die Fahrt direkt nach dem Starten des Motors zu beginnen.

Auch das Getriebeöl ist noch kalt: "Bei Schaltwagen den Schaltknüppel immer sanft durch die Gassen führen und nicht reißen", sagt Lucà. Sonst erhöhe sich der Verschleiß oder es drohten auf Dauer Schäden.

Idealerweise dreht man erst dann die Heizung auf, wenn der Motor auf Temperatur ist. Wenn vorzeitig Wärme in den Innenraum abgeführt wird, verlängert auch das laut Brügge die Kaltlaufphase des Verbrenners. Denn hier erwärmt die Motorabwärme den Innenraum.

Nicht mehr benötigte Verbraucher abschalten

Zwar produziert die Lichtmaschine bei Autos mit Verbrenner den Strom für Geräte und Funktionen an Bord - doch das kostet eben auch Sprit. Je mehr an sind, desto höher der Spritverbrauch. Daher macht es Sinn, diese nur bei Bedarf ein- und auszuschalten. Ein paar Beispiele: Beheizbare Front- und Heckscheiben können im Mittel auf 100 Kilometer schon bis zu 0,8 Liter Benzin mehr kosten. Eine Sitzheizung kann auf 100 km 0,1 Liter mehr bedeuten.

Aber: Nie an Verbrauchern für die Sicherheit sparen. Also etwa bei der Beleuchtung gerade im Winter, beim Radio für den Verkehrsfunk oder beim Gebläse gegen beschlagene Scheiben.

Auf der Autobahn: Weniger ist mehr Spritsparen

Beim Schnellfahren steigert der Luftwiederstand den Spritverbrauch massiv, er wachse im Quadrat zum Tempo. Ein Beispiel: Der Verbrauch bei 160 km/h liegt um die Hälfte über dem bei Tempo 100. Abgesehen davon bringe Schnellfahren keinen messbaren Zeitgewinn, so Redakteur Brügge. Dazu kommt die Gefahr durch rutschige oder überfrierende Straßen.

Richtigen Druck machen

Gerade bei eiskalten Temperaturen wichtig: Regelmäßig den Reifendruck checken und nach Herstellerangaben einstellen. Denn kalte Luft zieht sich zusammen. So nimmt auch bei kalten Außentemperaturen der Druck im Reifen ab. Aber gerade zu niedriger Druck erhöht den Rollwiderstand der Pneus und erhöht den Spritverbrauch.  © dpa

JTI zertifiziert JTI zertifiziert

"So arbeitet die Redaktion" informiert Sie, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte stammen. Bei der Berichterstattung halten wir uns an die Richtlinien der Journalism Trust Initiative.